Hannover. Gestern geputzt, heute gefüllt: Tausende Kinder in Hannover schauen am Dienstag gespannt in ihre Stiefel, hat dort doch der Nikolaus meist etwas Süßes oder auch eine Kleinigkeit zum Spielen hinterlassen. Dabei ist der heutige Tag schon so etwas wie ein Testlauf für das eigentliche Weihnachtsfest: Wem der Nikolaus etwas in die Stiefel gesteckt hat, der wird Weihnachten sicherlich auch nicht ganz leer ausgehen – schließlich heißt es ja, dass der Heilige aus Myra nur brave Kinder an seinem heutigen Ehrentag bedenkt. Und daran wird sich sicherlich auch der Weihnachtsmann halten.
Nadia, Rania, Tarek und Michael Schneider aus Linden haben am Montag jedenfalls schon einmal alle Stiefel sorgfältig geputzt. Denn schmierige, schmutzverkrustete Schuhe mag der Nikolaus gar nicht. Außerdem haben sie eine Schale mit Wasser und eine Mohrrübe für das Nikolaus-Pferd nach draußen gestellt, damit das Tier was zu knabbern hat. „Zu Nikolaus bekommen sie immer nur eine Kleinigkeit“, sagt Mutter Nadia Schneider. Neben Mandarinen, Nüssen und Süßigkeiten will der elterliche Nikolaus auch CDs in die Stiefel der Kinder stecken.
Ähnliches gilt auch für Familie von Wasielewski: „Nikolaus soll ja nicht Weihnachten ersetzen“, betont Sabine von Wasielewski. So finden die dreijährigen Zwillinge Karl und Friedrich heute Backschürzen, Topflappen und Ausstechförmchen für einen adventlichen Backnachmittag in ihren Schuhen. Den vierjährigen Heinrich lacht eine Puppe fürs Kasperletheater an. Und natürlich hat auch die siebenjährige Johanna eifrig ihre Stiefel geputzt. Selbst Vater Reinhard von Wasielewski geht nicht leer aus: Der Nikolaus bringt ihm ein Hörbuch.
Und auch für Kinder, die sehr hilfsbereit sind, hat der Nikolaus ein Herz. Weil die dreijährige Noemi für ihren kleinen Bruder Paul, der erst im Sommer geboren wurde, die Lederschläppchen mitputzte, bedenkt der Heilige die Tochter von Martin und Caroline Prenzler heute selbstverständlich auch mit kleinen Überraschungen. „Bei uns gibt es auch nur eine Kleinigkeit“, sagt Noemis Vater.
Dass der heutige Nikolaustag für die kleine Uljana etwas üppiger ausfällt, liegt nicht etwa daran, dass die Dreijährige ein ganz besonders braves Mädchen ist: Weil ihr Vater Uwe Kreuzer aus der Frankfurter Gegend stammt und dort der Nikolaus bereits am Vorabend kleine Geschenke in die Stiefel der Kinder legt, hat auch Uljana am Montag schon ein kleines Geschenk vorgefunden. „Bei uns kommt er einen Tag früher“, sagt ihr Vater lächelnd. Dass die Dreijährige heute nochmals beschenkt wird, hat einen ganz simplen Grund: Sie feiert ihren dritten Geburtstag. Für das Mädchen ist der 6. Dezember also ein doppelt besonderer Tag.
Für den Nikolaus ist das natürlich nicht nur eine besondere Ehre, sondern es erleichtert ihm auch die Arbeit. Und auch sonst ist er in diesen Tagen etwas auf die Unterstützung der Eltern angewiesen, damit die Kinder auch alle etwas im Schuh oder in wenigen Wochen unterm Baum vorfinden.
Heike Schmidt
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