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Aus der Stadt Ein Bringdienst auch für Blinde
Hannover Aus der Stadt Ein Bringdienst auch für Blinde
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00:18 01.07.2015
Von Simon Benne
„Ich hielt Ausschau nach einer Nische“: Unternehmer Jan Feldmann. Quelle: Mast
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Hannover

Wenn Jan Feldmann seine Kunden beliefert, gibt er die Einkaufstüte nicht einfach an der Haustür ab. Er räumt die Lebensmittel dann ein, liest den Kunden das Haltbarkeitsdatum des Puddings vor und erklärt, dass er die Milch im Kühlschrank rechts abstellt. „Ich kann nicht arbeiten wie ein gewöhnlicher Bringdienst“, sagt der 25-Jährige. Vor drei Jahren hat der Student das Portal www.wunscheinkauf.de  gegründet – einen Online-Lieferservice, der speziell auf die Bedürfnisse von Blinden und Sehbehinderten zugeschnitten ist.

Die Geschichte seines Bringdienstes ist auch die Geschichte eines ganz persönlichen Aufstiegs: Als Jan Feldmann zehn Jahre alt war, kam seine Familie aus Usbekistan nach Deutschland. Zunächst wurden sie im Durchgangslager Friedland untergebracht, dann kamen sie nach Hannover. Feldmann machte Abitur an der IGS Kronsberg – und anschließend suchte er nach einer Idee. „Ich hielt Ausschau nach einer Nische“, sagt der 25-Jährige, „nach einer Marktlücke.“ Er wusste, dass Lieferdienste boomen, da immer weniger Menschen Zeit zum Einkaufen finden. Und irgendwann hörte er, dass viele Blinde ungern in Supermärkte gehen, da sich eine Tomatenbüchse durch bloßes Betasten nun mal kaum von Erbseneintopf unterscheiden lässt.

Die Idee zu Wunscheinkauf.de war geboren: Die Internetseite bietet Sehbehinderten extra große Schrift und große Bilder von Wurst oder Zahnpasta. Es gibt keine Werbebanner oder Links zu anderen Seiten, die das Auge irritieren. Und sie verfügt über spezielle Vergrößerungs- und Vorleseprogramme. Wenn Blinde etwas bestellen wollen, ploppen in der Braille-Zeile ihrer Tastatur Noppen auf, sodass sie ertasten können, was auf der Website steht. Feldmann liefert die online bestellten Waren dann aus – für 15 Euro pro Fahrt. Als die Internetseite 2012 – unterstützt von Blindenorganisationen – online ging, stand sein Rechner noch im Jugendzimmer seiner elterlichen Wohnung.

Inzwischen studiert Jan Feldmann; Digitale Medien und Internetbusiness. Zwischen den Vorlesungen checkt er die Mails mit den Bestellungen. „Ich glaube, heute haben nur noch Ideen Zukunft, die wirtschaftliche und soziale Aspekte miteinander verbinden“, sagt er. Allerdings räumt er ein, dass es schwer ist, Investoren zu finden – gerade für solche Ideen. Er hat es trotzdem versucht. Und er arbeite schon an weiteren Projekten, sagt er: „Es gibt so viele gute Ideen?...“ Blinde können ebenso wie Sehende Bestellungen unter www.wunscheinkauf.de  oder telefonisch unter (0511) 10533608 aufgeben.

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