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Aus der Stadt Ein „Ey, du Bulle“-Ruf und die Folgen
Hannover Aus der Stadt Ein „Ey, du Bulle“-Ruf und die Folgen
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13:20 01.07.2011
Von Tobias Morchner
Quelle: dpa (Archiv)
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Hannover

Die Berichterstattung über die verbale Auseinandersetzung zwischen einem Sechstklässler und einem Polizisten hat viele, zum Teil sehr unterschiedliche Reaktionen hervorgerufen. So erhielt der Beamte viel Zuspruch für sein Verhalten. Auch werden die Eltern des Schülers kritisiert, weil sie Strafanzeige gegen den Polizisten erstattet hatten. Der Gymnasiast hatte in der vergangenen Woche den Beamten aus dem geöffneten Fenster des Klassenzimmers heraus mit den Worten „Ey, du Bulle“ beschimpft. Der Schutzmann war daraufhin in den Klassenraum gerannt und hatte die 33 Schülerinnen und Schüler mit folgenden Sätzen zurechtgewiesen: „Welches von euch Arschlöchern will eins auf die Fresse? Das ist die Sprachebene, auf der wir uns gerade befinden.“ Der Schüler, der den 52-jährigen Polizisten beschimpft hatte, entschuldigte sich zwar von sich aus für sein Verhalten. Dennoch fühlten sich einige der 33 Sechstklässler, die den zweiten Satz des Beamten offenbar nicht vernommen hatte, beleidigt. Noch am Nachmittag zeigten Eltern den 52-Jährigen wegen Beleidigung an.

Im Internetforum der HAZ wird der Vorfall ausgiebig kommentiert. „Der Polizist hat wohl etwas überreagiert. Klar, dass er viele Schüler mit seinem Auftritt in der Klasse verängstigte“, schreibt dort ein Leser. „Ob das pädagogisch wertvoll war, darüber lässt sich streiten“, heißt es in einem anderen Kommentar: „Eine ,normale‘ verbale Kommunikation mit einem solchen Sechstklässler aber hätte wohl eher dazu geführt, dass sich jeder nach seinem Besuch über ihn lustig gemacht hätte“. In einem anderen Beitrag heißt es: „Das war Sozialkunde pur – live und in Farbe.“ Auch ein Sinnspruch findet sich: „Quäle nie einen Beamten zum Scherz, denn er hat wie du ein Herz.“ Andere nennen das Verhalten des Beamten – er hatte mit der Faust auf den Tisch unbeteiligter Schüler gehauen und lautstark in die Klasse gebrüllt – den Versuch einer „Legitimation von Selbstjustiz, ausgeführt von einer Respektsperson der Exekutive der Bundesrepublik“. Prompt folgt aber der Konter: „Mag ja sein, dass der Polizist seine Kompetenzen überschritten hat. Einen Grund für eine Beleidigungsklage gegen ihn vermag ich da aber nicht zu sehen“, schreibt ein HAZ-Leser und erinnert an die Verantwortung in den Elternhäusern: „Die Eltern, die sich da nun aufregen, hätten ihre Kids lieber besser erziehen sollen.“ Schließlich hätte es den Vorfall nicht gegeben, wenn der Schüler nicht „Bulle“ gerufen hätte.

Es gibt keine Verhaltensregel bei Beschimpfung

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) wollte sich zum konkreten Fall an der Schule nicht äußern. „Manchmal kann ein offenes Wort nicht schaden, allerdings liegt es immer im Ermessen des einzelnen Kollegen, wie er sich in einer bestimmten Situation verhalten soll“, sagt Niedersachsens GdP-Chef Dietmar Schilff. Nach Angaben des Gewerkschafters gibt es bei der Polizei keine generellen Verhaltensregel für Beamte, die auf der Straße beschimpft werden. Das niedersächsische Innenministerium wollte mit dem Hinweis auf das laufende Verfahren keine Stellung zu dem Fall beziehen.

Christian Pfeiffer, der Direktor des Kriminologischen Forschungsinstitutes Niedersachsen, sprach sich dafür aus, in dem Konflikt zwischen Schüler und Beamten einen Vermittler einzuschalten. „Es gibt hervorragende Mediatoren, die ein Gespräch zwischen den beiden leiten könnten“, sagte er. Der Beamte habe mit Sicherheit gute Absichten gehabt, dabei allerdings den Empfängerhorizont der Schüler überschätzt. „Der Junge wollte durch die Beschimpfung des Polizisten sicherlich seinen Klassenkameraden imponieren, wenn auch auf eine etwas grobe Art“, erklärte Pfeiffer. Beide Verhaltensweisen seien, so der Kriminologe, letztlich nicht so ernst zu nehmen, wie das offenbar manche in diesem Fall getan hätten.

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