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Ein Faschist als Ehrendoktor

NS-Vergangenheit der Leibniz-Uni Ein Faschist als Ehrendoktor

Seit einigen Jahren arbeitet die Uni ihre NS-Vergangenheit systematisch auf. Jetzt hat eine vom Senat eingesetzte Arbeitsgruppe einen Berichtsband vorgestellt. Darin geht es auch um diejenigen, die vom NS-Unrecht profitierten.

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Feier anlässlich der Rektoratsübergabe am 19. Juni 1933 in der Turnhalle der TH Hannover.

Quelle: Carl Thies Nachf./Universitätsarchiv

Hannover. Von Theoretischer Physik verstand er nicht allzu viel. Experten wie Werner Heisenberg oder Max von Laue äußerten sich in Gutachten teils vernichtend über seine fachlichen Fähigkeiten. Dennoch bekam Teodor Schlomka 1935 an der Technischen Hochschule Hannover einen Lehrstuhl für Theoretische Physik. Die Disziplin galt den Nazis als „jüdisch dominiert“, und das NSDAP-Mitglied Schlomka sollte in Hannover im Sinne einer „Deutschen Physik“ Zeichen setzen.

Sein Fall ist einer von Dutzenden, bei denen Akademiker an der heutigen Leibniz-Uni aus politischen Gründen begünstigt wurden. Seit einigen Jahren arbeitet die Uni ihre NS-Vergangenheit systematisch auf. Vor drei Jahren ehrte sie in einer Gedenkveranstaltung bereits die Opfer, darunter Wissenschaftler, die aus rassischen oder politischen Gründen geschasst wurden. Jetzt hat eine vom Senat eingesetzte Arbeitsgruppe den Berichtsband „Nationalsozialistische Unrechtsmaßnahmen an der Technischen Hochschule Hannover“ (Imhof Verlag, 220 Seiten, 29,95 Euro) vorgestellt. Darin geht es auch um diejenigen, die vom NS-Unrecht profitierten.

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Das Buch wird am Donnerstag (17. November), 18.30 Uhr, im Lichthof der Leibniz-Uni vorgestellt.

Das Thema ist bis heute brisant; allein 21 Professoren hat die Arbeitsgruppe als „Begünstigte“ ausgemacht. Um möglichen Angriffen von Nachkommen präventiv den Wind aus den Segeln zu nehmen, erläuterte der Jurist Hans-Peter Bull bei der Buchpräsentation im Lichthof der Uni vorsorglich, dass es ein „Recht auf Vergessenwerden“ nicht gebe und dass alle sachlichen Feststellungen in dem Buch durch Quellen belegt und von der Freiheit der historischen Forschung gedeckt seien.

„Meilenstein der Aufarbeitung“

Uni-Präsident Volker Epping nannte den Band einen „Meilenstein der Aufarbeitung“. Gleichwohl müsse diese weitergehen. Das Buch habe „Pilotcharakter“ auch für andere Unis, da es auch die Rolle von wissenschaftlichen Mitarbeitern und Studenten untersucht habe, sagt der Chemieprofessor Holger Butenschön, der die Arbeitsgruppe leitete. Tatsächlich zeigt der Band auf diese Weise, in welch großem Umfang die TH damals Nazis protegierte. Bei Zulassungen zum Studium, der Vergabe von Stellen und der Verleihung von Titeln achtete man sehr genau darauf, wer politisch auf Linie war.

Auf ausdrücklichen Wunsch des Gauleiters wurde etwa Werner Osenberg 1938 auf den Lehrstuhl für Werkzeugmaschinen berufen, obwohl seine Qualifikation als zweifelhaft galt. Noch Ende Januar 1945 schrieb Osenberg an Hitler persönlich, dass sich „die Luftkriegslage fast schlagartig“ verändern ließe, wenn nur seine „Flakrakete Planet“ gebaut würde.

Praktisch alle, die an der Hochschule in der NS-Zeit eine gut dotierte Stelle bekamen, waren mindestens systemkonform. Dazu verlieh die TH Ehrentitel an ranghohe Nazis. Der Regierungspräsident Rudolf Diels, Mitbegründer der Gestapo, wurde zum Ehrensenator ernannt. Und der italienische Faschist Roberto Farinacci bekam den Ehrendoktor - für Verdienste um städtebauliche Modernisierung. Sein Jura-Examen hatte er sich per Plagiat erschwindelt.

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