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Aus der Stadt Ein Hannoveraner hilft auf hoher See
Hannover Aus der Stadt Ein Hannoveraner hilft auf hoher See
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00:17 30.12.2017
Im Einsatz auf dem Mittelmeer: Die Sea-Watch 3 unterwegs bei der Rettung von Flüchtlingen. Quelle: Fabian Melber
Hannover/Malta

Das Mittelmeer ist rau in diesen Wintertagen. Der 26-jährige Hannoveraner Fabian Melber aber kennt das schon: Es ist schon seine fünfte Tour mit der Crew der Sea-Watch, um nach Flüchtlingen Ausschau zu halten. Denn das Meer, an dem die Mitteleuropäer so gerne ihren Urlaub verbringen, ist in den vergangenen Jahren für Tausende zur Todesfalle geworden. Das neueste Schiff der Flotte, die Sea-Watch 3, hat am zweiten Weihnachtstag in Malta abgelegt und sucht nach manövrierunfähigen Booten, auf denen Flüchtlinge versuchen, nach Europa zu gelangen. 

19 Bilder von den Einsätzen der Sea-Watch 3 auf dem Mittelmeer.

Die Missionen sind umstritten. Den Helfern, viele von ihnen ehrenamtlich, wurde in den vergangenen Monaten oft vorgeworfen, sie erleichterten den Schleppern das Handwerk, kooperierten vielleicht sogar mit ihnen: Die Flüchtlingsboote müssten gar nicht mehr seetauglich sein, wenn sie ohnehin von Helferschiffen aufgelesen würden. „Ach, das ist doch alles eine groß angelegte Kampagne“, sagt Melber: „Die Flüchtlinge machen sich nicht unseretwegen auf den Weg, sondern weil sie vor Krieg und Terror fliehen.“ Dramatische Szenen seien es, die sich zuweilen vor den Augen der Retter abspielten. „Wenn Menschen von Bord eines sinkenden Schiffs springen, dann wird jede Hand gebraucht, um die Menschen vor dem Ertrinken zu retten.“ Und, ja: Man sei auch schon zu spät gekommen. Es sei ein schrecklicher Anblick, wenn Menschen im Wasser trieben. 

„Es ist das Do-it-yourself-Gefühl“

Melber ist derzeit als Fotostudent an der Hochschule Hannover eingeschrieben. Zuvor hat der gebürtige Würzburger in Marburg Politikwissenschaften studiert, damals in einem Hilfsprojekt auf Malta mitgearbeitet und so das Team der Sea-Watch kennengelernt. „Bei vielen Hilfsorganisationen sind die Crews fast komplett aus Profis zusammengesetzt – bei der Sea-Watch dagegen sind viele an Bord, die einfach nur helfen wollen“, sagt Melber. Wobei er einräumt, dass sich die Zusammensetzung spätestens mit Inbetriebnahme des dritten, größeren Schiffs geändert habe. Gelernte Nautiker, Matrosen, Maschinisten brauche man ohnehin, inzwischen machten diese Profis mehr als die Hälfte des Teams an Bord aus. Aber die anderen seien eben Seefahrtslaien, die „mit Herz und Hand“ dabeiseien. „Was die Sea-Watch-Einsätze ausmacht, ist das Aktivistische, das Do-it-yourself-Gefühl“, sagt Melber, „und genau das mag ich daran.“ 

2015 hat der Unternehmer Harald Höppner den gemeinnützigen Verein Sea-Watch in Berlin gegründet. Der heute 45-Jährige bezeichnet sich als Seenotrettungsaktivist. Aus erspartem Geld kaufte er den ersten Fischkutter für das Projekt, aus Spenden wurde das Schiff saniert. Die Sea-Watch 2 ist inzwischen weiterverkauft. Nachfolger Sea-Watch 3 wurde in diesem Jahr von der Organisation Ärzte ohne Grenzen abgekauft, eine 22-köpfige Crew findet darauf Platz und kann auch Flüchtlinge an Bord nehmen.

Feuerwerk an Silvester? Nein, nur Notraketen

Bis Mitte Januar wird die Mission diesmal dauern. Alkohol ist an Bord verboten, „und wenn wir ein Feuerwerk sehen sollten, dann ist es wohl die Signalrakete eines Schiffs in Seenot“, sagt Melber. Gefeiert werde an Silvester aber durchaus. „Bestimmt kochen wir gemeinsam“, sagt Melber: „Das Team ist inzwischen wie ein großer Freundeskreis.“

Politisch und religiös will die Sea-Watch unabhängig sein – der Einsatz diene rein humanitären Zwecken. Vereinssprecher Ruben Neugebauer, auch ein ehemaliger Fotostudent aus Hannover, macht in seinen Stellungnahmen aber keinen Hehl daraus, dass man die Flüchtlingspolitik der EU für gescheitert hält. „Es gibt keine legale Einreisemöglichkeit in die EU für die Flüchtlinge, die vor Krieg, Terror, Hunger und Gewalt fliehen“, sagt auch Fabian Melber: „Nur deswegen hat das Schlepperwesen Bestand, und die Menschen sind den Schleppern in ihrer Not ausgeliefert.“ Schlimm sei es, was die Flüchtlinge an Bord aus den Libyschen Auffanglagern berichteten. „Oft“, sagt Melber, „ oft sind wird nach Monaten die ersten, von denen sie ein Lächeln und Unterstützung bekommen.“ Das lohne die Strapazen des Einsatzes. Auch, wenn vom nächsten Semester an das Studium wieder mehr Zeit brauche. „Das hat sehr unter den Einsätzen gelitten“, gibt der 26-Jährige zu. 

Von Conrad von Meding

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