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„Man hat gesehen, was Armut bedeutet“

Ein Jahr Technische Einsatzleitung „Man hat gesehen, was Armut bedeutet“

Monatelang hat die Technische Einsatzleitung der Region Hannover Flüchtlinge am Messebahnhof in Laatzen begrüßt und von dort weiterverteilt. Nun hat die Einsatzleitung ihren 30. Jahrestag gefeiert. Und dabei eine Bilanz der Arbeit der vergangenen Monate gezogen.

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Quelle: Symbolbild

Die Bilder von der massenhaften Ankunft der Flüchtlinge hat er nicht vergessen. Im Gegenteil, es wirkt so, als sei es erst gestern gewesen, dass Thomas Och sich mit der Verteilung der Flüchtlinge am Messebahnhof in Laatzen beschäftigt hat, so klar kann er die Situation immer noch schildern. Manche hätten in Badeschlappen auf dem Bahnsteig gestanden, „mitten im Winter“, erinnert sich der stellvertretende Leiter der Technischen Einsatzleitung (TEL) der Region Hannover. Manche der Flüchtlinge hätten ihr gesamtes Hab und Gut in Plastiktüten verstaut gehabt. Überhaupt: die vielen Kinder, die teilweise sogar ohne Eltern angekommen seien. Manche hätten barfuß auf dem Bahnsteig gestanden. Manche Mütter hätten sie unter dem Mantel getragen, damit sie nicht so sehr frieren mussten.

Der Messebahnhof Laatzen, für die Expo 2000 gebaut, um große Menschenmassen möglichst schnell auf das angrenzende Messegelände zu bringen, war in der Zeit, die Och mit so eindrücklichen Worten beschreibt, zum Drehkreuz für Flüchtlinge geworden. Es war der einzige Verteilpunkt für Flüchtlinge im Norden Deutschlands. Die in Hochzeiten der Flüchtlingskrise um die 1000 Menschen, die täglich in Sonderzügen ankamen, wurden von hier aus mit Bussen auf ganz Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Hamburg und Bremen verteilt.

Die Technische Einsatzleitung der Region Hannover hatte die Aufgabe, die Verteilung der Flüchtlinge zu koordinieren. Es war einer der ungewöhnlichsten Einsätze in ihrer bewegten Geschichte. „Es war keine mit Notstromaggregaten ausgeleuchtete Einsatzstelle, wie wir sie sonst kennen, mit Hektik, mit Verletzten, Toten“, sagt Och: „Es waren einfach nur Menschen, die wir von A nach B transportieren mussten.“ Aber man habe blitzartig einen Begriff davon bekommen, was Armut, was menschliches Elend ist.

Die Männer und Frauen der TEL waren auch bei Naturkatastrophen wie dem Oderhochwasser 1997 sowie dem Elbehochwasser 2002 und 2013 in Magdeburg unterstützend tätig. Auch bei dem ICE-Unglück in Eschede 1998, bei dem 101 Menschen ums Leben kamen und 88 Verletzte versorgt werden mussten, waren sie vor Ort.

Am Sonnabend feierten sie ihren 30. Geburtstag mit einem Empfang im Regionshaus. „Wir haben mit der TEL eine Institution vor Ort, die bundesweit nicht Standard ist, sondern im Gegenteil vermutlich einzigartig“, lobte Regionspräsident Hauke Jagau. Unter ihrer Führung sei es möglich, dass die verschiedensten Einsatztruppen und Hilfsorganisationen im Katastrophenfall optimal zusammenarbeiteten. Die TEL, eine mobile Einsatzleitung des Katastrophenschutzes, ist mit Personal aus verschiedenen Behörden und Organisationen der gesamten Region Hannover sowie der Bundeswehr besetzt. Organisationen wie die Feuerwehr, das Technische Hilfswerk (THW) und das Deutsche Rote Kreuz (DRK) sind ebenso dabei wie der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB), die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG), die Johanniter-Unfallhilfe (JUH), die Polizei und die Bundespolizei.

Besonders an dem Einsatz auf dem Bahnhof in Laatzen sei auch gewesen, dass es keine Dienstvorschrift für den Einsatz gegeben habe, keinen ausgearbeiteten Notfallplan wie sonst, bei Unwetterkatastrophen beispielsweise, bei Sturm oder Bränden, sagt Alfred Blume, seit 25 Jahren Leiter der TEL.

Ungewöhnlich sei die Dauer gewesen. In der Regel seien die Einsätze der TEL auf wenige Tage oder Wochen begrenzt. Mit der Umverteilung der Flüchtlinge auf dem Laatzener Bahnhof hingegen sei man fast ein Jahr beschäftigt gewesen. „Wichtig war, dass ein Teil der Arbeit der Ehrenamtlichen irgendwann in professionelle Hände überging“, sagt Blume. Auch wenn – auch eine Besonderheit – die Ehrenamtlichen von ihrer Arbeit freigestellt werden konnten, sei der tägliche Einsatz von 4 Uhr morgens irgendwann auch eine große Belastung gewesen. Viele hätten danach noch ihren Dienst bei der Arbeit getan, trotzdem sei ihr Einsatzwille ungebrochen gewesen. „Man hat gesehen, dass man hier helfen konnte“, sagt Blume: „Dann hat man es eben auch getan.“

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