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Aus der Stadt „Ein Leben ohne Hund ist nicht sinnlos“
Hannover Aus der Stadt „Ein Leben ohne Hund ist nicht sinnlos“
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00:15 23.11.2013
Von Felix Harbart
Martin Rütter weiß, was Hunde wollen. Quelle: Marc Rehbeck
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Herr Rütter, wie viel Prozent der Hundebesitzer hätten sich lieber eine Katze zulegen sollen?

Es gibt tatsächlich diese Fälle, bei denen man sich fragt: Warum habt ihr euch ausgerechnet einen Hund zugelegt? Oder eher, warum ausgerechnet diesen Hund? Denn eine Vielzahl der Probleme entsteht dadurch, dass sich viele Menschen immer noch total naiv und unüberlegt einen Hund aussuchen.

Wie geht das vor sich?

Die Auswahl geschieht überwiegend nach optischen oder emotionalen Kriterien. Aber passt der Hund überhaupt zu mir? Sind seine Charaktereigenschaften und Bedürfnisse mit meinem Leben überhaupt vereinbar? Diese Fragen kommen häufig erst dann auf, wenn die Messe schon gelesen ist. Deshalb immer meine dringende Bitte: Vorab sehr genau informieren, was die Anschaffung eines Hundes bedeutet. Und eine Art Checkliste erstellen: Welche Bedürfnisse habe ich, welche Bedürfnisse hat der Hund? Welcher Hund kommt für mich überhaupt infrage?

Die Probleme vieler Hundebesitzer mit ihrem Tier sorgen dafür, dass Ihre Branche boomt. Was haben die Leute vor 20 Jahren nur gemacht, als Hunderatgeber und -trainer noch keine Konjunktur hatten - waren deren Hunde schlechter erzogen?

Die gesellschaftliche Rolle des Hundes hat sich einfach sehr stark verändert, er besitzt heute einen viel facettenreicheren Stellenwert. Der Hund erfüllt nicht mehr nur Aufgaben als Helfer bei der Arbeit, wie zum Beispiel der Hütehund der Schäfer. Er ist heutzutage häufig ein vollwertiges Familienmitglied, fungiert als Sozialpartner, Spielgefährte, Seelentröster, Alltagshilfe oder Türöffner in die Gesellschaft. Dazu kommt die geografische Veränderung. Früher waren Hunde meist bei Leuten auf dem Land anzutreffen. Heute, in den urbanen, dicht besiedelten Gegenden, sind die Anforderungen an einen Hund wesentlich komplexer.

Also kommen Hund und Herrchen kaum noch ohne Lehrer aus?

Ich vergleiche das gerne mit dem Autoführerschein. Mein Vater hatte drei Fahrstunden und hat den Lappen in die Hand gedrückt bekommen. Heute, im Großstadtdschungel, müssen die jungen Leute 20 Fahrstunden absolvieren, bevor sie das erste Mal überhaupt auf die Autobahn dürfen. Die Bedingungen sind heute einfach vielschichtiger und komplizierter.

Niedersachsen hat gerade ein neues Hundegesetz eingeführt, nach dem ein Hundeführerschein Pflicht ist. Wenn Sie in einem zuständigen Ministerium säßen: Was sollte aus Ihrer Sicht in einem Hundegesetz unbedingt stehen?

Dass der Hundeführerschein verbindlich ist, aber bereits vor der Anschaffung eines Hundes, um so den Menschen schon im Vorfeld das nötige Rüstzeug und Wissen für das bevorstehende Zusammenleben mit einem Hund an die Hand zu geben. Denn die meisten Probleme sind menschengemacht. Die Menschen müssen, wie ich bereits andeutete, schon vor dem Hundekauf wissen, worauf sie sich beim Thema Hund einlassen. Das fängt mit der Züchter- und Welpenauswahl an und endet bei den grundlegenden Kenntnissen der Hundesprache und artgerechten Haltung eines Hundes. Ein Wochenendseminar würde schon reichen, um die ganz groben Anfängerfehler zu vermeiden.

Sie hatten selbst jahrelang eine Hündin, die Sie überall hin begleitet hat. Kommen Sie noch dazu, einen Hund zu halten?

Ja, ich habe ja wieder einen Hund. Und es klappt prima.

Loriot hat gesagt, ein Leben ohne Mops sei möglich, aber sinnlos. Machen wir aus „Mops“ mal „Hund“: Würden Sie diese Aussage unterschreiben?

Nein, nicht in dieser kategorischen Form. Denn ein Leben ohne Hund ist definitiv nicht sinnlos. Wenn jemand für sich partout ausschließt, sich einen Hund anzuschaffen, ist das allemal besser, als sich völlig unreflektiert einen Hund zuzulegen. Denn die Probleme muss in diesen Fällen dann am Ende der Hund ausbaden.

Kommt es auch vor, dass Menschen aus den falschen Gründen Hundetrainer werden wollen?

Ich kann nichts mit solchen beruflich orientierten Aussagen anfangen wie „Die Menschen haben mich total enttäuscht, jetzt mache ich mal etwas mit Hunden“. Wenn wir solche Bewerbungen auf den Tisch bekommen, fliegen die sofort in den Papierkorb. In meiner Arbeit geht es ja immer um die Beziehung von Hund und Mensch. Das Zusammenspiel muss funktionieren, nur dann werden beide Seiten wirklich glücklich. Aber klar ist auch: Hunde sind eine großartige Bereicherung. Ich jedenfalls könnte mir ein Leben ohne Hund nicht vorstellen.

Interview: Felix Harbart

Zur Person

Martin Rütter ist der bekannteste Hundeexperte Deutschlands. Der heute 43-jährige gebürtige Duisburger studierte zunächst Sportwissenschaften, bis er eher zufällig durch einen Nebenjob auf den Hund kam. Er ließ sich in einer schweizer Privatakademie in Hundepsychologie unterweisen und gründete 1995 sein erstes „Zentrum für Menschen mit Hund“, wo er Hunde und, ganz wichtig, ihre Halter nach der von ihm entwickelten Methode „D.O.G.S. – Dog Orientated Guiding System“ unterrichtete. Das Geheimnis: Es gibt kein Schema F, jedem Hund und jedem Halter soll individuell geholfen werden. Am Ende, so die Idee, soll der Mensch verstehen, warum der Hund tut, was er tut. Aus der ersten Schule im rheinischen Erftstadt ist heute ein Erziehungsimperium aus 40 Standorten entstanden, an denen 70 Trainer nach der Rütter-Methode Hunde und Halter schulen.

Deutschlandweit bekannt wurde Rütter als Buchautor, TV-Experte und durch seine Liveshows. Er war Protagonist der WDR-Serie „Eine Couch für alle Felle“ und der ARD-Produktion „Ein Team für alle Felle“. Seit 2008 ist er auf VOX als „Der Hundeprofi“ unterwegs und hilft verzweifelten Hundehaltern bei Problemen mit ihren Tieren.

Mit seiner Bühnenshow „Der tut nix“ war Rütter schon im vergangenen Jahr in Hannover. Wegen des großen Erfolges ist Rütter mit dem überarbeiteten Programm nun wieder unterwegs. Heute Abend tritt er in der Swiss-Life-Hall in Hannover auf. Chancen auf Karten gibt es indes nicht mehr – die Halle ist ausverkauft.

fx

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