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Ein Rundgang über die Boehringer-Baustelle

Forschungszentrum Ein Rundgang über die Boehringer-Baustelle

Die Eröffnung des Forschungszentrums in Hannover-Kirchrode wird sich in die zweite Jahreshälfte verschieben. Die Büros sind fertig, in den Laboratorien wird noch gearbeitet: ein Rundgang über die Boehringer-Baustelle.

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Die Eröffnung des Forschungszentrums wird sich in die zweite Jahreshälfte verschieben. Noch gibt es einiges zu tun.

Quelle: Martin Steiner

Hannover. Da steht sie nun, Hannovers wohl meistdiskutierte Neuansiedlung der vergangenen Jahre. In warmen Gelbtönen erhebt sich das Bauwerk etwas zurückgelegen von der Bemeroder Straße am Rande Kirchrodes – genau so platziert, dass es sich sowohl zur Straße als auch zur Bahnlinie hin erweitern ließe. Doch gegenwärtig wird zunächst der Bauabschnitt eins erstellt. Am vergangenen Donnerstag sind die ersten Büros bezogen worden, morgen wird ein Kran die riesigen Hepa-Filteranlagen durchs Dach hieven. Das Boehringer-Forschungszentrum für Tierimpfstoffe steht kurz vor der Fertigstellung. Und während vor Gerichten noch Prozesse um Bau- und Gentechnikgenehmigungen anhängig sind, werden im Inneren die Laboratorien eingerichtet und die sogenannten Tierräume gestrichen.

40 Millionen Euro investiert das Pharmaunternehmen Boehringer Ingelheim in das Forschungszentrum neben den Neubauten der Tierärztlichen Hochschule. Und wenn Projektleiter Friedolin Nöker durch die Baustelle führt und die Raffinessen zeigt, dann bekommt man eine Ahnung, warum das alles so teuer ist.

Allein die Schleusen der Zugänge zu jedem der zwölf Tierräume sind mit je vier Stahltüren gesichert. Elektrische Schlösser geben die Türen erst dann frei, wenn das Personal bestimmte Duschzeiten eingehalten hat. Die großen Rohranlagen für Klima und Luftfilter sind nicht nur aus gewöhnlichem Stahlblech, sondern aus schwerem, dickwandigen Edelstahl gefertigt, das Korrosion länger standhält und sich besser reinigen lässt. Jedes Kabel, das in diesem Gebäudetrakt durch Wände oder Decken geführt ist, wurde zuvor einzeln mit flüssigem Epoxidharz abgedichtet. „Wir müssen sicherstellen, dass keine Keime den Weg aus den Sicherheitsbereichen herausfinden“, sagt Nöker. Auch die Betonwände sind besonders behandelt: In sieben Schichten ist Epoxidharzmörtel auf Gewebematten gespachtelt, getrocknet und feingeschliffen worden.

Die Büros sind fertig, in den Laboratorien wird noch gearbeitet: ein Rundgang über die Boehringer-Baustelle.

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In Spitzenzeiten arbeiten 150 Handwerker auf der Baustelle. „Hier werden zahlreiche Sprachen gesprochen, aber es hat keinen nennenswerten Unfall gegeben“, sagt Nöker. „Glück gehabt.“ Die Baustelle selbst allerdings habe „eigentlich alles durchgemacht, was man sich nicht wünscht“, gesteht der Projektleiter. Durch den kalten Winter im vergangenen Jahr gingen 26 Arbeitstage verloren, die bis heute nicht aufgeholt sind. Zusätzlich erlebte die Baustelle einen nachgewiesenen Jahrhundertregen, bei dem der benachbarte Büntegraben verrückt spielte. „Uns ist die gesamte Baugrube zugelaufen“, sagt Nöker.

Jetzt aber ist Endspurt angesagt auf der Baustelle – auch wenn es vielerorten noch chaotisch aussieht. Die ersten zehn Mitarbeiter sind eingestellt, vorübergehend ist ein Büro an der Expo-Plaza bezogen. Später werden in dem Forschungsbauwerk Mikrobiologen, Virologen, Bakteriologen und Tierärzte arbeiten – und natürlich Tierpfleger und Techniker. Sie sollen an Erregern forschen, die die Schweinezucht der Landwirte gefährden, sie sollen Impfstoffe entwickeln und im Falle von Epidemien schnell an Versuchstieren testen. Für theoretisch bis zu 1000 Kleinstschweine ist die Anlage bisher ausgelegt, aber sie ist so gebaut, dass dort auch Testreihen an Rindern vorgenommen werden können. 

Bis Ende Februar, so hat Betreiber Boehringer jetzt vor Gericht zugesichert, würden keine gentechnischen Versuche in dem Gebäude vorgenommen. Wer den Rundgang absolviert hat, der ahnt: Es wäre auch schwierig geworden. Zwar sollen die ersten Testläufe in den Laboratorien in den ersten Wochen des neuen Jahres beginnen. Die Eröffnung, ursprünglich für das Ende des ersten Quarts geplant, verschiebt sich aber: Derzeit ist von der zweiten Jahreshälfte 2012 die Rede.

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