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Aus der Stadt Ein Tag im Bad
Hannover Aus der Stadt Ein Tag im Bad
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00:16 10.08.2015
„1954 habe ich genau in diesem Becken schwimmen gelernt“, sagt Regina Kehe. Ab und zu blickt sie von ihrer Zeitung auf und sieht den Badschönheiten, Halbstarken und den Familien beim Planschen zu. Quelle: Kuttner
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Hannover

Wäre das RSV-Bad in Leinhausen ein Auto, dann wäre es ein Golf 2. Vor allem ältere Autofahrer schätzten den robusten Volkswagen für seine Zuverlässigkeit. Dass die Ausstattung eher spärlich daher kam, störte sie nie. Jugendliche wären natürlich immer lieber in den Mercedes von Papa gestiegen, aber zur Not tat es eben auch der Golf. Ähnlich verhält es sich mit dem fast 75 Jahre alten Bad neben dem Heizkraftwerk Herrenhausen. Zwar gibt es dort nur ein schlichtes 50-Meter-Sport- und ein Planschbecken für Kinder. Aber die Leinhäuser Stammklientel würde niemals in ein anderes Bad gehen.

Thomas Rawytsch ist einer von ihnen. Seit mehr als 20 Jahren kommt er im Sommer zwei- bis dreimal die Woche und schwimmt morgens ab 8 Uhr seine Bahnen. „Das Wasser ist herrlich, das Becken um diese Zeit noch leer“, sagt er. „Und danach kann ich jedem nur empfehlen, barfuß und mit nackten Oberkörper ein paar Runden über die Liegewiese zu gehen.“ Es sind diese kleinen Freuden, die den Besuch in Leinhausen so angenehm machen und Jung und Alt in das Freibad ziehen.

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Im Freibad Leinhausen haben sich Klein und Groß bei Temperaturen über 30 Grad eine Abkühlung gegönnt.

„Die Frühschwimmer, die schon um acht vor der Tür stehen und mit den Hufen scharren, kennen sich alle untereinander“, sagt Badverwalter Heiko Peters. Seit 2011 leitet er das Bad, das dem RSV Hannover gehört. Peters, 50 Jahre, seit acht Jahren Schwimmmeister, genießt vor allem den Morgen im Freibad. „Das ist immer der gleiche Ablauf“, sagt er. Auch an diesem Tag kommt ein knappes Dutzend Stammgäste um Punkt 8 Uhr auf die Anlage, zieht sich um und ist keine fünf Minuten später im Wasser. Jeder auf seiner angestammten Bahn. Wird es einem der Besucher auf seinem Abschnitt zu voll, fragt er höflich, bevor er auf die Bahn eines Mitschwimmers wechselt. „Das ist für mich Erholung pur“, sagt Peters und setzt den ersten Kaffee des Tages auf.

Toben in den Sommerferien

Kritischer ist die Zeit, wenn in den Sommerferien die Kinder und Jugendlichen das Bad bevölkern. Offenbar durch die hohen Temperaturen irritiert, stolziert die erste Bikinischönheit bereits um 11 Uhr mit grazilen Schritten am Beckenrand entlang. Ihr Publikum lässt sich aber erst eine Stunde später blicken – und hat dann auch noch Konkurrenz für die Freibadnixe im Schlepptau. Immer wieder klettern die Jungs unter den bewundernden Blicken der Mädchen auf das Drei-Meter-Brett, um sich dann mit Kopfsprüngen, Bomben und Salti gegenseitig zu übertreffen. Ihr Körperbau verrät, dass sie sich schon im Winter auf ihre Einlagen im Freibad vorbereitet haben. An diesem Tag stiehlt ihnen allerdings ein Neunjähriger die Show. Gegen seine Salti nehmen sich die Vorstellungen der anderen geradezu trampelig aus.

Für Peters gehört dieses Gebaren genauso dazu, wie Kinder, die sich gegenseitig ins Wasser stoßen. „Solange das nicht ausartet, sage ich nix“, sagt er und zuckt die Schultern. Erst wenn es ihm zu wild wird, greift er ein. „Dann mache ich einfach den Sprungturm für 30 Minuten zu, bis sich alle wieder beruhigt haben.“

„1954 habe ich in genau diesem Becken schwimmen gelernt“

Die Seele des Schwimmbades sind aber Gäste wie Regina Kehne. Mit einer Zeitung sitzt sie am Beckenrand, blickt dann und wann auf, wenn ein bekanntes Gesicht vorbei läuft, und steigt immer mal wieder in das 50-Meter-Becken, um gemächlich ein paar Bahnen zu ziehen. „1954 habe ich in genau diesem Becken schwimmen gelernt“, sagt die 75-Jährige. Damals war das Bad noch nicht gekachelt, geschweige denn beheizt. Erst 1975 wurde das Becken, das ursprünglich als Löschteich des Ausbesserungswerkes Leinhausen angelegt wurde, saniert. In die Betonwanne wurden Kacheln gelegt, eine Umwälzanlage und eine Heizung installiert. Seitdem hat sich nicht viel geändert.

Ohnehin tut sich so mancher Besucher mit zu viel Umbruch schwer. Als Anfang Juni die RSV-Gaststätte neu verpachtet wurde, musste sich der spanische Betreiber vertraglich verpflichten, auch weiter die Klassiker unter den Freibadgerichten anzubieten. Neben den obligatorischen Pommes mit Mayo am Kiosk finden sich auf der Speisekarte von Antonios Tapas- und Cocktailbar daher zwischen Gambas Canarias, Pimientos de Padron und Datteln im Speckmantel auch Currywurst mit Pommes, Matjes nach Hausfrauenart und Jägerschnitzel.

„Für uns ist das okay“, sagt Mitarbeiter Isaac Escobar. Viele Gäste wollten eben gerne etwas rustikalere Speisen, wenn sie ins Schwimmbad kommen. Und dann bereite man diese auch gerne zu, sagt der gebürtige Peruaner. „Das war hier eben schon immer so.“

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