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Aus der Stadt Die Bilanz: 500.000 Besucher beim Bürgerfest
Hannover Aus der Stadt Die Bilanz: 500.000 Besucher beim Bürgerfest
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00:20 06.10.2014
Eine Lasershow krönte den Abschluss der Einheitsfeier. Quelle: Rainer Dröse
Hannover

Für zwei Tage war Hannover Deutschlands heimliche Hauptstadt: 500.000 Besucher feierten am Donnerstag und Freitag rund um den Maschsee den Tag der Deutschen Einheit. Bei dem Bürgerfest unter dem Motto „Vereint in Vielfalt“ herrschte eine Atmosphäre wie einst bei der Expo: Die Bundesländer stellten kulturelle und kulinarische Besonderheiten vor, abendliche Konzerte erwiesen sich als Publikumsmagneten. Erstmals seit 1998 war Niedersachsen wieder Gastgeberland der Feier zum Einheitstag.

Während die Politiker beim offiziellen Festakt sind, feiern die Hannoveraner den Tag der Einheit am Maschsee.

Angela Merkel hält Rede im HCC

Beim offiziellen Festakt im Hannover Congress Centrum (HCC) erinnerte Bundeskanzlerin Angela Merkel an die friedliche Revolution in der DDR vor 25 Jahren. Sie zog eine positive Bilanz der deutschen Einheit: Wenn heute die große Mehrheit junger Ostdeutscher der Meinung sei, dass ihnen die Wiedervereinigung Vorteile gebracht habe, „haben wir in 24 Jahren deutsche Einheit nicht alles falsch, sondern vieles richtig gemacht“. So sei es etwa gelungen, die Abwanderung aus den fünf neuen Ländern zu stoppen: Im Jahr 2013 seien erstmals mehr Menschen von West nach Ost gezogen als umgekehrt.

Deutliche Worte fand Merkel für die Situation in der Ukraine: Dort werde das Prinzip der territorialen Integrität des Landes „mit Füßen getreten“. Die europäischen Sanktionen gegen Russland seien „eine klare gemeinsame Antwort“ darauf. Hinsichtlich der massiven Ausrüstungsmängel bei der Bundeswehr kündigte Merkel im HCC eine rasche Aufklärung an: „Alle Fakten gehören auf den Tisch“, sagte sie. Sie sei „die Letzte, die Probleme – auch die der Bundeswehr und ihrer Ausrüstung – nicht beim Namen nennt“. Angesichts zahlreicher globaler Krisen warnte sie mit Blick auf die Ereignisse von 1989 vor Mutlosigkeit: „Alles ist möglich, das habe ich wie Millionen anderer DDR-Bürger am eigenen Leibe erfahren.“

Weil spricht über Zuwanderer in Deutschland

Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) betonte bei dem Festakt, dass auch Zuwanderer in Deutschland ihren festen Platz hätten: „Dieses Land ist auch ihre Heimat, und sie prägen heute durch ihre Leistung unsere Gesellschaft entscheidend mit.“ Mehrere Politiker und Kirchenvertreter riefen in Hannover zur Solidarität mit Flüchtlingen auf. Die Weltgemeinschaft dürfe angesichts der Probleme im Nordirak und Syrien nicht wegsehen, sagte Hannovers Landesbischof Ralf Meister bei einem ökumenischen Gottesdienst in der Marktkirche.

Gottesdienst, Empfang, Festakt und Feier zum Tag der deutschen Einheit in Hannover.

Rock und Pop auf dem Einheitsfest

Warme Worte aus dem Munde der Mächtigen übers Teilen und Wiedervereinen – es gab wahrlich reichlich davon bei den offiziellen Empfängen des Einheitsfestes. Irgendwann ist dann auch mal gut. Und dann wollen die Besucher nichts mehr hören außer „eins, zwei, drei, vier ...“, und dann haben die Gitarren das Sagen. Beispiel: Jupiter Jones, die Echo-ausgezeichneten Eifelrocker. Kein deutsch-deutsches Geschwurbel, sondern Rock, voll auf die Zwölf. Tausende Besucher hat die Band am Freitagabend vor die Radio-ffn-Bühne am Neuen Rathaus gelockt. Und wer bislang noch kein Fan war – der ist es nach diesem Auftritt höchstwahrscheinlich. Bei früheren Einheitsfesten war der Weg über die „Sieben Brücken“ von Karat vielleicht noch der richtige Soundtrack zur Einheit. Jetzt aber passen die Jupiter-Jones-Songs „Das Jahr in dem ich schlief“ und „Landjugend“ wie angegossen zu dieser Party. „Hannover trägt dich“, war die sehr zutreffende Ansage des Jupiter-Jones-Sängers – und dann stürzte er sich beim Stagediving in die Hände des hannoverschen Publikums. Das versöhnt dann auch die Letzten damit, dass das weitere Bühnenmusikprogramm rein tiefgangsmäßig nicht einmal im Maschsee auf Grund laufen konnte. Die Eurovision-Schnuckies von Elaiza, die Lokalmatadoren von Marquess, die Wingenfelders und am späteren Abend noch erwartete Laith Al-Deen – alles ausgesprochener Nett-Pop. Mehr aber auch nicht. 

3000 Demonstranten ziehen durch die City

Vor der Kirche bekamen zahlreiche Besucher die Gelegenheit, prominenten Politikern die Hand zu schütteln: Ebenso wie Merkel unternahm auch Bundespräsident Joachim Gauck einen Spaziergang durch Hannovers Altstadt. Während Hunderttausende bei strahlendem Sonnenschein fröhlich am Maschsee feierten, zogen nach Polizeiangaben rund 3000 Demonstranten durch die Innenstadt, um gegen die Feier zum Tag der Deutschen Einheit zu protestieren. Unter die zumeist linksgerichteten Aktivisten hatten sich auch Anhänger kurdischer Gruppen gemischt. Einige Vermummte zündeten Rauchbomben. Am Abend nahm die Polizei 130 Störer fest.

Tausende Demonstranten ziehen am Tag der Deutschen Einheit durch die hannoversche Innenstadt.

Dichter Verkehr zum Einheitsfest

An beiden Tagen des Einheitsfestes kam es rund um die abgesperrten Bereiche am Maschsee zu massiven Verkehrsbehinderungen. Teils kam der Verkehr am Aegi zum Erliegen.

Hannover feiert den Tag der Deutschen Einheit. Rund um die Festmeile kommt es am Donnerstag durch die Straßensperrungen zu ersten Behinderungen im Verkehr.

„Wir haben alle Kapazitäten gebraucht“

Eine positive Bilanz haben die Organisatoren einen Tag nach dem Fest gezogen. „Wir haben unsere Planungen auf 500.000 Besucher ausgelegt. Ich kann sagen: Bei schönstem Wetter und spätsommerlichen Temperaturen haben wir gemerkt, dass wir richtig gerechnet haben. Wir haben alle unsere Kapazitäten gebraucht“, sagte Projektleiter Matthias Woiwode am Sonnabend.
Insgesamt wurden beim Bürgerfest für die 10.000 Quadratmeter überdachte Fläche 10.000 Meter Kabel verlegt und 5000 Meter Zäune verlegt. Mehr als 4000 Aktive sorgten für ein buntes Programm. 1000 Helfer sorgten für einen reibungslosen Ablauf.

Auch für Feuerwehr und Sanitäter war es ein ruhiges Fest: Sie zählten 210 Einsätze.

Simon Benne
 und Tobias Morchner (mit: mhu/sbü)

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