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Aus der Stadt Ein ganz tiefes Loch für den Asbestmüll
Hannover Aus der Stadt Ein ganz tiefes Loch für den Asbestmüll
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22:30 13.05.2012
Von Mathias Klein
Auf der Fulgurit-Halde in Wunstorf lagern 170.000 Tonnen Asbestmüll. Quelle: Dröse
Hannover

György Fuisz schlägt vor, die 170.000 Tonnen Abfälle aus der Asbestproduktion so tief im Erdreich einzubuddeln, dass sie nie wieder zu einer Gefahr für die Umwelt werden können.

Fuisz ist Chef der Wunstorfer Firma Economical Airport Architecture Consulting GmbH, nach eigenen Angaben ein „Unternehmen für Industrieinnovationen“. Er hat sich bereits ein Gelände für das Endlager ausgesucht, rund 250 Meter östlich der Halde, auf der anderen Seite der Halle der Spedition Neukirch. „Die geologischen Voraussetzungen sind dort ideal“, erläutert der aus Ungarn stammende Fuisz. Denn dort gebe es neben Erdreich im Boden auch Kies, Sand und Mergel, letzterer sei ein wichtiger Rohstoff zur Zementherstellung. „Das ist alles normale Handelsware und kann gewinnbringend verkauft werden“, sagt er.

Fuisz will die Grube so tief ausheben - ungefähr 60 bis 80 Meter - dass der gefährliche Asbestabfall keine Berührung mit dem Grundwasser bekommen könnte. Der Abfall aus der Asbestproduktion würde nach seinen Plänen auf der Halde mit Wasser versetzt und dann durch Rohre in die tiefe Grube gepumpt werden. Dadurch gäbe es keinen Gefahren für die Bevölkerung durch umherfliegende Asbestfasern. „Die Verfüllung über geschlossene Systeme ist die sicherste denkbare Lösung“, sagt Fuisz. Anschließend würde Fuisz die Grube mit Erdreich auffüllen. Durch einen Revisionsschacht könnte das Endlager jederzeit kontrolliert werden.

Die Kosten schätzt der Wunstorfer Unternehmer auf unter fünf Millionen Euro. „Aber dafür könnte man bestimmt Forschungsgelder der EU bekommen“, sagt er. Für innovative Verfahren der Abfallentsorgungen stünden jedenfalls erhebliche Fördermittel zur Verfügung. Man müsse sich klar darüber sein, dass Asbest nicht verrotte und daher noch viele Generationen gefährlich bleibe. „Auf einer Deponie muss man so etwas immer wieder anfassen“, meint er. Sein Vorschlag sei dagegen eine dauerhafte Lösung.

Die „schöne Region und das Schmuckkäschen Wunstorf“ müssten von dem schlechten Image der „Asbeststadt“ befreit werden, sagt der Unternehmer. Das könne durch das Asbest-Endlager gelingen. Und er sieht noch einen weiteren Vorteil. Die neuartige Methode könnte als „Wunstorfer Modell“ bezeichnet werden. So wäre der Name der Stadt künftig in ganz Europa positiv besetzt.

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