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Aus der Stadt Ein guter Platz für Kinder
Hannover Aus der Stadt Ein guter Platz für Kinder
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13:38 28.09.2011
Maximilian (3) und Maria (2) lieben ihren kleinen Spielplatz in der Oststädter Rambergstraße. Quelle: Christian Burkert
Hannover

Jakob verkauft Erdbeereis. Der Zweijährige steht vor dem kleinen hölzernen Kaufmannsladen auf dem Spielplatz am De-Haën-Platz und formt Kugeln. Der feine Sand rieselt ihm durch die Finger. Jakob runzelt die Stirn. Der Sand will nicht haften. Doch egal, der Blondschopf hat viel Zeit, um herauszufinden, wie es besser geht. Er gräbt tiefer, konzentriert verreibt er die Sandkörner aus den unteren Schichten zwischen den Fingern und stellt zufrieden fest, dass sie sich wunderbar formen lassen. Jakob strahlt und reicht seiner Mutter ein Eiskugel: „Bitte, probieren.“ Spielplätze sind eine Welt für sich. Während Autos sich vor roten Ampeln stauen, Menschen Fußwege entlanghetzen, in Büros sitzen und an Werkbänken stehen, während sie einkaufen, Hausarbeit erledigen oder in der Schule lernen, wird hier jeden Tag die Welt neu entdeckt – mit viel Zeit und Leidenschaft jenseits von Alltagstrott und Termindruck.

Insgesamt gibt es 436 Spielplätze, neun Spielparks für ältere Kinder und 144 Bolzplätze in Hannover. Sie erstrecken sich über 990 000 Quadratmeter und bieten eine große Vielfalt. Es gibt Baulücken-Spielplätze wie den in der Oststädter Rambergstraße. Der Platz quetscht sich seit 1969 zwischen Altbauten, ist gerade mal 500 Quadratmeter groß und wurde 2010 saniert. Es gibt Riesenspielplätze mit Wiesen zum Kicken und Picknicken wie der Bothfelder Anger, der Vahrenwalder Park oder die Fläche in der Ricklinger Bergfeldstraße mit 19 000 Quadratmetern.

Viele hannoversche Spielplätze stammen aus den fünfziger und sechziger Jahren. Der erste war der Wakitu in der Eilenriede. Bereits 1895 wurde der Wald-Kinder-Tummelplatz angelegt und umfasst heute mehr als 14 000 Quadratmeter (siehe Extra-Text). Waren die Spielplätze früher fast immer gleich gestaltet – rechteckiger Sandkasten, Rutsche, Klettergerüst –, so können die Besucher von heute auf wirklich aufregende Reisen gehen.

Auf dem Hexenspielplatz am Schmachteberg in Kleefeld gibt es nicht nur eine extrahohe Schaukel, sondern es lassen sich beim Klettern zwischen den hölzernen Hexenbesen auch Trolle und Elfen entdecken. Geheimnisvoll geht es auch im Schlehengarten in Mittelfeld zu. Dort wacht ein Einhorn über die Kinder. Auf große Fahrt können Kinder auf dem Piratenboot in der Fundstraße gehen, im Welfengarten an der Leibniz Universität auf Burgzinnen balancieren und am Bonifatiusplatz auf aus Holz geschnitzten Nilpferden klettern. Die Spielplatzplaner der Stadt wollen den Kindern die Möglichkeit geben, mutig zu sein, sich hoch hinaus zu wagen, auf schmalen Balken zu balancieren, ihre Grenzen auszuloten, über sich selbst hinauszuwachsen – und dennoch dafür sorgen, dass sie sich nicht wirklich in Gefahr begeben. In Hannover ist der Fachbereich Umwelt und Stadtgrün für diese Aufgabe zuständig.

"Kinder spielen nicht normgerecht."

Ingenieure, Gärtner, Tischler und Schlosser kümmern sich darum, dass die Flächen gepflegt, die Geräte sicher sind und die Areale umgestaltet oder neu angelegt werden. In Hannover sind bei Neubebauungen je Einwohner 2,55 Quadratmeter als öffentliche Spielfläche anzulegen. Einmal in der Woche kontrollieren Gärtner die Spielplätze, schauen, ob etwas zerstört wurde oder Müll herumliegt. Viermal im Jahr findet die sogenannte operative Kontrolle inklusive der großen jährlichen Hauptuntersuchung statt.

Dann schauen die Handwerksmeister des Fachbereichs, ob alle Verschleißteile intakt, Stützen fest verankert und Bretter stabil sind; Karussells und Federtiere werden geschmiert und Seile erneuert. Ist Gefahr in Verzug, werden die Geräte abmontiert. So wie vor Kurzem die Kletterkombination in der Lister Seidelstraße. „Dann bekommen wir oft verärgerte Anrufe“, sagt Hans-Karl von Bodecker, der für das Pflegemanagement der Spielplätze zuständig ist, „aber wir bemühen uns, schnell für Ersatz zu sorgen.“

Ärger gibt es auch, wenn Jugendliche oder Erwachsene auf Spielplätzen rauchen und trinken und dann Kippen und Glasscherben hinterlassen. Die Spielplätze am Ricklinger Schünemannplatz und auf dem Gartenfriedhof am Rande der Südstadt sind dafür unschöne Beispiele. Dabei sind die Regeln eindeutig: Alkohol und Rauchen sind verboten. Das gleiche gilt für Hunde. Geöffnet sind Spielplätze von 7 bis 20 Uhr – und für Volljährige nur, wenn sie ein Kind begleiten. Der beste Schutz ist eine Nachbarschaft, die ein Auge auf den Spielplatz hat, oder es sind sogenannte Spielplatzpaten, die es seit 2001 in Hannover gibt. Und auch Gesina Schindler vom Bereich Planen und Bauen und ihre Kollegen sind sensibel im Umgang mit zweckentfremdeten Spielplätzen. „Wir werden oft gebeten, Bänke aufzustellen“, sagt Schindler, „die aber bauen wir ganz schnell wieder ab, wenn sie von den falschen Gruppen benutzt werden.“

Bei der Umgestaltung von Spielplätzen werden Kinder und Jugendliche von den Experten in die Planungen einbezogen. „Wir verteilen im Vorfeld Flugblätter, machen auf unsere Pläne aufmerksam, und dann treffen wir uns mit den Kindern und besprechen ihre Wünsche“, erklärt von Bodecker. Gerade kleinere Kinder schäumen dabei vor Phantasie geradezu über. Neben einer Seilbahn, die auf der Hitliste ganz oben steht, gibt es auch Wünsche, die schwierig umzusetzen sind. „Eine Rakete mit Feuer“ zum Beispiel. „Unsere Aufgabe ist es, die Äußerungen der Kinder zu übersetzen“, sagt Schindler. Keine leichte Aufgabe. Und häufig müssen Kompromisse gefunden werden, denn die Ideen der Kinder sind selten identisch mit den Standardangeboten der Spielgerätehersteller. Doch manchmal gelingt es tatsächlich, Kinderträumen ein Stück näher zu kommen.

So wie am Maschpark. Eine Himmelrutsche sollte entstehen. Und in der Tat ist die Rutsche, die sich in dem runden, roten Spielgebilde verbirgt, magischer Anziehungspunkt. Sie ist breit, sehr schnell und einfach ganz anders als normale Rutschen. „So etwas können wir natürlich nicht überall realisieren. Der Maschpark steht unter Denkmalschutz. Da sollte es eben etwas Besonderes sein“, sagt Schindler. Natürlich soll es im Bauch kribbeln, wenn man rutscht und Karussell fährt oder den höchsten Punkt im Kletternetz erreicht hat.

Doch Sicherheit hat nicht nur für Eltern, sondern auch für die Planer Priorität. Alle Spielgeräte werden nach der europäischen DIN-Norm 1176 geprüft. Es geht um Statik, Fliehkraft, Fallschutz aus Holzhackschnitzeln und um die sogenannten Eintrittsfilter. Das sind extra eingebaute Hürden, beispielsweise eine hohe Stufe, die Kleinkinder daran hindern soll, ein für ältere Kinder konzipiertes Spielgerät zu nutzen. „Leider gibt es immer wieder Eltern, die ihren Kindern über den Eintrittsfilter hinweghelfen, und sich dann beschweren, dass Gerät sei ja viel zu gefährlich“, sagt von Bodecker. „Kinder müssen die Geräte alleine erkunden. Sie gehen nur so weit, wie sie es auch können.“

Dass Spielgeräte nicht so benutzt werden, wie es sich die Planer gedacht haben, gehört dabei zum Alltag, sagt Schindler. „Kinder spielen eben nicht normgerecht.“

Julia Pennigsdorf

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