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Christuskirche

Ein kleines Stück vom Paradies

Von Juliane Kaune

Palmen und Zitronenbäume, sprudelnde Quellen und stimmungsvolles Licht: Die Christuskirche hat sich für sechs Monate in eine „Garten-Eden-Kirche“ verwandelt – und soll zum viel besuchten Veranstaltungsort im Aktionsjahr „Gartenregion“ werden.
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Traumhafte Szenerie: Ein Kokon aus hauchhünner Gaze wird zur zartbunten Projektionsfläche – und mittendrin blüht der „Baum des Lebens“.

© Rainer Surrey

Der erste Olivenbaum wurde schnell wieder ausgemustert. Für seinen symbolträchtigen Einsatz war er einfach zu mickrig. Das Exemplar, das nun mitten in der Christuskirche steht, ist der ihm zugedachten Rolle als „Baum des Lebens“ eher gewachsen. Nicht nur die Olive ist sozusagen ein Teil vom Paradies. Auch meterhohe Palmen, Zitronen- und Lorbeerbäume, Bananenstauden sowie Beete mit Orchideen, Bromelien, Strelizien und viele andere Pflanzen füllen den Innenraum des neugotischen Gebäudes. Sie sollen aus der Christuskirche einen Paradiesgarten machen: „Garten-Eden-Kirche“ heißt das beeindruckende Arrangement, das den Charakter des Gotteshauses zusammen mit Lichtprojektionen und Videoinstallationen für sechs Monate vollständig verändern wird.

Am Ostersonntag können sich Besucher erstmals ein eigenes Bild vom Paradies machen: Dann eröffnet Landessuperintendentin Ingrid Spieckermann die „Garten-Eden-Kirche“, die bis zum Erntedank Gesamtkunstwerk und Veranstaltungsort sein soll – zum Betrachten und Beten, Meditieren, Musizieren und Diskutieren. Am Gründonnerstag hatte Spieckermann zu einer nicht öffentlichen Vorbesichtigung des 200 000 Euro teuren Projektes eingeladen. Immer wieder musste sie Männern mit Handwerkszeug und Gartengeräten ausweichen. „Auch das Paradies macht Arbeit“, stellte sie fest. Am Karfreitag war noch immer genug zu tun. „Wir werden aber pünktlich fertig“, versicherte Landschaftsarchitekt Ingo Schmidt vom Büro Grünplan, der das Projekt mit seinem Kollegen Walter Jöris und der Künstlerin Anne Nissen konzipiert hat.

Genau wussten die drei Hannoveraner nicht, was auf sie zukommt, als sie den Zuschlag für die Gestaltung des zentralen kirchlichen Beitrags im Programm „Gartenregion“ bekamen, der größtenteils durch Zuschüsse der Region und Sponsoren finanziert wird. Heute, sagt Nissen, seien sie selbst überrascht, wie exakt sie ihre Entwürfe umsetzen konnten: „Es ist alles so geworden, wie wir uns das vorgestellt hatten.“

Blickfang inmitten der Pflanzen ist ein begehbarer Kokon aus Gaze, den Nissen an der Nähmaschine angefertigt hat. Rund 1000 Quadratmeter des zarten Stoffes umspannen ein kunstvoll arrangiertes Gebilde, das aus fast 700 Metern Aluminiumstangen zusammengesetzt ist. Die Konstruktion wird in der abgedunkelten Kirche Projektionsfläche für stimmungsvolle Farb- und Schattenspiele. Viel Symbolik ist im Spiel. Ein im Kokon aufgebauter Brunnen stellt die „Quelle des Lebens“ dar, Nebelbecken sollen die vier aus dem Paradies strömenden Flüsse versinnbildlichen. Das mag sich nicht jedem erschließen. Die im Wasser und unter dem Dunst sichtbaren Videoprojektionen vermitteln dagegen leicht verständliche Botschaften: Sie zeigen Gesichter von 200 Menschen unterschiedlicher Nationalitäten – vom Baby bis zum Greis – oder Szenen aus dem täglichen Leben. Und sie sind nett anzusehen. Zuständig für den Nebel ist Videospezialist Steffen König von der hannoverschen Agentur Short Cut. Anders als in der Disko verwendet er kein Trockeneis, sondern Kohlendioxid: „Damit bleiben die Schwaden am Boden.“ Zudem bekommt das Flüssiggas den Pflanzen besser.

Ohnehin haben die Planer viel Aufwand getrieben, damit die Vegetation unbeschadet gedeihen kann – unterstützt von Experten der Berggarten-Schauhäuser in Herrenhausen. Die Luftfeuchtigkeit in der Kirche wird regelmäßig kontrolliert, über dem „Baum des Lebens“ wurden Speziallampen angebracht, die die empfindliche Olive beleuchten. Die Palmen sind robuster. „Einige vertragen sogar Frost“, sagt Fachmann Ingo Schmidt. Ein Kraftakt war es, die bis zu sieben Meter hohen Bäume, die von der Stadtgärtnerei Freiburg angemietet wurden, in den Kirchenraum zu bringen. Nach ihrem halbjährigen Ausflug nach Hannover werden sie wieder nach Süddeutschland transportiert. „Das war billiger, als sie zu kaufen“, erklärt Schmidt.

Noch nicht allzu grün sehen die beiden aus Weidenzweigen geflochtenen Kokons auf dem Vorplatz der Kirche aus. Sie werden bald zuwachsen, einer von ihnen ist als Spielhaus für Kinder gedacht. Nach Spieckermanns Worten sollen diese Pavillons zeigen, „dass das Paradies in den Alltag ausstrahlt“ – selbst wenn die Zustände nicht immer paradiesisch seien. Ergebnis ähnlicher Überlegungen sind wohl auch die Schilderbäume rund um die Christuskirche. Darauf sind Worte wie „Heimat“ und „Horizont“ zu lesen, aber auch „Endlager“, „Gaza“ und „Guantanamo“. Eine bestimmte Richtung geben sie nicht vor.
Den Weg in die „Garten-Eden-Kirche“, das wünschen sich die Organisatoren, sollen in den nächsten sechs Monaten jedenfalls viele Besucher finden.

Die „Garten-Eden-Kirche“ wird am Sonntag um 11 Uhr mit einem Gottesdienst eröffnet. Das Projekt kann bis zum 4. Oktober täglich (außer montags) von 10 bis 19 Uhr besichtigt werden.

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