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„Eine Arztpraxis ist doch kein Discounter“

Facharzt im Interview „Eine Arztpraxis ist doch kein Discounter“

Warum warten Patienten wochenlang auf einen Termin beim Hautarzt? "Weil die Patienten mit den kleinsten Beschwerden, und sei es nur ein roter Fleck im Gesicht, zum Arzt laufen." Ein Internist und Hausarzt aus Hannover findet klare Worte für die Gründe der vollen Praxen. Lesen Sie hier das volle Interview.

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Axel Brunngraber ist Internist, Hausarzt und Landeschef der Freien Ärzteschaft.

Quelle: Decker

Nach Ansicht der Statistiker ist Hannover sehr gut versorgt mit Fachärzten. Warum warten Patienten wochenlang auf einen Termin beim Hautarzt?

Weil die Patienten mit den kleinsten Beschwerden, und sei es nur ein roter Fleck im Gesicht, zum Arzt laufen. Das überfordert die Praxen. Gerade bei Hautärzten gibt es eine breite Spanne von schweren Krebserkrankungen bis zu harmlosen kosmetischen Problemen. 

Kann die Praxis das nicht vorab klären?

Sie müssen den Patienten anschauen. Man kann die Schwere einer Krankheit nicht am Telefon klären.

Zur Person:  Axel Brunngraber ist Internist, Hausarzt und Landeschef der Freien Ärzteschaft.

Sind die Patienten heute ängstlicher als früher?

So kann man das nicht sagen. Das Problem ist, dass in unserem Versorgungssystem der Preis der Leistung nicht transparent ist. Also hat jeder das Gefühl, er müsse sich im Gesundheitswesen verhalten wie beim Discounter. Jedes günstige Sweatshirt mitnehmen.

Die Praxisgebühr sollte die Zahl der Arztbesuche reduzieren. Hat aber nicht geklappt.

Man hätte die Gebühr modifizieren müssen. Stattdessen wurde sie von einem FDP-Minister aus populistischen Gründen abgeschafft. Manche Praxen erleben jetzt, dass jeder vierte Patient nicht zum vereinbarten Termin erscheint.

Muss die Kasse dann zahlen?

Nein. Es ist juristisch schwierig, das Nichterscheinen in Rechnung zu stellen. Aber es wird diskutiert, ob wir nicht in den Praxen ein Pfand von 20 Euro bei Terminvergabe einführen sollten.

Es gibt Fachärzte, die bieten Kassenpatienten einen schnellen Termin, wenn sie privat abrechnen.

Wenn ein Kollege zusätzlich zu den 25 Wochenstunden in seiner Freizeit Sprechzeiten für Privatpatienten anbietet, ist das sein Recht als Freiberufler.

Sie sind ein entschiedener Gegner der Terminservicestellen?

Ja. Denn es geht um ein Pseudoproblem. Jede Umfrage kommt zu dem Ergebnis, dass die Patienten die Wartezeiten akzeptieren. Das Gesetz ist komplett überflüssig. Am Ende wird sich die Situation eher verschlechtern als verbessern.

Warum?

Wenn ich als Hausarzt in meiner Praxis einen dringenden Fall habe, rufe ich den Fachkollegen an und vereinbare einen Termin für den Patienten. Echte Notfälle werden schnell überwiesen und oft schon am nächsten Tag weiterbehandelt. Wenn Fachärzte im nächsten Jahr zwei Termine wöchentlich an die Servicestelle melden müssen, wird es eng. Alte Versorgungswege werden verstopft.

Der große HAZ-Test

Ist das monatelange Warte auf einen Termin nur eine Erfindung der Politiker oder bittere Realität für Patienten?  Die HAZ hat stichprobenartig in Hannovers Praxen nach einem Termin gefragt – mit plausiblen Symptomen.

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