„So eine Veranstaltung können wir jederzeit wieder machen“, sagte Hannovers Oberbürgermeister Stephan Weil am Ende der Pressekonferenz, bei der – wie Sparkassensprecher Stefan Becker sagte – „eine Großförderung für die Kultur in Hannover“ bekannt gegeben wurde. Eine Million Euro stiften die in der Niedersächsischen Sparkassen-Finanzgruppe zusammengeschlossenen Institute für drei kulturelle Großprojekte: die Entwicklung der Festwochen-Herrenhausen, das Schlossmuseum in Herrenhausen und das Sprengel Museum.
Der größte Teil der Förderung geht an die Festwochen Herrenhausen; 600.000 Euro stellten die Niedersächsische Sparkassenstiftung, die Nord/LB, die Sparkasse Hannover und die VGH den Festwochen zur Verfügung, die sich unter der neuen Intendantin Elisabeth Schweeger neu aufstellen und Strahlkraft über Hannover hinaus entwickeln wollen. Mit jeweils 200.000 Euro sollen das geplante Schlossmuseum im noch zu errichtenden Schloss Herrenhausen und das Sprengel Museum unterstützt werden, dessen weiterer Ausbau bevorsteht.
Eine Million Euro für die Kultur auf einen Schlag – das hat es in Hannover bisher noch nicht gegeben, und eine derartige Zusammenarbeit von Finanzinstituten zur Förderung von Kulturprojekten ist auch neu. Thomas Mang, Vorsitzender der Niedersächsischen Sparkassenstiftung, sprach dann auch ganz angemessen von einem „markanten Engagement in einer Zeit, in der das Geld für die Kultur nicht gerade locker sitzt“.
Dass Zuwendungen für die Kultur nicht leicht zu gewinnen sind, weiß auch Oberbürgermeister Stephan Weil. Er charakterisiert die Situation der Kulturförderung in Hannover so: „Unser Leittier ist das Känguru – wir machen mit leerem Beutel große Sprünge.“ Weil sprach vom „großen Potenzial“ der Stadt und den fehlenden Mitteln. Sein Fazit: „Wir brauchen Freunde.“
Da kommen die vier Institute der Niedersächsischen Sparkassen-Finanzgruppe ganz recht. Die engagieren sich fürs Gemeinwohl, haben aber durchaus auch ihre eigenen Interessen im Blick. Denn ein ansprechendes Umfeld nutzt auch den Geldinstituten. Gunter Dunkel, Vorstandsvorsitzender der Nord/LB sagte: „Wir brauchen Anziehungspunkte in der Stadt, unsere Geschäftspartner und Mitarbeiter sollen gerne nach Hannover kommen.“
Besonders die Festwochen Herrenhausen, die unter der neuen Leitung von Intendantin Elisabeth Schweeger ein neues Gesicht bekommen, sollen ein solcher Anziehungspunkt sein. Deshalb unterstützt die Sparkassen-Finanzgruppe die Festwochen besonders großzügig. Drei Jahre lang soll es 200.000 Euro im Jahr geben.
Wohin es mit den Festwochen geht, wird sich bereits Ende der Woche andeuten. Am Freitag will Elisabeth Schweeger ihr erstes eigenes Programm vorstellen. Damit jeder merkt, dass das nicht mehr die alten Festwochen sind, bekommt das Festival auch gleich einen neuen Namen: „Kunst Fest Spiele Herrenhausen“ heißt das neue Format. Die Festspiele sollen vom 4. bis zum 27. Juni stattfinden. Die neuen Geldgeber hoffen, dass sich die „Marke Herrenhausen“ bundesweit etablieren wird. Hannover als kultureller Standort sei hoch bewertet, sagte Thomas Mang, allerdings nur von denen, die Hannovers Kultur kennen. Das Problem: Viele kennen sie nicht. Die Millionenspende soll mithelfen, das zu ändern. „Mit Herrenhausen und unseren Museen spielen wir in der Bundesliga“, beschrieb Mang die Situation, „aber noch nicht im UEFA-Cup.“ Aufstiegsmöglichkeiten sind vorhanden.
HAZ.de Anmeldung
Kommentare
@ CC LJA – 18.11.09
Natürlich schmälert das Geld, das hier ausgegeben wird, die Ausschüttung an die Kommunen. Da diese per se defizitäre Haushalte haben, muss deshalb mehr Geld über Kredite aufgenommen werden, für welche die Steuerzahler in der Zukunft einstehen müssen. Noch deutlicher wird das Ganze, wenn eine Sparkasse Verluste einfährt, was durchaus vorkommt. Dann wird die entsprechende Gemeinde als Eigentümer selbstverständlich zur Kasse gebeten. Meine Gebühren sollen bitte für die eigentliche Arbeit der Sparkasse verwendet werden und nicht für die Subventionierung von Kulturprojekten von zweifelhaftem Wert. Wenn ich dafür etwas spenden will, dann weiß ich durchaus, wie das geht.Dabei ist an dem ganzen Vorgang überhaupt nichts überraschend oder erfreulich. Solche Sachen werden von Politikern untereinander im kleinen Kreis ausgekungelt, unter weitgehender Ausschaltung der Parlamente. Als nächster Tagesordnungspunkt steht dann oftmals die Vergabe von gut bezahlten Versorgungsposten auf dem Programm. Dem Leser wird das dann hier als große kulturelle Wohltat verkauft. Warum man solch eine Art von Vetternwirtschaft mit Respekt behandeln soll, erschliesst sich mir nicht.
UEFA CUP j.t. – 18.11.09
Zuschauermässig bewegen sich diese Festspiele aber eher in der Regionaliga Nord, dort gibt es aber auch nicht so viele Freikarten.@LJA: Bitte mehr Respekt CC – 18.11.09
Die Kommunen erhalten jährlich eine Ausschüttung von der Sparkasse. Steuergelder fließen nicht anders herum. Richtig ist, dass unsere Kontogebühren dafür verwendet werden. Dies ist positiv zu bewerten!Bei einer privaten Bank wird dagegen mit den Gebühren gezockt und nicht für heimische Kultur verwendet.
UEFA CUP DKB – 18.11.09
Es gibt gar keinen UEFA - Cup mehr, was will uns Herr Mang mit diesem Vergleich den sagen?Gibt es bald auch keine KUNST - FEST - SPIELE mehr?
sparkassen stiften geld für kunst irgendwer – 18.11.09
Dieser Kommentar wurde von HAZ.de gelöschtBitte beachten Sie unsere Nutzungsbedingungen unter www.haz.de/nutzungsbedingungen
Der Hut kann oben bleiben LJA – 18.11.09
Die Niedersächsischen Sparkassen sind zu etwa 100% in kommunaler Hand. Das heißt, es sind indirekt doch wieder Steuergelder, die hier als verdeckte Subvention fließen. Eine Förderung durch private Mäzene wäre schön, allein - das sind keine.