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Ein Lehrplan für ganz Deutschland?

Einheitliche Schulen Ein Lehrplan für ganz Deutschland?

Der Vergleich der Abiturdurchschnittsnoten in den Bundesländern, bei denen Niedersachsen seit Jahren auf dem letzten Rang liegt, lässt erneut den Ruf nach verbindlicheren Lehrplänen laut werden. Die Rektoren in Hannover bewerten die geforderte Vereinheitlichung unterschiedlich.

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Werden die Abiturzeugnisse gerechter, wenn Schüler vermehrt das Gleiche lernen? Schulleiter in Hannover sehen die Chancen und Risiken von verbindlicheren Lehrplänen.

Quelle: Friso Gentsch (Symbolbild)

Hannover. Freitagmorgen, zweite Stunde, die Zwölftklässler im Deutschleistungskurs lesen Lessings „Nathan der Weise.“ Die Lektüre ist nicht nur in Niedersachsen, sondern deutschlandweit in der Oberstufe Pflicht. Eine Horrorvision? Unterricht im Gleichschritt oder die Chance auf mehr Gerechtigkeit auf dem Weg zum Abitur? Der Vergleich der Abiturdurchschnittsnoten in den Bundesländern, bei denen Niedersachsen seit Jahren auf dem letzten Rang liegt, lässt erneut den Ruf nach verbindlicheren Lehrplänen laut werden.

Schulleiter in Hannover reagieren unterschiedlich darauf. Beate Günther, Leiterin der Schillerschule in Kleefeld, möchte gern am bisherigen System der Kompetenzorientierung festhalten anstatt Lerninhalte allzu genau vorzuschreiben: „Das Ziel ist vorgegeben, aber der Weg dahin ist offen.“ So könne jede Schule auf Basis der Kerncurricula ihre eigenen Lehrpläne entwickeln. So hätten die Lehrer die Möglichkeit – je nach Stärke einer Lerngruppe – den Stoff passgenau zu vermitteln oder auch noch „Ausflüge nach links und rechts in andere Fachgebiete zu unternehmen“. Hauptsache sei, dass am Ende alle Schüler das Lernziel erreichten und gut fürs Abitur vorbereitet seien.

Wilhelm Bredthauer, Direktor der Goetheschule, wünscht sich hingegen mehr Verbindlichkeit im Lehrplan, gerade im Fach Mathematik. „Wieso kann man auf der ganzen Welt in der Oberstufe gleich unterrichten, nur in Deutschland nicht?“, fragt er, „warum brauchen wir dafür 16 verschiedenen Methoden?“

Ein Lehrplan für ganz Deutschland – zumindest in der Oberstufe – wäre nach Ansicht von Kurt Veith von der Leibnizschule das Ende des Bildungsförderalismus. „Ich hätte kein Problem damit“, fügt er hinzu. Aber das dürfte sich wohl kaum umsetzen lassen, allein schon weil die rotierende Regelung bei den Sommerferien bundesweit zentrale Prüfungstermine wie in Frankreich verhindert. Wenn man die Prüfungen gleich mache, müsse man auch die Rahmenbedingungen gleich machen, sagt Veith. Aber das dürfte ebenfalls schwer umzusetzen sein. Schon in einem Flächenland wie Niedersachsen sind die Lernbedingungen etwa in Aurich oder in Goslar deutlich anders als in einer Brennpunktschule in Hannover mit hohem Migrantenanteil, von räumlichen Gegebenheiten ganz abzusehen.

Das Kultusministerium hält von Länderrankings bei der Abiturnote ohnehin nicht viel. „Auf der Grundlage des grundgesetzlich verankerten Bildungsföderalismus bieten sich den Ländern größere Gestaltungsmöglichkeiten beim Abitur, zum Beispiel in Hinblick auf Fächerkombinationen, Anzahl von Prüfungsfächern oder einzubringenden Kursen, aber auch in Hinblick darauf, wie einige Qualifikationen gewichtet werden“, sagt eine Sprecherin. „Daher sind schlichte Zahlenvergleiche überhaupt nicht aussagekräftig und wenig sinnvoll, weil sie diese unterschiedlichen Rahmenbedingungen gar nicht berücksichtigen können.“

So haben von den 16 Bundesländern elf, darunter auch Niedersachsen, fünf Prüfungsfächer im Abitur, während es in fünf Ländern, darunter Niedersachsens direkte Nachbarn Bremen, Nordhein-Westfalen und Hamburg, nur vier sind. Im Kampf um einen begehrten Studienplatz könnten Schüler aus Niedersachsen hier durchaus im Nachteil sein.

Für die Kultusministerkonferenz ist laut Sprecher Torsten Heil „jedes Abitur, egal wo es abgelegt wurde, gleichwertig, da mit dem Zeugnis zugleich bescheinigt wird, dass dieses auf der Grundlage ihrer Vorgaben ausgestellt wurde“. Er verweist darauf, dass zum einen einheitliche Bildungsstandards gebe, zum anderen die Abiturprüfung nur ein Drittel der späteren Endnote ausmache. Wichtiger seien die Vorleistungen aus den beiden Schuljahren der Oberstufe insgesamt. Aber auch hier sind die Vorgaben von Land zu Land unterschiedlich. In Niedersachsen müssen die Schüler 36 Kurse einbringen, anderswo sind es nur 32.

2017 wird es erstmals bundesweit einen gemeinsamen Aufgabenpool für die Fächer Deutsch, Mathematik und Englisch geben. Den Hauptanteil der Abschlussprüfungen bestimmen die Länder aber weiter selbst, im Schnitt dürfte wohl ein Drittel des Abiturs bundesweit gleich sein. Landesweit sind alle Aufgaben schon seit 2006 gleich. Seit der Einführung des Zentralabiturs hat sich die Durchschnittsnote verbessert - von 2,7 auf 2,58. Spitzenreiter ist Thüringen mit 2,18. In Niedersachsen machten zuletzt 38,8 Prozent eines Jahrgangs Abitur.

Mehr Kinder, mehr Schüler

Steigende Schülerzahlen: Ob Grundschule, Sekundarstufe I oder Oberstufe – in allen Schulstufen verzeichnet die Region Hannover erstmals seit zehn Jahren einen Zuwachs an Schülern. Das ist einer neuen Broschüre nachzulesen, die die Region zum neuen Schuljahr veröffentlicht, das am nächsten Donnerstag beginnt. Zuletzt hatten 120?252 Kinder die allgemeinbildenden Schulen in Hannover und dem Umland besucht. 745 Schüler ohne Deutschkenntnisse wurden in sogenannten Sprachlernklassen unterrichtet. Die steigenden Schülerzahlen lassen sich nicht nur auf den Flüchtlingszustrom zurückführen, sondern auch auf Bevölkerungszuwachs generell. „Junge Familien ziehen gern hierher und bleiben auch hier“, sagte Bildungsdezernent Ulf-Birger Franz. Kaum eine andere Gegend habe so eine vielfältige Bildungslandschaft wie Hannover.

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