Soll umbenannt werden: die Elkartallee in der Südstadt.
Künftig soll Personen die Ehre eines Straßennamens nicht nur dann entzogen werden können, wenn sie eindeutig kriminell gewesen sind, sondern auch, wenn es sich „bei der namensgebenden Person um einen aktiven Unterstützer eines Unrechtssystems“ gehandelt hat. Aktuell soll damit die Umbenennung der Elkartallee in der Südstadt ermöglicht werden. Baudezernent Uwe Bodemann machte vor Ratspolitikern aber keinen Hehl daraus, dass die neue Regelung etliche weitere Umbenennungen nach sich ziehen kann.
Prof. Karl Elkart habe nach neuen historischen Untersuchungen als Stadtbaurat (1925 bis 1945) „in hervorgehobener Position die Verfolgungspolitik des NS-Regimes“ ausgeführt, heißt es in einer Stellungnahme der Stadt. Er habe die Notsituation der Juden ausgenutzt, um von ihnen „günstig“ Eigentum für die Stadt zu erwerben, und sich schon 1933 dafür eingesetzt, dass an Juden keine städtischen Aufträge mehr vergeben werden. Damit werde ihm zwar nicht persönliche Bereicherung vorgeworfen, er habe aber „eilfertig und zum Teil mit Eigeninitiative die unmenschliche Politik des NS-Regimes unterstützt“.
Nach den bisherigen Richtlinien der Stadt reicht das aber nicht, um ihm den Straßennamen zu entziehen. Immer wieder haben Anwohner in ähnlichen Fällen geklagt, wenn sie die Verhältnismäßigkeit verletzt sahen. Die Stadtspitze schlägt den Ratspolitikern daher vor, die Regeln zu verschärfen, um vor Gericht keine Schlappe zu erleiden. Der Rat muss darüber beraten und entscheiden.
Unabhängig davon werde noch im Mai das Verfahren zur Umbenennung der Lettow-Vorbeck-Allee in Badenstedt gestartet, kündigte Bodemann an. Lettow-Vorbeck war neueren Untersuchungen zufolge beim Ostafrikafeldzug (1914 bis 1918) für „grausame Kriegsführung“ mitverantwortlich und hatte auch 1904 das brutale Niederschlagen des Herero-Aufstands unterstützt und später gerechtfertigt. Die Vorwürfe wiegen so schwer, dass für diese Namensänderung keine neuen Regeln nötig sind. Die Stadt will die etwa 400 betroffenen Anwohner in Kürze informieren.
Nicht vollzogen wird wohl eine Umbenennung in der Südstadt, wo es eine peinliche Panne gegeben hat. Der Bezirksrat hat auf rot-grünen Antrag hin beschlossen, die Widmung der Wißmannstraße (nach dem Afrikaforscher und Kolonialisten Hermann von Wißmann) zu ändern, künftig sollte die Straße nach dem indogermanischen Sprachwissenschaftler Wilhelm Wißmann (1899-1966) benannt werden. Jetzt hat sich herausgestellt, dass dessen Schriften in der Zeit des NS-Regimes höchst umstritten sind. „Ich bin von Anwohnern darauf angesprochen worden, das war sehr peinlich“, rügte CDU-Ratsherr Dieter Küßner im Bauausschuss. Offenbar war vergessen worden, die Aktivitäten des Sprachforschers kritisch zu prüfen. Jetzt soll die Umbenennung möglichst schnell gestoppt werden.
Kommentare
Wißmann vs. Wißmann Justus – 16.06.09
Ich bitte vielmals um Entschuldigung, dass ich mich hier einmische.Den Aussagen der Beteiligten ist zu entnehmen, daß hier eine Umbenennung der "Wißmannstraße" in "Wißmannstraße" erfolgen sollte. Dabei ist wohl etwas schief gelaufen, sehe ich das so richtig?
Falls ja, halte ich die Einschaltung mehrerer Medizinischer Sachverständiger für zwingend erforderlich
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Laßt die Straßennamen wie sie sind Gerhard – 22.05.09
Das alberne an diesem ganzen Vorgehen ist, daß die politisch korrekten Zeitgeistritter auch in jenen verdammten Zeiten vermutlich die nach heutigen Maßstäben größten Verbrecher gewesen wären. Auf diesen Kommentar antworten Kommentar meldenAlles aus der Öffentlichkeit tilgen sinnvoll? Friederich der 4. – 22.05.09
Wie geschichtslos werden wir erst sein, wenn alles politisch korrekt ist und niemand mehr über diese Namen stolpert - dann ist das Tor erst offen zur Wiederholung von Geschichte!Deutsche wehrt Euch, wählt nicht diese Menschen... Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
Antwort Dieter Wolf – 22.05.09
@Lutz Jansen,habe nicht gesagt, dass wir alles besser wissen und schon gar nicht machen. Wir wissen aber, dass diese Dinge Unrecht und ihre Verursacher somit "Täter" waren. Natürlich sollten diese Hinweise im öffentlichen Raum zu finden sein, jedoch nicht unter Vorspiegelung falscher Tatsachen und vielleicht nicht an so zentraler Stelle...
@Aufpasser, wer hat Dich zu Deiner Funktion berufen? Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
@Dieter Wolf Lutz Jansen – 21.05.09
Schön das wir heute alles besser wissen. Zeigt doch wie toll überlegen wir früheren Generationen sind. Bevor wir uns aber nun zu sehr auf die Schulter klopfen, sollte man überlegen, dass mit der öffentlichen Erinnerung an diese Personen auch die Möglichkeit zerstört wird, sich großflächig mit ihren Ansichten und Taten auseinander zu setzen und somit aus ihren eventuellen Fehlern zu lernen. Auf diesen Kommentar antworten Kommentar meldenStraßenumbenennung Aufpasser – 21.05.09
Bereits vor Jahren habe ich Maßnahmen eingeleitet, die die Verursacher dieses rot- grünen Unfugs wegen Veruntreuung öffentlicher Mittel zur Rechenschaft ziehen werden. Die aktuelle Berichterstattung gibt erneut Anlaß, gegen politische Hanswurste der Stadt Hannover vorzugehen. Auf diesen Kommentar antworten Kommentar meldenWer seine Geschichte nicht kennt... Dieter Wolf – 21.05.09
Ja, das ist ganz genau das, was - nicht nur Hannover, sondern ganz Deutschland bräuchte!Wer gegen die Umbenennung des Carl-Peters-Platzes ist oder war, sollte einfach mal das Buch: "Die Weißen kommen" Autor: Gerd von Paczensky lesen. Findet man ganz sicher in der hannoverschen Stadtbibliothek (mindestens aber in der Landesbibliothek / Waterloostraße), es lohnt sich! Was den Einwand mit den Adeligen betrifft, das wäre in der Tat überfällig. Besonders das Reiterdenkmal am Hauptbahnhof, ausgerechnet da! Dieser Fürst war - mit Ausnahme des korrupten Kurfürsten von Hessen Kassel - der wohl engstirnigste Regent der gegen den Ausbau des Eisenbahnnetzes im eigenen Fürstentum zu werke ging. Sagte er doch: "Ich will nicht, dass jeder Untertan so schnell reisen kann wie der Souverän!"
Aber so ist es halt: Hat man sich aus dem Geschichtsunterricht gestohlen - und seine Historie nicht kennt, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen! Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
Super Lutz Jansen – 21.05.09
Genau das, was Hannover jetzt braucht. Eine Säuberungsaktion für Strassennahmen. Dabei verdammt man mit politisch korrekter Arroganz gleich ganze frühere Zeitalter, denn in deren Kontext ist das Wirken vieler der heute Geschmähten natürlich zu sehen.Man kann sich schon einmal darauf vorbereiten, den Ernst-August-Platz umzubenennen, genau so wie alle anderen Strassen und Plätze, die ihren Namen Adeligen aus der Zeit vor 1900 verdanken. Und haben sich nicht auch einige der Göttinger Sieben schuldig gemacht, da sie im Unterricht autoritäre Methoden incl. Prügelstrafe anwandten ? Also - weg damit. Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
Stadtpolitik und Verwaltung Willi B. – 21.05.09
Die Stadtpolitik erschöpft sich in der Südstadt darin, politisch korrekte Strassennamen auszuwählen und die vorhandenen Strassennamen einfach zu streichen; das damit gleichzeitig Stück für Stück Identitäten der Einwohner beseitigt wird, wissen diese Verantwortlichen wahrscheinlich in ihrer unendlichen Beschränktheit nicht. Mit dem Kalle Pe fing es an; der Karl-Peters-Platz wurde entgegen der befragten Mehrheit der Anwohner einfach umbenannt - punktum. Sollen die Anwohner doch sehen, wie sich damit umgehen. Ich finde, man sollte alle Namen von Strassen einmal dem Verfassungsschutz zur Prüfung vorlegen... Auf diesen Kommentar antworten Kommentar meldenKommentar schreiben