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Aus der Stadt Eltern müssen mehr für Kitas zahlen
Hannover Aus der Stadt Eltern müssen mehr für Kitas zahlen
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02:15 27.09.2015
Von Andreas Schinkel
Wie viel ist zu viel? Die Kita-Beiträge sollen steigen.   Quelle: Waltraud Grubitzsch
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Hannover

Die Betreuung von Kindern in Kitas und Krippen wird für Eltern in Hannover insgesamt teurer. Die Stadtverwaltung legt am kommenden Montag im Jugendhilfeausschuss ein Konzept vor, wie sie die Beiträge von Eltern anheben will. Schon jetzt wird das Papier heiß diskutiert. „Wir lehnen die Beitragserhöhung ab“, sagt Georg Weil, Sprecher des Kita-Stadtelternrats. Es könne nicht angehen, dass die Beiträge bis zu 25 Prozent steigen. Grundsätzlich sollten alle Eltern von Kita-Gebühren befreit werden, meint Weil. Ratspolitiker von CDU und Grünen wollen über das komplizierte Gebührensystem noch einmal nachdenken, am Montag wird es also keine Entscheidung über das Verwaltungspapier geben. Geplant ist die Beitragserhöhung ohnehin erst für August 2017.

Die Höhe der Elternbeiträge hängt von verschiedenen Faktoren ab. Entscheidend ist das Haushaltseinkommen, die Zahl der Kinder, die betreut werden, die Dauer der Betreuung (ganztags oder halbtags) und das Alter der Kinder (unter drei Jahren: Krippe, drei bis sechs Jahre: Kindergarten). Die Stadt hat daraus eine Gebührentabelle entwickelt, die bisher aus neun Stufen besteht. Grob gesagt, zahlen Geringverdiener und Hartz-IV-Empfänger nichts, Eltern mit gehobenem Einkommen rutschen schnell in die letzte Stufe und zahlen den höchsten Satz (244 Euro für ein Kindergartenkind mit Ganztagsbetreuung). Etwa die Hälfte aller Eltern ist nach Angaben der Stadt von Beiträgen befreit.

Parteiübergreifend hat dieses System Unmut hervorgerufen. Der Mittelbau fehle, es gebe nur alles oder nichts. Die Kritik trifft ins Schwarze, wie die Stadt jetzt belegt. 91 Prozent der Eltern fallen entweder in Stufe 0 (keine Beiträge) oder in Stufe 9 (Höchstsatz). Das soll sich jetzt ändern.

Die Stadt favorisiert ein abgespecktes Gebührensystem, das nur aus sieben Stufen besteht. Die Abstände zwischen den Kategorien sind deutlich größer. Das bedeutet, dass Eltern mit mittlerem Einkommen nicht sogleich in die höchste Kategorie fallen. Zugleich steigen die Gebühren für die höheren Gehaltsklassen deutlich an. Statt 244 Euro beträgt der Spitzensatz für ein Kind in der Ganztags-Kita künftig 305 Euro. Die Stadt gibt zu Bedenken, dass diejenigen, die in diese teuerste Stufe rutschen, auch über ein deutlich höheres Einkommen verfügen.

Am Ende erhofft sich die Stadt Mehreinnahmen von 1,4 Millionen Euro pro Jahr. Der Gebührenanstieg ist keine unmittelbare Reaktion auf den Tarifstreit um die Löhne der Erzieher. Bereits im vergangenen Jahr hatte Kämmerer Marc Hansmann (SPD) angekündigt, an der Gebührenschraube drehen zu wollen. Mit 156 Millionen Euro zählt die Kinderbetreuung zu den größten Ausgabeposten im Haushalt, davon bekommt die Stadt nur 30 Millionen Euro erstattet - durch Elternbeiträge und Zuschüsse vom Land.

So ändern sich die Gebühren

Höchstbeitrag nach altem System: Verfügen Eltern mit einem Kind über ein Haushaltseinkommen von mehr als 2392 Euro, müssen sie für die Ganztagsbetreuung im Kindergarten den höchsten Satz zahlen: 244 Euro. 

Höchstbeitrag nach neuem System: In die höchste Kategorie rutschen Eltern mit einem Kind erst, wenn ihr Einkommen 2649 Euro übersteigt. Dann zahlen sie für die Ganztagsbetreuung ihres Kindergartenkindes 305 Euro. 

Größter Verlierer: Eltern mit zwei Kindern, deren Einkommen 3022 Euro übersteigt, haben das Nachsehen. Ihre Kita-Kosten für zwei Kinder steigen um fast 100 Euro durch das neue System.

Gewinn für Alleinerziehende: Verdient ein Alleinerziehender mit einem Kind 1500 Euro, muss er künftig weniger zahlen: 40 statt 43 Euro für einen Ganztagskindergarten, 42 statt 55 Euro für einen Krippenplatz. 

Verlust für Familien: Liegt das Einkommen einer Familie mit zwei Kindern bei 2950 Euro, fällt sie in eine niedrigere Stufe, muss aber mehr bezahlen. 250 statt 244 Euro für einen Kita-Platz, 262 statt 256 Euro für einen Krippenplatz.

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