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Eltern in Hannover setzen auf Gesamtschulen

Trend zum gemeinsamen Unterricht Eltern in Hannover setzen auf Gesamtschulen

In Hannover belegen die Anmeldezahlen für weiterführende Schulen den Trend zum gemeinsamen Unterricht – auch wenn das Land mit den Oberschulen andere Prioritäten setzt.

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Zwei neue IGS-Standorte sind von der Stadtspitze ins Gespräch gebracht worden: Die Bertha-von-Suttner-Schule (ehemals Heinrich-Heine-Schule) in der Südstadt und das Schulzentrum Bothfeld mit Ada-Lessing- und Lotte-Kestner-Schule (Bild).

Quelle: Ulrich zur Nieden

Hannover. er Trend ist stark und offenkundig: „Die Eltern in Hannover wollen Gymnasien, auch für Kinder mit Realschulempfehlung, und an zweiter Stelle Integrierte Gesamtschulen“, sagt Ingvelde Klein, seit zehn Jahren Leiterin einer Realschule. Auf Dauer setzt das auch den Realschulen zu, da macht Klein sich keine Illusionen. Gemeinsam mit der Hauptschule in Bothfeld hatte die Lotte-Kestner-Schule deshalb schon vor Jahren versucht, zur Integrierten Gesamtschule zu werden, in der Kinder aller Leistungsniveaus gemeinsam unterrichtet werden. „Das öffnet für die Schüler vieles.“

Damals winkte die Stadt ab: Das Schulzentrum Bothfeld ist zu klein für die für eine IGS vorgeschriebene Mindestgröße. Doch dieses Jahr gingen wieder 200 Kinder leer aus, die eigentlich an einer Gesamtschule lernen wollen. Und die Stadt will, falls die Elternbefragung im Herbst positiv verläuft, über weitere Gesamtschulen und dann wohl notwendige Anbauten nachdenken.

In Bothfeld würden die Planer damit offene Türen einrennen – wenn die IGS auch eine gymnasiale Oberstufe bekäme. „Die Eltern wünschen sich das. Von unseren Realschülern geht später ein Drittel aufs Gymnasium“, sagt Klein.
Im Stadtelternrat ist man froh, dass die Stadt mit einer Elternbefragung die Gründung weiterer Gesamtschulen vorbereiten will. „Dann gibt es gesicherte Zahlen. Und die Eltern scheinen auf diese Schulform zu setzen“, sagt die Vorsitzende Ute Janus.

Wenig Positives kann der Stadtelternrat dagegen der Oberschule abgewinnen, einer Kombination aus Haupt- und Realschule, die das Land jetzt einführen will. Auch für Realschulleiterin Klein wäre die Oberschule nur zweite Wahl. Dabei soll die neue Schulform – mit Sozialpädagogen und verbindlichem Ganztagsunterricht – eigentlich sogar besser als andere ausgestattet werden. „Es spricht nicht für die Oberschule, wenn mit ihr ein nicht mehr gefragtes Modell gerettet werden soll“, sagt Ute Janus. Sie denkt dabei an Hauptschulen und kombinierte Haupt- und Realschulen, die unter mangelnder Nachfrage leiden. Die Anmeldezahlen sind zum Teil so gering, dass selbst die niedrigen Voraussetzungen für eine Oberschule mit 48 Schülern pro Jahrgang nicht erreicht werden. Schuldezernentin Marlis Drevermann sprach deshalb kürzlich von einer „Phantomdiskussion“.

„Die Eltern in Hannover wollen Gesamtschulen mit verbindlichem Ganztagsunterricht“, betont Stadtelternratschefin Janus. Allerdings können genau dies die neu gegründeten Gesamtschulen nicht bieten. „Ihre Startbedingungen sind erheblich erschwert,“ sagt Christoph Walther, Sprecher der hannoverschen Gesamtschulleiter. Das Land bewilligt nur noch offene, finanziell wenig ausgestattete Ganztagsangebote. Aus Sicht der IGS-Leiter widerspricht das der Grundidee der Gesamtschule. „Die Kinder lernen bei uns gemeinsam und gehen gemeinsam Freizeitaktivitäten nach, in denen sie ihre Interessen entfalten.“ Die Klassenlehrer begleiteten die Kinder über längere Zeit und böten einen verlässlichen Rahmen.

Walther beobachtet in seiner Schule, der IGS Linden, dass die Zahl der Gymnasialkinder gestiegen ist, seit die Schule verstärkt Kinder mit Handicaps aufnimmt. „Bei den Eltern löst das die Erkenntnis aus, dass wir auch individuell auf die Bedürfnisse ihrer leistungsstärkeren Kinder eingehen.“

Trotz der Einschränkungen für eine neue IGS wäre sie auch in der Südstadt willkommen. Die örtliche SPD wirft sich seit geraumer Zeit dafür in die Bresche. Und bei der Fusion von Haupt- und Realschule zur Bertha-von-Suttner-Schule am Altenbekener Damm hatten Eltern stattdessen eine IGS verlangt. „Wir wollen das anbieten, was die Eltern sich wünschen“, sagt Wolfgang Drücker, Leiter der Bertha-von-Suttner-Schule. Und das sei wohl das Gymnasium oder eine Schule, die alle Wege offen lässt. Das Kollegium wolle nach den Ferien aber auch über die Oberschule reden.

Nur 80 Anmeldungen für Hauptschulen

Bisher haben nur 80 hannoversche Familien ihr Kind für die fünfte Klasse einer Hauptschule angemeldet. Diese Kinder verteilen sich auf acht Schulen. Rein rechnerisch könnte also jede der Einrichtungen nur eine Klasse mit je zehn Kindern aufmachen. Es soll jedoch eine Schule in der Gruppe geben, die gar keine Anmeldung für ihren Hauptschulzweig bekommen hat – welche das ist, gibt die Stadt nicht bekannt. Es existieren im ganzen Stadtgebiet nur noch vier selbstständige Hauptschulen, die Fünftklässler aufnehmen, außerdem drei Haupt- und Realschulen. Die Verwaltung zählt außerdem in ihrer Statistik die Glockseeschule in diese Gruppe.

Aus den Erfahrungen anderer Jahre rechnet die Schulverwaltung damit, dass die Zahl der Hauptschüler bis zum Schuljahresbeginn im August noch auf 100 bis 120 Fünftklässler anwachsen wird.

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