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Eltern sind für Türkisch als Schulfach

Debatte um Sprachunterricht Eltern sind für Türkisch als Schulfach

Türkische Eltern befürworten den Vorstoß von SPD und Grünen im Niedersächsischen Landtag, Sprachen größerer Einwanderergruppen zum Schulfach zu machen. Bisher sind Kinder aus Einwandererfamilien meist auf den sogenannten herkunftssprachlichen Unterricht angewiesen, wenn sie die Sprache ihrer Eltern umfassend lernen wollen.

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Lernen am Katzentisch: Bisher sind Kinder aus Einwandererfamilien meist auf den sogenannten herkunftssprachlichen Unterricht angewiesen. An der Tafel oben stehen arabische Buchstaben, im Text unten russische. Fotos: dpa, Fotolia

Quelle: Holger Hollemann

Hannover. Türkische Eltern haben seit vielen Jahren dafür gekämpft - und reagieren entsprechend euphorisch. Die Landtagsfraktionen von SPD und Grünen wollen Sprachen von größeren Einwandergruppen in Niedersachsen als Schulfach verankern. „Natürlich begrüßen wir das. Ohne die Muttersprache richtig zu beherrschen, kann man nicht gut Deutsch lernen“, betont Seyhan Öztürk, Vorsitzende des Türkischen Elternvereins der Landeshauptstadt Hannover. Die Rechtsanwältin beruft sich dabei auf die aktuell gängige Meinung in den Sprachwissenschaften. Zwar sprechen Öztürk und ihr Mann mit der Tochter zu Hause Türkisch und lesen viel vor. „Aber wir sind keine Lehrer. Grammatik müssen Kinder in der Schule lernen.“

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Viele Jahre hat sich auch Havva Mermertas in der deutsch-türkischen Elternarbeit für mehr Anerkennung eingesetzt. „Die Sprache der Einwanderer ist ein Reichtum. Davon profitieren alle, denn wir haben finanzielle, kulturelle und wirtschaftliche Kontakte in die Herkunftsländer.“ Ohne solide Kenntnisse sei die Muttersprache aber nicht nutzbar zu machen. Erst in der Schule erweitern Kinder ihren Wortschatz mit Fachbegriffen und lernen schreiben. „Deshalb ist ja auch der Deutschunterricht in der Schule auch für deutsche Kinder so wichtig.“

Bisher sind Kinder aus Einwandererfamilien meist auf den sogenannten herkunftssprachlichen Unterricht angewiesen, wenn sie die Sprache ihrer Eltern umfassend lernen wollen. Doch einen Anspruch darauf haben sie nicht. Oft liegen diese auf Grundschulen beschränkten Angebote in Randstunden oder ganz am Nachmittag. Noten gibt es nicht, im Zeugnis taucht die Leistung nicht auf. Es ist ein Lernen am Katzentisch. „Und die Kinder merken das auch“, sagt Havva Mermertas.

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An etlichen Schulen komme der herkunftssprachliche Unterricht nicht zustande, obwohl eine ausreichende Anzahl von Familien ihre Kinder angemeldet habe, berichtet Seyhan Öztürk. Ihr Dachverband, die Föderation Türkischer Elternvereine in Niedersachsen, hat dazu eine Umfrage gestartet. „Die Landesschulbehörde lehnt mit der Begründung ab, es sei kein Geld mehr vorhanden. Das ist für Niedersachsen ein Armutszeugnis“, urteilt die Elternvertreterin. „Wir hoffen, dass es nicht ein Bekenntnis auf dem Papier und den Lippen bleibt.“

Eine Lanze für die Sprachenvielfaltbricht auch Karola Penz, Leiterin der Albert-Schweitzer-Schule. „Wir wollen weg von der Einteilung in tolle Fremdsprachen und weniger wichtige Herkunftssprachen.“ An ihrer Grundschule läuft bilingualer Deutsch-Türkisch-Unterricht „Die Kinder entwickeln dabei schnell ein Verständnis für Grammatik. Wenn sie zwei Sprachen können, lernen sie jede weitere leichter.“

Diese Fremdsprachen werden bisher angeboten

Die weiterführenden Schulen in Hannover bieten als Fremdsprachen bereits neben Englisch, Französisch und Spanisch auch Italienisch (an der Käthe-Kollwitz-Schule) sowie Chinesisch, Polnisch und Russisch (an der Goetheschule).

Russisch als Fremdsprache war in den Neunzigerjahren als Reaktion auf die starke Zuwanderung Deutschstämmiger und ihrer Familien aus Osteuropa eingeführt worden. An der Bismarckschule dominierten alsbald russischsprachige Schüler. Als das Gymnasium den Russischunterricht einstellte, verdoppelten sich die Anmeldungen an der Goetheschule. „Wir standen kurz davor, dass Russisch bei uns Schulhofsprache wird“, erinnert sich Schulleiter Wilhelm Bredthauer. Goetheschule und auch IGS Linden ließen daraufhin ihr Russischangebot in der Sekundarstufe I ruhen. „Die Mehrheitsverhältnisse dürfen nicht kippen, damit Integration klappt“, sagt Bredthauer.

Das Gymnasium bietet weiter Polnisch und Russisch in der Oberstufe an. Russisch belegen 15 Schüler pro Jahrgang, Polnisch sieben bis acht aus ganz Hannover, die sich in dem Fach auch im Abitur prüfen lassen können. Die Schüler erfüllen damit ihre Pflicht, am Gymnasium eine zweite Fremdsprache zu belegen. Macht man es Muttersprachlern damit zu leicht? Schulleiter Bredthauer glaubt das nicht. „Sie legen schließlich ihre gesamte Abiturprüfung auf Deutsch ab, das nicht ihre Muttersprache ist.“

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