Hannover. Zum ersten Mal in Deutschland haben zwei Lebende Teile ihrer Lunge gespendet - um ihr todkrankes Kind zu retten. In einer aufwendigen Operation verpflanzten drei Chirurgenteams der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) um Prof. Axel Haverich einem inzwischen Zwölfjährigen je einen Lungenlappen seiner Mutter und seines Vaters.
Nach Angaben der Hochschule war die Lebendspende notwendig, weil kein geeignetes Spenderorgan zur Verfügung stand. Ohne die Transplantation hätte der an Mukoviszidose erkrankte Junge nach Darstellung der MHH nicht überleben können. Die Erkrankung war bereits so weit fortgeschritten, dass er künstlich beatmet werden musste. Die Operation verlief erfolgreich. Der Junge kann nun mit den Lungen seiner Eltern atmen - ohne dass es weiterhin zu jener gefährlichen Schleimabsonderung kommt, die kennzeichnend ist für die Mukoviszidose. Am Mittwoch will die MHH weitere Details der spektakulären Transplantation mitteilen. An der angekündigten Pressekonferenz werden auch der zwölfjährige Marius und seine Eltern teilnehmen.
Die Operation mit den beiden Lungen-Lebendspenden war die erste in Deutschland überhaupt, aber nicht die erste weltweit. Bisher wurden hierzulande ausschließlich Lungen hirntoter Patienten transplantiert. In Deutschland waren dies 147 im Jahr 2011 und 178 von Januar bis Juni dieses Jahres.
Nach Angaben der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) werden Lebendspenden zunehmend wichtiger, weil Spenderorgane fehlen. Laut DSO wurden im Jahr 2011 in Deutschland 755 Nieren von Lebendspendern transplantiert; das sind deutlich mehr als im Jahr 2009 (600 Spenden). Hinzu kamen 71 Lebendspenden von Lebern. Die MHH verpflanzt seit 2003 auch Nieren von Lebendspendern, deren Blutgruppe nicht identisch ist. In diesen Fällen ist eine sehr aufwendige Vorbehandlung des Organs nötig, bei der die Antikörper unterdrückt werden müssen.
Die meisten Nieren werden von Eltern für ihre Kinder gespendet.

