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Finanzielle Ungleichbehandlung?

Eltern verklagen die Stadt wegen Betreuung

Von Bärbel Hilbig

Die Eltern des zweijährigen Jan Ole haben beim Verwaltungsgericht Klage gegen die Stadt Hannover eingereicht. Die Familie kritisiert die finanzielle Ungleichbehandlung von Tagespflege und Krippe.
Eine Familie kritisiert die finanzielle Ungleichbehandlung von Tagespflege und Krippe.

Eine Familie kritisiert die finanzielle Ungleichbehandlung von Tagespflege und Krippe.

© dpa (Symbolfoto)

Hannover. Der Junge wird nicht in einer Krabbelgruppe betreut, sondern in einer Kindergruppe bei einer Tagesmutter. Die Stadt subventionierte den Tagespflegeplatz mit rund 250 Euro im Monat, ähnlich wie sie auch die Krippenplätze in Kindertagesstätten zu nicht geringen Teilen finanziert. Doch seit Jan Oles Mutter Sonja Rademacher-Börger wegen ihres zweiten Kindes wieder in Elternzeit und damit zu Hause ist, hat die Stadt den Zuschuss gestrichen.

Die Börgers sehen darin eine eklatante Ungleichbehandlung. „Wenn unser Sohn in einer Krippe wäre, hätte sich nichts geändert“, sagt Jan Oles Vater Stephan Börger. Eltern mit weniger Einkommen hätten ihr Kind ohne Zuschuss wohl ganz aus der Betreuung bei der Tagesmutter genommen. Die Börgers schicken Jan Ole aus Kostengründen jetzt nur noch an drei Tagen in seine vertraute Gruppe mit den anderen Kindern. „Es tut uns richtig weh, weil er gerne hingeht. Und es ist schließlich sehr sinnvoll, wenn Kinder mit Gleichaltrigen soziales Verhalten lernen“, sagt Stephan Börger. Auch der Kontakt mit anderen Vertrauenspersonen als den Eltern sei wichtig. 

Die Familie hatte nach ihrem Umzug nach Hannover im Frühjahr vergeblich einen Krippenplatz für Jan Ole gesucht. „Das Familienservicebüro der Stadt hat uns dann Tagesmütter ans Herz gelegt.“ Die Börgers entschieden sich nach etlichen Gesprächen für eine Großtagespflege. Für diese Art von Betreuungseinrichtung mieten Tagesmütter Räume, in denen sie eine Kindergruppe gemeinsam betreuen. Vorgeschrieben sind ein Ruheraum für den Mittagsschlaf sowie Platz zum Spielen im Freien. „Im Grunde ist das eine private Krippe“, sagt Börger. Da die Tagesmütter in diesem Fall eine pädagogische Ausbildung vorweisen und von ihrer Arbeit als Selbstständige leben wollen, ist die Betreuung kostspielig.

Der Vollzeitplatz für Jan Ole kostete rund 800 Euro pro Monat. Die Stadt zahlte 250 Euro, die Familie rund 550 Euro. „Das war für uns okay, weil wir bei diesen Tagesmüttern ein gutes Gefühl haben.“ Ein Platz in einer Krippe kostet die Stadt mindestens 460 Euro Zuschuss. Mit Elternbeitrag und Landeszuschuss liegt ein Krippenplatz sogar bei 850 Euro.

Bei der Stadt will man sich zu dem laufenden Verfahren nicht äußern. Eine Sprecherin bestätigt aber, dass nur dann Zuschüsse zur Tagespflege gezahlt würden, wenn Eltern alleinerziehend oder beide erwerbstätig oder arbeitssuchend sind. Dieselben Personengruppen haben bei der Vergabe von Krippenplätzen Vorrang. „Es geht darum, dass die Kinder in diesen Fällen versorgt sind.“

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