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Die Architektin ohne Examen

Vortrag Die Architektin ohne Examen

Diese Architektin hat zahlreiche Häuser um- und neu gebaut, obwohl die Universität ihr das Examen verweigert hatte. Am heutigen Dienstag gibt es in der Architekturfakultät der Leibniz-Uni einen Vortrag über die Frau, die zur Frauenrechtlerin wurde, weil man ihr den Berufswunsch versagte.

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Das Examen wurde ihr verweigert, als Architektin schuf sie trotzdem Bleibendes: Emilie Winkelmann.

Quelle: Richard Knoth (um 1895)

Hannover. Vielleicht war Emilie Winkelmann sogar die erste Studentin der Hochschule überhaupt, die später in einem akademischen Beruf arbeitete. „Genau wissen wir das nicht“, sagt Uni-Sprecherin Mechthild von Münchhausen. Man könne aber schreiben, „dass sie voraussichtlich die erste Studentin war“.

Fest steht, dass Emilie Winkelmann (1875 – 1951) die erste freiberufliche Architektin Deutschlands wurde. Trotzdem ist sie heute als Architektin fast völlig in Vergessenheit geraten, obwohl mehrere ihrer Bauwerke unter Denkmalschutz stehen und sie eine ungewöhnliche Vita hat. Sie hatte sich 1902 an der damaligen Technischen Hochschule Hannover eingeschrieben und dabei etwas geschummelt: Ihren Vornamen kürzte sie ab, weil Frauen in Preußen das Studium verboten war.

Die Tochter eines Lehrers war von ihrem Großvater geprägt: In dessen Baugeschäft half sie mit, absolvierte später eine Lehre im Zimmererhandwerk, arbeitete in mehreren Architekturbüros – und schrieb sich 1902 als E. Winkelmann an der Technischen Hochschule im hannoverschen Welfenschloss ein. Ihre Anwesenheit als Frau fiel nicht weiter auf: Frauen durften als Gasthörerinnen und Hospitantinnen in den Uni-Alltag hineinschnuppern. Erst als es 1906 ans Examen ging, flog sie auf – die Abschlussprüfung wurde ihr verweigert.

Heute wäre es undenkbar, ohne Hochschulabschluss als Architekt zu arbeiten: Argwöhnisch achten die Kammern darauf, dass der Titel nur geführt wird von denen, die alle Auflagen erfüllt haben. Das war Anfang des 20. Jahrhunderts noch anders, damals ging es um die Qualität der Arbeit. Und diesen Nachweis erbrachte Winkelmann mit Kreativität. Ausgeschrieben war in Berlin ein Architekturwettbewerb für ein Theatergebäude an der Berliner Blumenstraße mit mehreren Festsälen. Alle ihre Wettbewerber scheiterten daran, die Treppe so zu konstruieren, dass sich bei mehreren gleichzeitig laufenden Veranstaltungen auf- und absteigende Besucher nicht in die Quere kamen. Sie konstruierte eine sogenannte doppelläufige Treppe – und bekam den Zuschlag für ihr erstes Renommierprojekt. Das Haus ist allerdings kriegszerstört. Erhalten ist hingegen das stolze ­Viktoria-Studienhaus (heute: Ottilie-von-Hansemann-Haus an der Berliner Otto-Suhr-Allee), das erste Studentinnenwohnheim Europas, das unter Denkmalschutz steht. Gleiches gilt für viele Guts- und Herrenhäuser zwischen Bielefeld und Pommern, die sie umbaute oder ergänzte.

Die Fachliteratur nennt Emilie Winkelmann in einem Atemzug etwa mit dem bekannten Architekten Hermann Muthesius. Nach ihm sind etliche Straßen benannt, nach Emilie ­Winkelmann nur eine Seitenstraße in Bergkamen.

Prof. Kerstin Dörhöfer aus Berlin hält heute ab 18 Uhr einen etwa 90-minütigen Lichtbildvortrag über Emilie Winkelmann in der Architekturfakultät der Uni, Herrenhäuser Straße 8. Der Eintritt ist frei. Vorgestellt wird zudem ein neu erschienenes Buch über Frauen in der Architektur, an dem unter anderem die hannoversche Architekturprofessorin Barbara Zibell mitgearbeitet hat.

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