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Aus der Stadt Kein Krippenplatz: Familien verlassen Hannover
Hannover Aus der Stadt Kein Krippenplatz: Familien verlassen Hannover
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00:26 25.10.2015
Von Andreas Schinkel
Kein Krippenplatz - und dann? Claudia Jung (li.) hat ihre Mutter gebeten, aus Leipzig herzuziehen. Annegret Künzel geht nach Aurich - dort gibt es einen Platz für Tochter Henrike. Quelle: Jan Philipp Eberstein
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Hannover

„Für mich ist das ein Grund, aus Hannover wegzuziehen“, sagt Annegret Künzel. Sie geht mit ihrer Tochter Henrike nach Aurich, wo ihr Mann derzeit arbeitet. Eigentlich sollte es umgekehrt laufen und der Vater nach Hannover ziehen. Auch Stefanie Plösser will nicht mehr nach Krippenplätzen in Hannover suchen. „Wir sind deshalb nach Bückeburg gezogen“, sagt sie. Dort habe sie schnell einen Betreuungsplatz gefunden.

„Hannover hat nicht genug Krippenplätze“, sagt Ute Dalluhn von der Kinderladen-Initiative Hannover. Die Stadt bemühe sich zwar, immer mehr Krippen und Kitas zu bauen, aber sie hinke dem Bedarf hinterher. „Wir appellieren an jeden Hauseigentümer, uns oder der Stadt freie Räume zu melden“, sagt Dalluhn. Auch die Arbeiterwohlfahrt (AWO), Träger von 39 Krippen, konstatiert, dass die Nachfrage größer sei als das Angebot.

Steigende Zahl der Kinder in Hannover

Grund für die Misere ist die rapide steigende Zahl der Kinder in Hannover, eigentlich eine erfreuliche Tendenz. Nach Angaben der Stadt hat die Zahl der Ein- und Zweijährigen im September erstmals die Grenze von 10 000 überschritten. Vor zwei Jahren waren es noch rund 700 Krippenkinder weniger. Da Eltern einen Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz haben, muss die Stadt weitere Einrichtungen aufbauen. Doch das scheint nicht mehr auszureichen. Trotz des Ausbaus ist die Versorgungsquote um ein Prozent auf 53,4 Prozent gesunken. „Es ist im Moment schwierig“, räumt Stadtsprecherin Konstanze Kalmus ein.

"Kinder nur im August bekommen"

„Im Grunde darf man in Hannover Kinder nur im August bekommen“, sagt Stefanie Plösser, die aber das „Pech“ hatte, dass ihr Sohn Jonne im Mai vergangenen Jahres zur Welt kam. Die Chance, im August einen Krippenplatz zu bekommen, ist deutlich größer, weil in diesem Monat eine Art Betreuungsrotation einsetzt. Ältere Kindergartenkinder wechseln in die Schule und geben Plätze in der Kita frei. In diese rücken ältere Krippenkinder, sodass in den Krippen Kapazitäten für neue Kinder entstehen. „Da der Andrang groß ist, bleiben kaum Restplätze übrig“, berichtet Dalluhn von der Kinderladen-Initiative. Die Stadtverwaltung führt an, dass es keinen Rechtsanspruch auf einen Platz für ein bestimmtes Datum gebe.

Für Mütter, die wie Plösser und Künzel ein Jahr in Elternzeit gehen, entsteht eine Betreuungslücke, die kaum zu überbrücken ist. „Meine Tochter ist im Januar geboren, aber die Stadt kann mir erst zum 1. August 2016 einen Krippenplatz anbieten“, erzählt Künzel. Nach Ende der Elternzeit und Wiederaufnahme ihrer Arbeit im Februar 2016 wäre ihr Kind also ein halbes Jahr ohne Betreuung. „Ich könnte später in den Beruf einsteigen, aber dann wüsste ich nicht, wie wir uns finanzieren“, sagt Künzel. So bleibt ihr nur der Umzug nach Aurich.

Claudia Jung, Mutter eines einjährigen Sohnes, hat bisher erfolglos nach einem Krippenplatz gesucht. „Die Südstadt sei voll, hieß es“, sagt Jung. Jetzt hat sie ihre Mutter aus Leipzig gebeten, nach Hannover zu ziehen und sich um den Sohn zu kümmern.

Kita-Gebühren sollen steigen

Die Elternbeiträge für die Kita-Beiträge sollen nach dem Willen der Stadt erhöht werden. Bis zu 25 Prozent können die Gebühren in manchen Fällen steigen. Den Höchstsatz für die Betreuung von Kindergartenkindern stockt die Stadt um 61 Euro auf 305 Euro auf. Zugleich verändert die Stadt die Einkommensgrenzen, sodass Eltern, die mehr verdienen, auch höhere Beiträge zahlen müssen. Insgesamt wird das Tarifsystem so verändert, dass es nicht mehr aus neun, sondern aus sieben Beitragsstufen besteht. Erst für den August 2017 sind die Veränderungen geplant, doch schon jetzt ist der Plan umstritten.
Der Kita-Stadtelternrat hält das neue System für ungerecht. Das Gremium plädiert dafür, Kinderbetreuung umsonst anzubieten. Die Stadt Hannover aber will ihre Einnahmen aus den Elternbeiträgen um 1,4 Millionen Euro steigern. Der Beitragsanstieg ist letztlich ein Baustein im Spar- und Konsolidierungsprogramm des Kämmerers. Sozialdezernent Thomas Walter (CDU) argumentiert, dass sich auch die Qualität in der Betreuung verbessert habe. Im Jugendhilfeausschuss haben die Grünen noch Beratungsbedarf angemeldet, eine Entscheidung über den Systemwechsel steht also noch aus.

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