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Aus der Stadt Erfolgreiche Hauptschüler aus Hannover verlassen die Schule
Hannover Aus der Stadt Erfolgreiche Hauptschüler aus Hannover verlassen die Schule
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22:00 06.07.2011
Von Bärbel Hilbig
Meike Dirksen (links vorne) hat einen Ausbildungsplatz gefunden – wie viele ihrer Mitschüler in der Hauptschulklasse. Quelle: Rainer Surrey
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Hannover

Die 17-jährige Joana Fox ist in einer glücklichen Lage: Die Hauptschülerin hatte nach acht Bewerbungen gleich drei Zusagen für einen Ausbildungsplatz als medizinische Fachangestellte in der Tasche. Sie konnte sich die Praxis aussuchen und sprüht vor Energie. „Jetzt geht das Leben richtig los. Ich möchte Neues lernen und Geld verdienen.“

In Joanas Klasse haben 12 von 17 Schülern an der Hauptschule den Realschulabschluss geschafft. Und fast alle wissen, wie es am Ende des Sommers für sie weitergeht. Die Hauptschule als Sammelbecken der Hoffnungslosen? Auf die Schüler des Hauptschulzweigs der Peter-Petersen-Schule trifft das nicht zu. Auch Meike Dirksen hatte die Wahl: Sie hat zwei Lehrstellen in Hotels abgesagt und will bei der Bundeswehr als Arzthelferin anfangen. Die 17-Jährige hatte bereits im vergangenen September Bewerbungen verschickt und damit offenbar verblüfft. „Die Personalchefs hatten nicht damit gerechnet, dass ich erst für dieses Jahr einen Platz suchte.“

Erfolgsgeschichten gibt es etliche in der Klasse. Der 16-jährige Louis Otto wurde zu rund 20 Eignungstests eingeladen und fängt nun bei der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie und Energie an. Jennifer Faller beginnt – nach vier einschlägigen Praktika – an der Berufsschule eine Ausbildung zur Erzieherin. „Ich freue mich total, auch wenn es sicher schwierig wird mit den ganzen Fremdwörtern.“

Klassenlehrerin Christiane Fitzgerald schwört auf die viel gescholtene Hauptschule und liegt damit alles andere als im Trend. In Hannover wandelt die Stadt seit Jahren Hauptschulen in Gesamtschulen um oder legt sie mit Realschulen zusammen. Der Ruf war einfach ruiniert. Jetzt hat selbst die CDU in Land und Bund ein neues Modell: Die Oberschule für Hauptschüler und Realschüler soll es richten.

„Wir können die Schüler in kleinen Klassen mit klaren Regeln zum Erfolg bringen“, sagt dagegen Fitzgerald. Um eine Klasse kümmert sich an der Peter-Petersen-Schule in der Regel nur eine kleine Gruppe von Lehrern – damit alle an einem Strang ziehen. „Wenn bei den Schülern etwas schiefläuft, können wir sofort reagieren.“ Fitzgerald räumt ein, dass ihre Schule sich mit einem besonderen pädagogischen Konzept, das stark auf Gemeinsinn setzt, von anderen unterscheidet. In der kleinen Einrichtung gibt es außerdem auch Grundschul- und Realschulzweig. Dennoch glaubt die Lehrerin, dass die Hauptschule generell für manche Schüler Vorteile bietet. Drei Praktika sind vorgesehen und eine enge Begleitung bei Berufsorientierung und Bewerbungen. Das hat sich bei ihrer Klasse bewährt. „Sie wissen jetzt alle, was sie wollen und wie man sich bewirbt.“ Die gute Wirtschaftslage tut ein Übriges. „Es ist zum ersten Mal so, dass die Firmen die jungen Leute offensichtlich brauchen“, sagt die Lehrerin.

Besonders geholfen hat die intensive Betreuung sicher denen, die irgendwann „keinen Bock mehr“ auf Schule hatten. So wie Jeremias Schmidt, der optisch vielleicht am ehesten dem Klischee eines Hauptschülers entspricht mit muskelbepacktem Oberkörper und großflächigem Tattoo auf dem Unterarm. Er kam vom Gymnasium über die Realschule auf die Hauptschule. „Ich hatte angefangen, Mist zu machen, bin nicht zur Schule gegangen, hatte die falschen Vorbilder.“ Alkohol und Zigaretten sind für Jeremias inzwischen tabu. Er konzentriert sich auf Kickboxen, hat den erweiterten Realschulabschluss geschafft und nimmt jetzt Anlauf fürs Abitur. Auch Alexander Hergesell und Marcel Mende hat das letzte Jahr auf der Hauptschule weitergeholfen. Beide sackten in der Realschule ab. „Hätten wir uns damals so angestrengt wie jetzt, wären wir weiter“, sagt Marcel selbstkritisch. Die beiden Freunde haben nun aber mündliche Zusagen auf Lehrstellen für nächstes Jahr.

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