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Junge Unternehmer machen Wirtschaft bunter

Broschüre der Region Hannover Junge Unternehmer machen Wirtschaft bunter

Die Broschüre „Erfolgsgeschichten“ der Region Hannover stellt sechs junge Unternehmer vor. Das Besondere: Alle Porträtierten haben Migrationshintergrund. „Viele Zuwanderer tragen dazu bei, dass unsere Wirtschaftsstruktur jünger und bunter wird“, sagt Wirtschaftsdezernent Ulf-Birger Franz. 

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„Es war spannend, wie unterschiedlich die Strategien waren“: Autorin Sümeyra Demirci und Ulf-Birger Franz präsentieren die Broschüre „Erfolgsgeschichten“.

Quelle: Christian Behrens

Hannover. Mehr Gründungen in der Region Hannover, das wünscht sich Ulf-Birger Franz, Dezernent für Wirtschaft und Beschäftigung bei der Region. „Arbeitsplätze entstehen zu 60 Prozent aus Existenzgründungen“, sagte er am Montag bei der Vorstellung der Broschüre „Erfolgsgeschichten“, die die Region gemeinsam mit dem Verein „Integrative Existenzgründung“ herausgibt. Es werden die Werdegänge von sechs jungen Unternehmern skizziert. Das Besondere: Alle Porträtierten haben Migrationshintergrund. „Viele Zuwanderer tragen dazu bei, dass unsere Wirtschaftsstruktur jünger und bunter wird“, sagte Franz. Mit der Broschüre sollen Erfahrungen an andere Gründungswillige weitergegeben werden, aber auch Antworten darauf, wie man sich als Unternehmer etablieren kann und welche Risiken es zu beachten gibt.

Die jungen Männer und Frauen des Heftes stehen dabei stellvertretend für ein große Gruppe an Menschen mit Migrationshintergrund, die einen Großteil der Neugründungen bei Einzelunternehmen ausmachen. Allein im Jahr 2014 besaßen von mehr als 11.000 Neugründern in der Region Hannover 33 Prozent eine ausländische Staatsbürgerschaft. Dabei ist die Ausgangslage für diese Gründer nicht unbedingt einfach. „Hemmschwellen sind vor allem der sprachliche Aspekt und der kulturelle Unterschied“, sagte Christof Starke von Hannoverimpuls. Wichtig seien deshalb vor allem der Austausch unter den Gründern und eine fundierte Beratung vor der Verwirklichung der eigenen Idee.

Wie verschieden die Wege zum Ziel aussehen können, zeigen die sechs Beispiele im Heft. „Es war spannend zu sehen, wie unterschiedlich die Strategien waren“, sagte auch Sümeyra Demirci, die Autorin der Broschüre. Vom Dolmetscher über Grafikdesigner bis hin zum Fahrzeugsattler – alle Gründer hätten die Selbstständigkeit auf ihre ganz eigene Weise gemeistert.

Beispiel 1: Kochkurse für Hobbyköche

„Eigentlich wollte ich ein Bistro eröffnen“, sagt Saoussen Ben Ameur Villain. Die Idee dafür war der gebürtigen Tunesierin bereits in Frankreich gekommen, wo sie in Verfahrens- und Lebensmitteltechnik promovierte. 2012 lebte der Gedanke schließlich wieder auf, als die heute 33-Jährige durch ihren Mann, den sie bei einem Kongress in Frankreich kennengelernt hatte, nach Hannover kam. Doch dem Traum vom Kochen standen zunächst einige Hürden im Weg. Vor allem die hohen Kreditsummen, die sie für ein Bistro hätte aufbringen müssen, schreckten Villain ab. Also suchte sie nach einem alternativen Weg, ihr Hobby zum Beruf zu machen – und fand ihn schließlich in ihrer Kochschule Ma Petite Cuisine.

An der Davenstedter Straße gibt Villain seit 2014 Kochkurse für Hobbyköche und probiert mit ihnen internationale Gerichte aus. Der Weg dorthin war nicht ohne Schwierigkeiten. „Es war sehr schwer, die deutsche Sprache nicht zu beherrschen und mit einem Makler verhandeln zu müssen“, sagt die 33-Jährige. Sie sei zunächst nicht ernst genommen worden, ihr Mann habe sie ermuntert, nicht aufzugeben. Über einen Bekannten, der bereits mehrere Jahre selbstständig war, kam sie schließlich zu den Räumen, in denen sie nun kocht.

Drei Mitarbeiter hat die kleine Firma mittlerweile. In den kommenden Jahren will Villain ihr Geschäft noch weiter ausbauen und das Konzept in der Region stärker verbreiten. Und auch den Traum vom Bistro hat sie noch nicht ganz aufgegeben.

  

Fatih Ataseven (links) hat sein Studium abgebrochen und sich selbstständig gemacht. Saoussen Ben Ameur Villain  bietet mit „Ma Petite Cuisine“ Kochkurse an.

Fatih Ataseven (links) hat sein Studium abgebrochen und sich selbstständig gemacht. Saoussen Ben Ameur Villain bietet mit „Ma Petite Cuisine“ Kochkurse an.

Quelle: Christian Behrens

Beispiel 2: Life Coaching und Kampfkunst

Aus der Türkei wanderte die Familie von Fatih Ataseven nach Deutschland ein. „Schon mein Vater ist als Selbstständiger in der Kampfkunst relativ erfolgreich gewesen“, sagt der 29-Jährige, der bereits zur dritten Generation gehört, die in Deutschland lebt. Schon als Kind sei er oft mit dem Vater mitgegangen, sagt er. Dennoch schlug er zunächst einen anderen beruflichen Weg ein. Weil seine Familie wollte, dass er studiert, begann Ataseven ein Studium in Geowissenschaften. Bis zum fünften Semester hielt der junge Mann das durch, was er als das „geforderte Ich“ bezeichnet. Dann brach er die Ausbildung ab. „Ich wollte mich selbst verwirklichen“, sagt er.

Die Familie, vor allem der Vater, sei davon zwar zunächst wenig begeistert gewesen, dennoch ließ sich Ataseven nicht davon abbringen, 2012 schließlich sein eigenes Unternehmen zu gründen. „Flowting“ heißt das Konzept, in dem der Jungunternehmer Life Coaching, Fitness und Kampfkunst vereint. Mit individuellen Trainings und Zwischenzielen hilft der 29-Jährige seinen Schülern, persönliche oder berufliche Ziele zu erreichen.

Mit der Kombination seiner Coaching-Elemente stieß der Jungunternehmer in eine Nische vor. Mit dem innovativen Konzept hieß die größte Herausforderung Fuß fassen auf einem eher traditionell geprägten Markt. Das ist Ataseven gelungen, vier Mitarbeiter zählt das Unternehmen.

Und auch die Auseinandersetzungen mit dem Vater haben sich mittlerweile gelegt. „Insgeheim ist er ein bisschen stolz“, sagt Ataseven lachend.    

Von Sabine Gurol

Die Broschüre mit den sechs Erfolgsgeschichten zum Herunterladen

 

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