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Erinnerung an den Vater der Lister Meile

Zehnter Todestag Erinnerung an den Vater der Lister Meile

Der Verein zur Förderung der Baukunst regt zum zehnten Todestag von Stadtbaurat Hanns Adrian an, den Namen im Stadtbild zu verewigen. Ganze 18 Jahre lang war Hanns Adrian Stadtbaurat in Hannover, hat die Stadt nach der Wiederaufbauzeit entscheidend mitgeprägt.

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 Die Lister Meile beim Lister-Meilen-Fest 2013.

Quelle: Kleinschmidt

Hannover. Am Wochenende jährte sich sein Todestag zum zehnten Mal - doch während an Zeitgenossen wie Imagepfleger Mike Gehrke oder Stadtdirektor Martin Neuffer Brücken- und Straßennamen erinnern, gibt es zum Gedenken an Adrian kein sichtbares Zeugnis in der Stadt. Dabei war er es, der nach der oft als bombastisch und übertrieben empfundenen Bauphase von Nachkriegsstadtbaurat Rudolf Hillebrecht der Planung wieder ein menschliches, ein bürgernäheres Antlitz gab. „Hanns Adrian hat es verdient, dass ein Ort in Hannover an ihn erinnert“, sagt Prof. Wilhelm Meyer vom hannoverschen Verein zur Förderung der Baukunst

Adrians Name ist in der Öffentlichkeit meist mit dem Thema Ihme-Zentrum verbunden. Allerdings nicht etwa deshalb, weil er das Großbauwerk zu verantworten hätte - als er Stadtbaurat wurde, war es fast fertig gebaut und drohte gerade, zur Investitionsruine zu werden -, sondern weil er dort Jahrzehnte gewohnt hat. „Der beste Ort zum Wohnen in Hannover, wenn man das Ihme-Zentrum nicht sehen will, ist das Ihme-Zentrum“, hat Adrian immer wieder lächelnd gesagt - und dieser Satz ist bezeichnend für sein freundliches Wesen, mit dem er auch aus eher freudlosen Zuständen noch das Schöne zu destillieren vermochte.

Nicht nur beim Ihme-Zentrum: Adrian sorgte etwa auch dafür, dass aus der Großbaustelle vom U-Bahnbau, die das gesellschaftliche Leben in der List jahrelang bedrohte, die schmucke Lister Meile erwuchs, die bundesweit Vorbildcharakter beim Bau von Fußgängerzonen erlangte. Er wollte schon früh Blumen und Straßencafés in der Stadt und wurde dafür verlacht. Er kümmerte sich darum, dass die teilweise heruntergekommenen Gründerzeitquartiere in der Oststadt und Linden aufgewertet wurden. Und er brachte es zuwege, dass die hillebrechtsche Planung etwa am Königsworther Platz um mehrere Autospuren reduziert wurde. Stattdessen machte er sich schon früh dafür stark, dass auch der Radverkehr eigene Spuren erhielt. Von den Grünen war zu Adrians Anfangszeit Mitte der siebziger Jahre noch nichts zu ahnen.

„In den letzten Jahren von Hillebrecht war die Baupolitik etwas aus dem Ruder gelaufen“, erinnert sich der langjährige Stadtplaner Eppinger: „Die Kommunalpolitik wollte alles immer größer, das Ihme-Zentrum, das Kröpcke-Center - alle staunten über Investoren wie den Ihme-Zentrums-Macher Schätzle, der sich mit einem russischen Hubschrauber zu Terminen einfliegen ließ.“ Adrian sei es gewesen, der die Baupolitik wieder in normale Bahnen zurückgeführt habe.

1962 hatte der Architekt Adrian in Hannover angefangen, zunächst war er als Sonderplaner aktiv. In der Zeit verantwortete er zum Beispiel Neubaugebiete wie den Roderbruch. 1972 wechselte er als Stadtbaurat nach Frankfurt, wurde aber schon 1975 nach Hannover zurückgeholt als Nachfolger von Hillebrecht. Aus Frankfurt brachte er insbesondere die Ideen zur Bürgerbeteiligung mit und machte Hannover zum Vorbild, was die Rolle von Anwaltsplanern bei Stadtteilsanierungen betraf. „Vor allem hat er bei Planungen verschiedene Positionen und Bewertungen gegenübergestellt, damit die Bürger sich selbst ein Bild machen konnten“, sagt der ehemalige Stadtbahntunnelplaner Klaus Scheelhaase, der sich ebenfalls im Verein zur Förderung der Baukunst engagiert.

Nicht alles, was Adrian plante, war im Rückblick gelungen. Als junger Stadtmitarbeiter konzipierte er die Passerelle. Als die Fußgängerröhre unter Innenstadt und Bahnhof eröffnet wurde, war er seit einem Jahr Stadtbaurat - und kaum war er es nicht mehr, war sie ein Sanierungsfall.

Der schwer an Leukämie erkrankte Adrian starb 2003 im Alter von 72 Jahren. Er ist der einzige Architekt aus Hannover, der mit dem Großen BDA-Preis des Bundes Deutscher Architekten ausgezeichnet wurde - die Organisation würdigte damit 1999 sein Lebenswerk. Seine Frau Marianne, ebenfalls Architektin, war schon 1999 gestorben. An sie erinnert der Marianne-Adrian-Weg im Gilde-Carrée zu Füßen des Ihme-Zentrums, in dem sie sich zeitlebens streitbar für die Interessen de Bewohner stark gemacht hatte.

Der Verein will jetzt, zehn Jahre nach dem Tod des hannoverschen Stadtbaurats, einen eigenen Namen für Hanns Adrian auf dem hannoverschen Stadtplan anregen.

Kommentar

Ein Park für Adrian

Jedes Frühjahr gibt es in Hannover die vielleicht schönste Erinnerung an Hanns Adrian, die man sich wünschen kann. Zu seinem Abschied als Stadtbaurat hatte er sich keine Geschenke gewünscht, sondern Blumenzwiebeln. Tatsächlich kamen die honorigen Gäste mit kleinen Zwiebelsäckchen an. Die Pflanzenkeime setzte das Grünflächenamt später in die Grünstreifen an den Straßen – und weil bis heute kontinuierlich nachgepflanzt wird, erfreut jedes Jahr ein größeres Narzissenmeer die Stadt. Natürlich hätte ein Mann wie Hanns Adrian es verdient, dass auch nach ihm eine Straße benannt wird. Seine Bedeutung ging weit über Hannover hinaus, unter anderem war er Präsident der Akademie für Städtebau und leitete jahrelang den Bauausschuss des Deutschen Städtetags. Andererseits hat sich die rot-grüne Kommunalpolitik zum Ziel gesetzt, erst einmal vorrangig Frauennamen auf neue Straßenschilder zu drucken. Dieses Verdikt aber gilt nur für Straßen und Wege – und nicht für Grünanlagen. Adrian, der aus Trotz bis zum Tod im Ihme-Zentrum gelebt hat, schaute stets auf den kleinen Park am anderen Ihme-Ufer hinab, der kürzlich zum Zwecke des Hochwasserschutzes ausgebaggert und neu angelegt wurde. Ein „Adrian-Park“ zu Füßen des Ihme-Zentrums, das der Planer sich menschlicher gewünscht hätte – das wäre ein schöner Ort zum Gedenken an den Stadtgestalter. Denn an diesem Park mit seinen geometrischen Wegen inmitten des Grüns der Natur hätte Hanns Adrian seine Freude gehabt. Die Politik muss sich nur durchringen.Conrad von Meding

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