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Aus der Stadt Bier in der Bahn? Das gibt eine Ermahnung
Hannover Aus der Stadt Bier in der Bahn? Das gibt eine Ermahnung
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00:15 12.01.2017
Von Gunnar Menkens
Fredrick Sonnenberg (links) und James Dabrowski zeigen zwei Frauen, wie es richtig wäre: kein Alkohol in Bahnen und Stationen. Fotos: Dillenberg (2) Quelle: Uwe Dillenberg
Hannover

Es gibt viele Möglichkeiten, flüssigen Stoff zu verstecken. Eine Flasche in der Hand, am ausgestreckten Arm hinter den Rücken gedreht. Flachmänner, die in Mänteln verschwinden. Zu den Kumpels drehen, um das Lindener zu verdecken. Und es gibt die dreiste Art, sich um nichts zu kümmern und mit offenem Bier auf Frederick Sonnenberg und James Dabrowski zuzugehen, obwohl beide blaue Protec-Uniformen tragen, mit sichtbaren Handschellen und einem Hartgummiknüppel einem Polizeidress nicht unähnlich.

Seit Jahresbeginn gilt ein Alkohlverbot in Bussen und Bahnen der Üstra. Mit Kontrollgängen und Ermahnungen überwacht das Sicherheitspersonal die Einhaltung.

Ein Mann im Parka, wohl um die 30, entscheidet sich für die offensive Ist-mir-egal-wer-ihr-seid-Variante. Er lehnt neben der Stadtbahntür, die angetrunkene Bierflasche in der Hand, und wartet, dass der Zug hält. Sonnenberg, 34, in dieser Nacht auf Streife für den Üstra-Sicherheitsdienst, steht direkt neben ihm. Er hat eine Frage.

„Sie wissen über das Alkoholverbot in der Bahn Bescheid?“ Der Mann nuschelt etwas, nickt kurz und geht. Zwei Meter weiter nimmt er einen Schluck und schlendert ungerührt weiter, ist ihm egal, auf der Rolltreppe aufwärts sieht er noch mal rüber zum Sicherheitsdienst. Sonnenberg kennt das, dieses Gehabe, diese kleinen Provokationen. Kollege Dabrowski, der sich sowieso deutlichere Hinweise auf das Alkoholverbot in Bahnen und Stationen gewünscht hätte, sagt, manchmal komme es ihm vor wie ein Kampf gegen Windmühlen, jedenfalls bei denen, die auf Hinweise pfeifen. Sie wissen ja, es kann ihnen nichts passieren. Da nützen auch Flyer mit freundlichem Infomaterial nichts.

Protec kann die Fahrt verbieten

Seit einer Woche ist es in Bahnen, Bussen und Stationen der Üstra verboten, Bier, Wein, Schnaps und überhaupt jede Darreichungsform von Alkohol zu trinken. Wer es dennoch tut, dem können die Protec-Leute die weitere Fahrt untersagen und Fahrgäste aus Stationen bitten. Von langen Rolltreppen schaut das Duo auf Bahnsteige herunter. Ein paar Obdachlose sind eben gekommen, einer von ihnen hat eine offene Bierflasche neben sich. Ein kurzer Hinweis, dann ist die Sache erledigt. Dabrowski erzählt, dass Jugendliche manchmal von oben Wasser auf die Heimatlosen kippen. Dann sind die Schlafsäcke nass, bei Minusgraden, und die Opfer sind wütend und laut. Nicht bekannt ist, ob sie sich solche Burschen mal vorgeknöpft haben.

Sonnenberg und Dabrowski sind zwischen Kröpcke, Hauptbahnhof und Steintor unterwegs, sie nennen es „das Bermudadreieck“. Nicht, weil Leute verschwinden, sondern weil hier so viel los ist. Drogen am Steintor und Massenbetrieb in den zwei anderen Stationen. Sie gehen an zwei jungen Frauen vorbei. Eine trägt eine Wasserflasche, gut gefüllt mit einer dunklen Flüssigkeit. Kann ja alles sein, Cola zum Beispiel, bloß Wasser nicht, das ist klar. Auf Nachfrage stellt sich heraus: Wodka mit Kümmeltee. „Schmeckt geil“, sagt gut gelaunt eine der Frauen. Die beiden ziehen weiter in die Nacht. Dabrowski, selbst erst 28, sieht sich in seiner Einschätzung bestätigt: „Die Jugend von heute ist auch nicht auf den Kopf gefallen, die findet ihre Wege.“ Da kann dann auch die Sicherheit nichts machen. Die Männer von Protec dürfen keine Proben nehmen, nur weil sie vermuten, dass in einem Tetrapack härteres Zeug steckt als O-Saft.

Aber darum geht es auch nicht. Die Üstra will das Alkoholverbot ohne Bußgelddrohungen durchsetzen, und die allermeisten Kunden halten sich daran. Sie hofft auf Einsicht und Männer wie Frederick Sonnenberg und James Dabrowski, die Hinweisgeber im Bermudadreieck. Und darüber hinaus.

Gegen Mitternacht ist die Bahn Richtung Expo gut gefüllt mit jungen Menschen, für die meisten geht es Richtung Großraum-Disco. Vorne hat einer eine Wodkaflasche, aber die ist zu. Ansonsten: nichts. Es sind ruhige Stunden. Eine Frau im Pelz mit einer halb vollen Flasche Wein, zwei Männer mit Bieren geraten noch ins Blickfeld. Die Frau dachte, das Verbot gilt nur in Bahnen, jedenfalls sagt sie das. Die Männer erklären nichts, machen aber keinen Ärger. Hannover, die Üstra und kein Alkohol, dieses Dreieck kann zusammenfinden.

Das sind die Regeln des Alkoholverbots

Die große Mehrheit der Üstra-Fahrgäste wünscht sich öffentlichen Nahverkehr ohne Alkohol. Deshalb ist es seit dem 1. Januar in Bahnen, Bussen und den Stationen untersagt, Alkohol zu trinken. Wer mit offenen Flaschen oder sonstigen Behältern vom Sicherheitsdienst angetroffen wird, kann aus Fahrzeugen und Stationen verwiesen werden. Das trifft Menschen, die nur ein Feierabend-Bier trinken wollen ebenso wie betrunkene Randalierer. Der Üstra geht es um das Erscheinungsbild und das Gefühl von Sicherheit für ihre Kunden.
Erlaubt ist es weiterhin, Flaschen oder Dosen mit alkoholischen Getränken in Bussen und Bahnen mitzunehmen – aber nur, wenn sie nicht geöffnet sind. Nicht untersagt bleibt es zudem, die Üstra zu benutzen, wenn man andernorts Alkohol getrunken hat.

Seit mehr als 20 Jahren gilt zudem ein Rauchverbot.

gum

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