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Erneuter Ärger um Leichenschau „Echte Körper“

Umstrittene Ausstellung Erneuter Ärger um Leichenschau „Echte Körper“

Zum zweiten Mal gastiert die umstrittene Ausstellung „Echte Körper - von den Toten lernen“ in Hannover - und wieder droht den Veranstaltern Ärger mit den Behörden. Etwa 200 konservierte menschliche Leichenteile sollen ab dem 9. Oktober in der Ausstellungshalle an der Schulenburger Landstraße zu sehen sein - von der Raucherlunge bis zum Fötus.

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„Echte Körper“ mit zweifelhafter Herkunft? Ausstellungsplakat in Hannover.

Hannover. Im Jahr 2009 war die Gesundheitsbehörde der Region Hannover dagegen vorgegangen und hatte den Veranstaltern die Genehmigung verweigert. Der Grund: Die Ausstellung einiger Körper verstieß gegen das niedersächsische Bestattungsgesetz, weil die Einwilligung ihrer Spender nicht eindeutig war. Dieses Szenario könnte sich nun wiederholen. Damals fand die Ausstellung verspätet statt, dabei blieben einige Exponate auf Anweisung der Region verhüllt.

„Bislang liegt der Region Hannover noch kein Antrag auf eine Ausnahmegenehmigung vom Bestattungsgesetz vor“, sagte Behördensprecherin Carmen Pförtner. Diese sei nötig, damit die Exponate rechtmäßig ausgestellt werden dürfen, denn das Gesetz verbietet das Zurschaustellen von Leichenteilen. Die Region werde den Vorgang daher prüfen.

Ob man allerdings bis zum Ausstellungsbeginn am Freitag zu einem Ergebnis komme, sei nicht sicher, so Pförtner. So lange habe der Veranstalter, die Firma Medicare Exhibition Ltd. mit Sitz in England, keine offizielle Genehmigung und die Region behalte sich vor, gegen den Ausstellungsbeginn vorzugehen.

 

Medicare Exhibition sieht den Sachverhalt allerdings ganz anders: „Seit 2009 haben wir Rechtssicherheit“, sagt Sprecher Thomas Müller auf Anfrage der HAZ. Alle Exponate dürften deshalb ohne einen erneuten Antrag ausgestellt werden. Denn in einem Vergleich vor dem Verwaltungsgericht Hannover habe man sich mit der Region auf eine Ausnahmegenehmigung für drei von sieben umstrittenen Leichenteilen geeinigt. Diese gelte immer noch, argumentiert Müller. Er bezeichnet das Verhalten der Behörde beim ersten Ausstellungsstopp als „unverhältnismäßig“. Man müsse akzeptieren, dass nicht jeder Mensch in der Erde vergraben werden wolle.

Die Ausstellung „Echte Körper - von den Toten lernen“ tourt durch Deutschland und zeigt plastinierte menschliche Körperteile und Organe mit dem Ziel, „anatomisches Wissen an den Besucher zu vermitteln“, so der Veranstalter. Kirchenvertreter und Politiker aus Hannover hatten die Schau mit großer Skepsis gesehen, denn neben einer zweifelhaften Ästhetik ist nicht eindeutig nachvollziehbar, woher die Plastinate stammen. Medicare Exhibition gibt an, die Exponate seien eine Leihgabe von Corcoran Laboratories, einem Labor in den USA. Diesem hätten die Spender ihre Körper freiwillig für wissenschaftliche Zwecke zur Verfügung gestellt. Dafür lägen Einverständniserklärungen vor.

2009 hatte die Gesundheitsbehörde die Eindeutigkeit von sieben dieser Erklärungen angezweifelt und einen Verstoß gegen das Bestattungsgesetz vermutet. Die umstrittenen Körper waren bis zu einer Einigung verhüllt und versiegelt worden.

Von Linda Tonn

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