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Aus der Stadt Er swingt, er groovt, er tanzt
Hannover Aus der Stadt Er swingt, er groovt, er tanzt
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00:27 21.09.2015
Von Ronald Meyer-Arlt
Über 1000 geladene Gäste kamen am Freitagabend zur Eröffnung. Quelle: Jan Philipp Eberstein
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Hannover

Nun steht es da: das Haus am See. Es ist 70 Meter lang und schwarz. Manchmal auch grau. Manchmal glänzt es. Die Leute nennen es „Brikett“, was der Hausherr, Museumsdirektor Reinhard Spieler, gar nicht weiter schlimm findet. Er macht sogar Werbung mit dem Begriff. Der Erweiterungsbau des Sprengel-Museums ist jetzt für die Öffentlichkeit geöffnet. Das Haus gehört der Stadt. Am Wochenende sind alle eingeladen, die Räume in Augenschein zu nehmen. Der Eintritt ist frei. Zu sehen sind vor allem Räume. Und was für welche.

Freitagmorgen wurde die erste Ausstellung in den neuen Räumen der Öffentlichkeit präsentiert: Objekte, Skulpturen und Installationen, mit denen die Räume bespielt werden, bis sie so weit durchgetrocknet sind, dass auch empfindliche Werke auf Leinwand und Papier an den Wänden hängen können. Und Freitagabend gab es einen großen Empfang für Freunde, Förderer, Politiker und sonstige Prominenz.

Hannover ist merklich stolz auf sein Sprengel-Museum, das jetzt zehn zusätzliche Ausstellungsräume hat. Und drei Loggien, die wunderbare Ausblicke auf den Maschsee bieten. Und einen großen Saal mit einer schön geschwungenen Rampe, die ein wenig an das Guggenheim Museum erinnert. Es ist zwar eher ein Guggenheimchen geworden, ein Spirälchen, das sich im Inneren eines weißen Kastens windet, aber irgendwie passt das auch. Es ist hannöversch - gediegen, nicht übertrieben.

Nichts ist hier protzig. Alles soll der Kunst dienen. Die kann sich hier im besten Licht zeigen: dem Sonnenlicht. Das Dach ist verglast, eine technisch ziemlich ausgefeilte Lamellenkonstruktion (von der man im Inneren nichts sieht) sorgt dafür, dass genauso viel Tageslicht in die Räume fällt, wie gewünscht. Bei Bedarf kann auch Kunstlicht zugemischt werden.

Der Anbau des Sprengel-Museums wurde am Freitag mit einem großen Fest eröffnet. Am Eröffnungswochenende haben Kunstbegeisterte freien Eintritt in den Erweiterungsbau.

Es liegt auch am Licht, dass sich der Besucher im Sprengel-Neubau so wohlfühlt. Es ist angenehm, durch die Räume zu schlendern. Schlendern, ja, denn irgendwie wirkt der Bau entschleunigend. Die Schweizer Architekten Marcel Meili und Markus Peter haben die Räume leicht gegeneinander versetzt angeordnet. „Tanzende Räume“ nennen sie das. Nun werden die Besucher zwar nicht durch die Ausstellungen tanzen, aber sie könnten sich allein schon durch die Räume leicht beschwingt fühlen. Das ganze Haus swingt und groovt - aber in Maßen, wie sich das für eine norddeutsche Stadt gehört.

Das Festprogramm

Alles zur großen Kunstparty am Wochenende

Der erhebliche Wohlfühlfaktor hängt auch damit zusammen, dass hier im Inneren nirgendwo geklotzt wird. Markant ist das Museum von außen, von innen ist es charmant. Alles folgt hier dem menschlichen Maß, die Raumhöhen wechseln (4,80 bis 5,70 Meter) und die Durchgänge sind so angeordnet, dass man nie allzu lange geradeaus gehen kann. Die Architektur evoziert keine Ehrfurcht vor der Kunst, sie baut keine Sockel, keine Podeste, sie dient nicht der Überhöhung, und sie dominiert auch nicht. Sie lässt der Kunst den Vortritt. Und den Besuchern.

Aber werden die auch kommen? Der Calder-Saal mit dem Guggenheim-Spirälchen ist das Scharnier zum Altbau. An drei Stellen ist das alte Sprengel-Museum mit dem Neubau verknüpft. Die Museumsstraße endet jetzt nicht mehr vor einer Wand, sondern führt weiter, auch die Wechselausstellungshalle und die obere Sammlung sind jetzt Durchgangsräume. Sie führen in die neuen Räume - und die alten werden womöglich unter der Konkurrenz leiden. Denn der alte Teil des Sprengel Museum mit seinem rohen Beton und seinem Kunstlicht wirkt jetzt durchaus etwas in die Jahre gekommen.

Der dritte Anbau des Sprengel-Museums ist eröffnet. In dem schwarzen Koloss am Maschsee wird demnächst moderne Kunst in wechselnden Ausstellungen zu sehen sein. Unsere Galerie unternimmt eine Zeitreise von den Anfängen des Sprengel-Museums bis heute.

Aber das soll sich ändern. Jedenfalls ein bisschen. Wenn die Eröffnungsausstellung „Zehn Räume, drei Loggien und ein Saal“ im Januar endet, wird der alte Teil des Sprengel-Museums geschlossen. Geöffnet bleibt allein der Erweiterungsbau, in dem vom 30. Januar an eine Ausstellung von Pierre Huyghe, dem diesjährigen Kurt-Schwitters-Preisträger, zu sehen sein wird.

Bis Ende Mai soll der alte Teil des Museums geschlossen bleiben. In dieser Zeit soll das ganze Museum umgekrempelt werden. Und danach wird es eine große Ausstellung im gesamten Sprengel-Museum geben: „130 Prozent Sprengel“. Der Titel spielt darauf an, dass durch den Anbau etwa ein Drittel zusätzliche Ausstellungsfläche gewonnen wurde. Dann wird es Kunst auf mehr als 7000 Quadratmetern geben. Und auch das dürfte wieder ein Fest sein.

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