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„Angst entsteht durch Nichtwissen“

Eröffnung des Spamfilter-Festivals „Angst entsteht durch Nichtwissen“

Eine Woche Netzkultur: Am Montagabend wurde das Spamfilter-Festival im Pavillon eröffnet. Mit dabei bei der Auftaktveranstaltung: Netzpolitik.org-Journalist Markus Beckedahl, die Referentin im NSA-Untersuchungsausschuss, Anne Roth, und Elke Schick vom Maker-Magazin. Die Themen waren entsprechend ernst.

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Beschäftigen sich mit den ernsten Themen des Netzes: Markus Beckedahl, Anne Roth und Elke Schick. 

Quelle: Rainer Surrey

Hannover. Seltsam spacige Geräusche stößt der kleine Roboter im Entree des Kulturzentrums Pavillon aus. Ständig gehen hier Informationen ein, werden verarbeitet und ausgedruckt. Es ist das Spamlabor: Ein Woche lang kann jeder seinen persönlichen Spam (Computerfachwort für Informationsflut) an die Adresse 
s.lab2015@aol.com schicken. Er wird ausgedruckt und in Dosen verpackt und verteilt – eine Aktion des Künstlerduos Ranja und Daniel Ho.

Weit weniger verspielt ging es am Montagabend bei der Auftaktdiskussion zur Woche der Netzkultur im Großen Saal des Kulturzentrums zu. Das Thema ist ja auch ernst: Beim Internet beschäftige sich „die Gesellschaft mit Dingen, von denen sie eigentlich gar nicht wirklich weiß, wie sie funktionieren“, wie Moderator Jürgen Kuri von Heise-Online zum Auftakt formulierte. Markus Beckedahl von der Rechercheplattform Netzpolitik.org, die über den Landesverrat-Skandal bekannt geworden ist, warnte davor, das Interesse des Staates an Überwachung zu unterschätzen. „Die Überwachung in der DDR hat man gespürt. Die Überwachung heute ist unsichtbar“, sagte er. Zugleich warb er für einen entspannten, aber emanzipatorischen Umgang mit dem Internet. „Angst entsteht häufig auf der Basis von Nichtwissen“, sagte Beckedahl. Das Erstarken von libertären Bewegungen wie Freifunk oder Streetmap-Communities mache Hoffnung auf eine sinnvolle Nutzung des Internets.

Das Spamfilter Festival im Pavillon Hannover ist gestartet.

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Die Berliner Bloggerin Anne Roth, die als Referentin im NSA-Untersuchungsausschuss des Bundestags sitzt, gab sich weniger optimistisch. „Alle Geheimdienste freuen sich, das zu speichern, was dich gerade interessiert.“ Auch sie sehe zwar, dass das Internet einerseits zur Überwachung der Bürger genutzt werde, andererseits auch das Mittel zur Aufklärung über die Überwachung sei. Sie habe durch ihre Arbeit im Ausschuss allerdings „die Zuversicht verloren, dass das partizipatorische Element überwiegen wird“. Elke Schick vom Maker-Magazin, einer Art Tüftler-Plattform, erinnerte hingegen daran, dass derartiger Pessimismus schon immer mit Umbrüchen verbunden gewesen sei: Von Edison bis zur Einführung des Bahnverkehrs habe es Warnungen vor den Auswirkungen der Technik gegeben, „das ist jetzt zur digitalen Revolution nicht anders“.

Auf die Publikumsfragen, was denn nun mit der gesammelten Kritik anzufangen sei, hatte naturgemäß niemand eine Antwort. „Wenn ich wüsste, wie wir Hunderttausende auf die Straße bringen können, hätte ich das längst getan“, sagte Roth. Verschlüsselung von Daten müsse selbstverständlich werden, der Internetnutzer sich kritischer mit der Technik beschäftigen. Auch Beckedahl forderte: „So, wie früher die Aufklärung den Menschen Freiräume erkämpft hat, müssen wir auch heute Freiräume im Netz erkämpfen.“

Dazu gibt es in den nächsten Tagen reichlich Gelegenheit. Markus Munzlinger und das Team des Pavillons haben mehr als ein Dutzend Veranstaltungen für die Woche der Netzkultur organisiert – vom heutigen Gaming-Tag, bei dem Pac-Man auf die Lister Meile gebracht wird, über Lesungen mit Ninia La Grande bis zur Diskussion mit dem Berliner Zentrum für politische Schönheit. Die meisten Veranstaltungen sind kostenlos.

Spamfilter: Das Programm

Das Programm:  Am Dienstag geht es um Computerspiele – dabei sollen Games Wirklichkeit werden. Unter anderem werden auf der Lister Meile bekannte Computerspiele wie „Pac-Man“ nachgestellt. Start ist zunächst um 16 Uhr im Pavillon. Eine Anmeldung unter info@pavillon-hannover.de ist dringend erbeten. Am Mittwochabend beginnt um 18.45 Uhr das SpielSpiel der Initiative Creative Gaming. Es simuliert in einem Planspiel die Computerspielindustrie, am Ende könnte eine neue Idee für ein Game stehen.

Ebenfalls am Mittwochabend ab 19 Uhr erzählt Ninia LaGrande, Poetryslammerin und Twitter-Tatort-Königin aus Hannover, Geschichten aus dem Netz und dem Leben, Titel: "Und ganz, ganz viele Doofe". Für diese Veranstaltung müssen Karten ab 6,50 Euro erworben werden. Ninia LaGrande ist am Sonntag ab 14 Uhr zur Veranstaltung "Blogger*innen dieser Stadt, vernetzt Euch" erneut zu Gast - die ist kostenfrei und ohne Anmeldung.

Für Donnerstagabend laden die Beat-Poeten zu einer Szenischen Lesung "der Weltnetz-Werke von Pegida & Co", Start ist um 21 Uhr.

Am Freitag werden Freifunk-Verstärkerantennen am Pavillon montiert (17.30 Uhr), bevor ab 18.30 Uhr die Diskussion "Freies Netz für freie Bürger?" startet. Abends um 20 Uhr beginnt das Netztalk-Kino, natürlich mit dem Film Citizenfour (20 Uhr).

Das "Zentrum für politische Schönheit" stellt am Samstag ab 18.30 Uhr seine Ideen und Aktionen für Moral, politische Poesie und menschliche Großgesinntheit vor.

Und am Sonntag ab 16 Uhr heißt es "Grillt einen c´t-Redakteur": Leser des Computermagazins aus dem hannoverschen Heise-Verlag (beide sind Mitveranstalter) dürfen in einem echt-analogen Forum Fragen stellen, Kritik äußern und Anregungen geben.

Weitere Infos über das Festival gibt es unter www.pavillon-hannover.de.

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