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Haftstrafen für Erpresser homosexueller Männer

Amtsgericht Hannover Haftstrafen für Erpresser homosexueller Männer

Mit einer besonders perfiden Masche haben in den vergangenen Jahren Räuber Männer erpresst, die sich nicht öffentlich zu ihrer Homosexualität bekannt haben. Gleich zwei Fälle wurden in diesen Tagen vor dem Amtsgericht Hannover verhandelt. Zwei Täter wurden zu Haftstrafen, einer zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

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Setzten ihr Opfer psychisch unter Druck: Die beiden Angeklagten mit ihrem Anwalt vor Gericht.

Quelle: Tim Schaarschmidt

Hannover. Am Mittwoch mussten sich Roberto I. und Senaton Z. vor Jugendrichter Jens Buck erklären. Sie hatten zwischen dem 20. Januar und 18. Februar dieses Jahres Heiko W. erpresst und um insgesamt 33.700 Euro gebracht. Der aus Brandenburg stammende W. war Ende Januar in Hannover gewesen und hatte auf einer Escortwebseite für schwule Männer Kontakt zu Roberto I. aufgenommen. Doch statt intimer Zweisamkeit erwarteten W. zwei Männer, die ihn massiv unter Druck setzten.

Weil sie homosexuelle Männer erpressten, müssen sich zwei Räuber in Hannover vor Gericht verantworten.

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Sie würden seiner Familie von seiner Homosexualität erzählen, sollte er nicht zahlen, hatten sie gedroht. Und um den Druck zu verstärken, wollten sie behaupten, er verkehre mit kleinen Jungen. „Ich war psychisch am Ende, hatte Selbstmordgedanken“, gestand W.. Erst als er sich wegen eines Zusammenbruchs selbst in die Psychiatrie hatte einweisen lassen, war alles ans Licht gekommen.

Es ist nicht das erste Mal, dass der heute 21-jährige Roberto I. und der 28-jährige Senaton Z. einen homosexuellen Mann auf diese Weise erpresst haben. 2014 bestahlen sie einen Mann in Langenhagen und zwangen ihn, mehrere Tausend Euro von Bankkonten abzuheben. Nur ein paar Wochen später suchte Roberto I. sich ein weiteres Opfer. Während Senaton Z. vor Gericht weinte und um Verzeihung bat, zeigte Roberto I. kaum Regung. Er bekam schließlich eine Haftstrafe von drei Jahren ohne Bewährung, Senaton Z. muss zwei Jahre und zwei Monate hinter Gitter.

Auch ein 54-jähriger Hannoveraner hat über mehrere Jahre viel, viel Geld an einen Erpresser gezahlt: einen 29-Jährigen, der gedroht hatte, ihn wegen seiner homosexuellen Neigungen bei Eltern, Nachbarn und Arbeitgeber anzuschwärzen. Der kaufmännische Angestellte sagte, es seien rund 330.000 Euro gewesen, die der junge Mann aus dem Strichermilieu seit 2012 von ihm bekommen habe. Angeklagt wurde Ismet A. schließlich wegen 24 Zahlungen von insgesamt 114.000 Euro, die zwischen Oktober 2013 und Oktober 2015 flossen und für die Überweisungsbelege existierten. Das Amtsgericht Hannover verurteilte A. zu einer Bewährungsstrafe von 21 Monaten. Kennengelernt hatte der schmächtige Angestellte Ismet A. 2010 über ein SMS-Chat-Portal für Homosexuelle. Zunächst war der Verkehr einvernehmlich. 2012 habe die Erpressung begonnen. Im Oktober 2013 hatte der Angeklagte den Geschlechtsverkehr heimlich gefilmt. Wollte der 54-Jährige die Überweisungen einstellen, hatte der Erpresser unter falschem Namen bei Verwandten oder Arbeitskollegen angerufen und sich nach dem älteren Mann erkundigt. „Das Ganze war psychischer Terror“, erklärte der 54-Jährige dem Schöffengericht unter Vorsitz von Maria Kleimann. „Nun sind ein Haus und zwei Erbschaften ebenso weg wie meine Altersvorsorge“, sagte der Mann, der sich derzeit in psychiatrischer Behandlung befindet.

Von Michael Zgoll und Isabel Christian

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