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Erste Schulen in Hannover geben Hitzefrei

Zu heiß zum Lernen Erste Schulen in Hannover geben Hitzefrei

Nach drei Tagen Dauerhitze ziehen die ersten Schulen in Hannover die Konsequenzen und geben am Donnerstag Hitzefrei. Es werden Temperaturen von bis zu 32 Grad erwartet. Hitzefrei ist zulässig, wenn "der Unterricht durch hohe Temperaturen erheblich beeinträchtigt ist".

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Ab in die Sonne: An der IGS Kronsberg sind die Klassenräume noch kühl genug zum Lernen. Andere Schulen geben heute schon Hitzefrei.

Quelle: Philipp von Ditfurth

Hannover. Ab 12 Uhr können die Grundschüler der Johanna-Friesen-Schule in der List nach Hause gehen, wenn ihre Eltern dies vorher schriftlich erlaubt haben. Die anderen Kinder werden bis 13 Uhr in der Schule betreut. Da alle Klassenräume nach Süden ausgerichtet seien, gebe es keine Alternative. Auch die IGS Roderbruch gibt Schülern von der 1. bis zur 10. Klasse heute ab 13.30 Uhr frei, „wenn die Temperaturen ein erträgliches Maß überschreiten“, wie Schulleiterin Brigitte Naber sagt. Erwartet werden am Donnerstag Werte bis 32 Grad (gefühlt 35 Grad). Die Grundschulkinder, die dann nicht nach Hause gehen können, weil ihre Eltern noch arbeiten, würden im kühlsten Raum des Gebäudes betreut.

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Es gilt die Schulpflicht

Eltern können ihre Kinder nicht einfach zu Hause lassen, wenn sie meinen, dass es zu heiß zum Lernen sei, denn es gilt die Schulpflicht. Schulleiter dürfen für Kinder des Primarbereichs (Klasse 1 bis 4) und der Sekundarstufe I (Klasse 5 bis 10) Hitzefrei geben, „wenn der Unterricht durch hohe Temperaturen in den Schulräumen erheblich beeinträchtigt ist und andere Formen der Unterrichtsgestaltung nicht sinnvoll erscheinen“. Wann es zu heiß zum Lernen sei, könne je nach Raumklima unterschiedlich sein, sagte eine Ministeriumssprecherin. In der Tellkampfschule und in der IGS Kronsberg etwa wird vorerst weitergelernt. „Wir sind gut isoliert“, hieß es aus dem Südstädter Gymnasium. Und in der IGS Kronsberg sei es nur in den Büroräumen richtig heiß, sagte Schulleiterin Kathleen Fleer. In der IGS Badenstedt proben viele Schüler derzeit gerade für eine große Musicalaufführung. Rektor Thomas Bürkner sagt: „Ich kann nicht einigen Kindern Hitzefrei geben und anderen nicht, weil sie fürs Musical proben müssen, das wäre unfair.“

Kein Hitzefrei für Oberstufenschüler

An den Grundschulen dürfen Kinder nur mit der vorherigen Zustimmung der Eltern nach Hause geschickt werden, denn in Niedersachsen gilt eigentlich die verlässliche Grundschule, die eine Betreuung bis mindestens 13 Uhr garantiert. Oberstufenschüler bekommen auch bei 30 Grad und mehr kein Hitzefrei. Sie hätten wegen ihres Alters eine höhere Belastbarkeit, sagte eine Ministeriumssprecherin. Sie könnten auch stärker eigenständig darauf achten, ob sie wegen der Hitze mehr trinken müssen, oder besser einschätzen, wie lange sie sich in der Sonne aufhalten sollten. Generell gebe es ja auch noch andere Möglichkeiten, den Schulaufenthalt an heißen Sommertagen angenehmer zu gestalten. So könnte eine Unterrichtsstunde auch im schattigen Hof, kühleren Keller oder in einem nahe gelegenen Waldstück stattfinden. Prüfungen oder Sport sollten Lehrer lieber ausfallen lassen. Aber gut eine Woche vor den Zeugniskonferenzen sind die meisten Arbeiten ohnehin geschrieben.

Nachgefragt bei: Jens Siegel, Oberarzt im Kinderkrankenhaus Auf der Bult

Herr Siegel, ist es sinnvoll, Kindern bei großer Hitze schulfrei zu geben?
Ich denke, das ist in manchen Fällen durchaus vertretbar. Viel wichtiger ist aber, wie Schüler und Lehrer mit der Wärme umgehen. Es gibt ganz einfache Möglichkeiten, den Unterricht für alle Beteiligten auch bei hohen Temperaturen angenehmer zu gestalten.
Was empfehlen Sie Lehrern?
Wenn die Schule nicht an einer lauten Straße ist, einfach die ganze Zeit die Fenster auflassen. So kommt ordentlich Luft in das Klassenzimmer. Zudem sollten sie ihre Schüler animieren, viel zu trinken. Das machen Kinder zwar meist automatisch, weil sie Durst bekommen. In manchen Fällen stellt sich dieses Gefühl aber zu spät ein und sie haben fast schon einen Hitzschlag. Eine gute Idee ist es, den Unterricht einfach an einem schattigen Plätzchen im Freien abzuhalten, was die Kinder oft selbst vorschlagen.
Wieso ist das so wichtig?
Ein entscheidender Faktor bei Hitze ist, ob die Kinder in einem geschlossenen Raum sind. 29 Grad bei leichtem Wind sind viel angenehmer als 29 Grad, wenn kein Luftzug geht. Die Luft hilft, dass der Schweiß auf der Haut verdunstet und so die körpereigene Kühlung funktioniert. Sind allerdings die Fenster zu und die Luft steht, müssen die Körper der Kinder viel mehr Energie aufbringen, um eine erträgliche Temperatur zu halten. Dazu kommt, dass bei 30 Schülern in einem Klassenzimmer ein Großteil des Sauerstoffs nach etwa 15 Minuten verbraucht ist. Den braucht aber das Gehirn, um zu funktionieren. Zudem werden die Kinder durch das von ihnen selbst ausgeatmete Kohlenstoffdioxid immer müder. Ein sinnvoller Unterricht, bei dem die Kinder aufnahmefähig sind und etwas lernen, ist da kaum noch möglich.
Interview: Jörn Kießler

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