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Erzbischof Theodosius Attalah Hanna zu Gast in Hannover

Der Brückenbauer Erzbischof Theodosius Attalah Hanna zu Gast in Hannover

Der griechisch-orthodoxe Erzbischof von Jerusalem ist schon oft zur Zielscheibe von Anfeindungen geworden. Dennoch bemüht sich Theodosius Attalah Hanna um eine bessere Verständigung zwischen den Religionen.

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Jerusalems Erzbischof Theodosius Hanna in der Jüdischen Gemeinde.

Quelle: Philipp von Ditfurth

Hannover. Mir ist ganz wichtig“, sagt Theodosius Attalah Hanna, „dass ich viele Rabbiner und Imame als Freunde habe.“ Eine Selbstverständlichkeit für einen Mann Gottes in Jerusalem? Ausgerechnet in der Heiligen Stadt dreier Weltreligionen sind religiöse Brückenschläge schwierig. Davon weiß Hanna traurige Geschichten zu erzählen. „Auf dem Weg zur Trauerfeier für den verstorbenen Rabbi Mosche Hirsch wurde ich von ultraorthodoxen Juden beschimpft und bespuckt, Kinder warfen Steine nach mir, Erwachsene schubsten mich.“

Der Mann mit dem schwarzgrauen Bart ist durch seine Kleidung und das Kreuz eben schon aus der Ferne als christlicher Geistlicher zu erkennen - auch von Leuten, die nicht wissen, dass der 47-Jährige der griechisch-orthodoxe Erzbischof von Jerusalem ist. Ausschreitungen gegen Christen und auch gegen Muslime häufen sich nach seinen Worten im Heiligen Land. Tatsächlich prangten die Worte „Jesus ist ein Affe“ im Herbst auf Hebräisch am Trappistenkloster Latrun bei Jerusalem. „Jesus, Hurensohn“ und „Christen raus“ lauteten Schmierereien auf Wänden des Franziskaner-Kreuzklosters in Westjerusalem. Christliche und islamische Friedhöfe seien mehrfach geschändet worden, sagt der Erzbischof und fügt hinzu: „Besonders christlich-palästinensische Würdenträger werden zu Zielscheiben.“

Dass er sich als Brückenbauer zwischen den Religionen versteht, haben Besucher aus Hannover erlebt, die gleichfalls auf Dialog setzen: Michael Fürst und Yazid Shammout, der Vorsitzende des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden Niedersachsen und der Vorsitzende der Palästinensischen Gemeinde Hannover, sind vor Jerusalems Grabeskirche, der legendären Begräbnisstätte von Jesus Christus, erstmals mit Theodosius Attalah Hanna zusammengetroffen. Fürst und Shammout verbindet seit einigen Jahren eine persönliche Freundschaft - was auch Hanna als so bedeutsam empfand, dass er jetzt den Besuch erwidert hat.

Michael Fürst, der von sich sagt, dass er früher einem Palästinenser „nicht einmal die Hand gereicht“ hätte, pflegt jetzt freundschaftliche Beziehungen gleich zu zweien: zu dem Muslim Shammout und zu dem Christen Hanna. Der am Priesterseminar von Thessaloniki ausgebildete Hanna ist der erste Palästinenser in diesem Amt, zuvor haben stets griechische Geistliche das Patriarchat von Jerusalem geführt, das für griechisch-orthodoxe Christen in Israel und Palästina, Jordanien und Katar, auf dem Sinai und sogar in einigen Gemeinden in den USA zuständig ist. „Ein sympathischer Gesprächspartner, einer, mit dem man auch Grundlagen für einen neuen Konsens schaffen kann“, sagt Fürst, der den Erzbischof in Hannover mit Landesrabbiner Jonah Sievers zusammengebracht hat. „Die Ökumene ist schließlich eine Sache der Theologen - und die werden bestimmt auch über den nächsten Besuch unseres Rabbiners in Jerusalem hinaus Kontakt halten.“ Aber funktioniert diese ganz große Ökumene auch, wenn es um den Nahostkonflikt geht?

„Wir reden nicht über Politik“, sagt Hanna. „Was uns im Heiligen Land Probleme bereitet, ist kein jüdisch-christlich-muslimischer Konflikt, es ist ein Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern.“ Vor allem die vom israelischen Staat gesteuerte Siedlungspolitik erschwere das Zusammenleben. Christliche Kritik daran sieht Hanna als Ursache für eine wachsende Aggression jüdischer Extremisten. „Wir Christen sind für die israelische Siedlungspolitik gefährlicher als Muslime, denn wir finden im Westen eher Gehör als Muslime.“ Besonders empfindlich habe die israelische Regierung auf „Kairospalestine“ reagiert, einen Appell von anderthalb Dutzend christlich-arabischen Kirchenführern gegen die Besatzung, der auch bei Christen in den USA und in Europa ein positives Echo fand.

Schließlich sei gewaltsame Landnahme so wenig aus der jüdischen Tradition zu rechtfertigen wie Gewalt von muslimischer Seite aus dem Islam. Besonders in Zeiten der Eskalation sei es wichtig, in Erinnerung zu behalten, dass es gerade in Jerusalem über viele Jahrhunderte hinweg eine Kultur des Miteinanders gegeben hat. „Innerhalb der Altstadtmauern Jerusalems herrscht noch immer der Glaube an ein friedliches Zusammenleben von Juden, Christen und Muslimen“, sagt Hanna. Und das sei kein Verrat an der eigenen Religion, sondern deren Konsequenz - schließlich beteten Juden, Christen und Muslime zum selben Gott. „Schauen Sie sich nur die Grabeskirche an“, sagt er. Die sei nicht nur Sitz des orthodoxen Patriarchats, in ihr seien sechs christliche Konfessionen präsent. „Und den Kirchenschlüssel bewahrt seit Jahrhunderten die muslimische Familie Nusseibeh - ist das nicht ein schönes Sinnbild für Ökumene?“

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