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Etikettenschwindel kostet Beraterin 1200 Euro

Prozess in Hannover Etikettenschwindel kostet Beraterin 1200 Euro

Die Kundin eines Modegeschäfts heftete zu Hause fremde Preisschilder an Kleidungsstücke – und gab diese gegen Neupreiszahlung zurück. Letztendlich erwies sich die Beweisführung als derart schwierig, dass Amtsrichter Koray Freudenberg das Verfahren nach zweieinhalbstündiger Verhandlung einstellte - gegen Zahlung von 1200 Euro.

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Schnüffeltest ohne Erfolg: Richter Freudenberg mit verdächtigem Kinderpulli.

Quelle: Michael Zgoll

Hannover. Eine 28-jährige Dekorateurin, die sich selbst als Stilberaterin bezeichnet und mit einem gut verdienenden Rechtsanwalt verheiratet ist, soll auf ungewöhnliche Art betrogen haben. Die Staatsanwaltschaft warf ihr vor, bei einem Markenmode-Discounter an der Großen Packhofstraße Kleidungsstücke gekauft, die Preisauszeichungsetiketten zu Hause an gebrauchten Sachen befestigt und diese dann gegen Auszahlung des Kaufpreises zurückgebracht zu haben. Die Anklage bezog sich auf sechs Umtauschaktionen, die Tatvorwürfe lauteten gewerblicher Betrug und Urkundenfälschung.

Doch letztendlich erwies sich die Beweisführung als derart schwierig, dass Amtsrichter Koray Freudenberg das Verfahren nach zweieinhalbstündiger Verhandlung einstellte - gegen Zahlung von 1200 Euro. Sicher nachzuweisen sei der Stilberaterin nur der Austausch der Preisschilder, den diese auch gar nicht bestreiten mochte. Strafrechtlich wird ein solcher Etikettenschwindel als Urkundenfälschung gewertet.

Wie die 28-Jährige über ihren Anwalt erklärte, sei sie begeisterte Kundin des Modegeschäfts, das mit stark reduzierten Preisen für Markenware wirbt. 400 bis 500 Euro lasse sie dort jeden Monat, kaufe Klamotten für Mann, Töchterchen und sich selbst. Vieles habe man daheim anprobiert, so manches - weil es nicht gefiel - wieder zurückgegeben. Quittungen und Etiketten habe sie in einer Schachtel aufbewahrt, und dabei könne es durchaus zu Verwechselungen gekommen sein. Sie habe aber nur neuwertige Sachen zurückgebracht, keine alten.

Gänzlich anders hatte sich die Kundin im November 2014 gegenüber einer Polizistin geäußert, nachdem sie von einem Ladendetektiv bei einer zweifelhaften Umtauschaktion gestellt worden war. Sie pflege die Masche einer Rückgabe gebrauchter Kleidungsstücke zum Neupreis schon länger, gab die Beamtin die damalige Aussage der Angeklagten wieder. „Auf dem Flohmarkt kriege ich doch nur einen Euro dafür, aber hier im Laden gibt’s den vollen Warenwert“, habe die 28-Jährige geäußert. Als Stilberaterin, die sich gerade eine eigene berufliche Existenz aufbaue, müsse sie immer viel Mode parat haben.

Der Detektiv hatte die Frau schon seit Mai 2014 im Verdacht, legte den Ermittlern eine Liste möglicher Taten inklusive Videoaufzeichnungen vor. Doch Kleidungsstücke gab es nur vom letzten Vorfall. So schnüffelten Richter, Staatsanwalt und Verteidiger denn intensiv in rosa Kinderpulli, braunem Kleid und blauer Hose herum, um dem Geruch von Gebrauchtem auf die Spur zu kommen, doch fündig wurden sie nicht. Weil sich auch die Schadenshöhe kaum ermitteln ließ, stellte Freudenberg das Verfahren aber schließlich ein. Was der Stilberaterin bleibt, ist die Geldstrafe - und ein Hausverbot in ihrem Lieblingsladen.

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