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Ein Detail im Fall Gaucke ließ ihn lange nicht los

Ex-Polizeireporter erinnert sich Ein Detail im Fall Gaucke ließ ihn lange nicht los

Der Fall Gaucke hat ihn mitgerissen: Zehn Jahre nach dem Mord an Karen Gaucke und ihrer Tochter Clara erinnert sich der frühere HAZ-Polizeireporter Stefan Wittke an den mysteriösen Fall, den gemeinsamen Besuch mit deren Eltern in der Wohnung und ein Detail, das ihn lange nicht losgelassen hat.

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„Ermordet“: Der Gedenkstein für Clara und Karen Gaucke. Der ehemalige HAZ-Polizeireporter Stefan Wittke (kleines Bild) erinnert sich an den Fall.

Quelle: Archiv

Hannover. Das schlimmste, das traurigste Erlebnis? Es hat auf mich gewartet, als eigentlich alles vorbei war. Erst nachdem das Urteil gegen Michael P. schon rechtskräftig war. Erst dann konnte die Staatsanwaltschaft die seit dem Doppelmord versiegelte Etagenwohnung von Karen Gaucke im Volgersweg freigeben. Ich hatte Gelegenheit, Hans und Gabriele Gaucke, Karens Eltern, und ihren Rechtsanwalt Matthias Waldraff in die Wohnung zu begleiten.

Darin war die Zeit stehen geblieben. Fast alles war so geblieben wie vor der Tat. Ein leichtes, irgendwie sympathisches Durcheinander, keine Überraschung in der Wohnung einer alleinerziehenden Mutter. Da stand das Bügelbrett, da lagen die Babystrampler, auf dem Nachttisch ein Buch. Ein Ratgeber für junge Mütter, aufgeschlagen das Kapitel „Zehn Monate“. Wenn nicht all der Staub auf den Möbeln gelegen hätte – man hätte glauben können, dass Karen Gaucke mit ihrer kleinen Tochter Clara auf dem Arm gleich wieder hereinkommen wird. Aber auch die Blutlache in der Küche war noch da, angetrocknet, nicht einmal groß, und doch im Mordprozess einer der wichtigsten Beweise.

Der Gaucke-Mörder Michael P. ist in der Nacht zu Donnerstag gestorben. Er litt seit einiger Zeit an Hodenkrebs.

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Das Babylämpchen war es. Eine kleine Giraffe zum Leuchten, die Sorte, die man direkt in die Steckdose steckt, damit es nicht ganz dunkel ist im Kinderzimmer. Dieses Lämpchen, meine eigene Tochter hatte damals auch noch so eines, hat mich noch einmal unweigerlich hineingezogen in diesen Mordfall. Noch einmal wurde mir ganz intensiv klar, dass hier eine ganz normale Frau und ihr kleines Mädchen aus ihrem Leben herausgerissen worden waren.

Zuerst, ganz am Anfang, waren sie einfach verschwunden: Karen Gaucke und Clara, ihre erst zehn Monate alte Tochter. Dann kam die erste Ahnung. Das war keine „normale“ Vermisstensache, da war ein Verbrechen geschehen.

Der Verdächtige

Michael P., sportlich, dynamisch, ein aufstrebender Jungmanager bei der Tui, Ex-Freund von Karen, Vater von Clara. Außerdem Vater eines weiteren kleinen Kindes mit einer anderen Frau, mit der er jetzt zusammenlebte. Unglaublich viele Frauenbekanntschaften hatte er, innerhalb wie außerhalb der Firma.

Die Kripo nahm P. bald fest, in den folgenden Monaten trugen die Ermittler mit großer Sorgfalt Beweise und Indizien zusammen. Meine Aufgabe war es, über all das für die HAZ zu berichten. Gleichzeitig immer darauf bedacht, die Ermittlungen nicht zu gefährden. So konnte ich dann während der noch laufenden Ermittlungen für die HAZ-Leser berichten, dass P. am Tattag in Braunschweig einen Kombi gemietet hatte, dass die Kriminaltechniker im Kofferraum des Leihwagens Blutspuren von Karen fanden. Dass P.s Fingerabdrücke am Tatort gefunden wurden, dass er sich vor der Tat im Internet über Mord und Totschlag schlaugemacht hatte, dass er nach Mordwaffen wie einem Bolzenschussgerät gesucht hatte.

Die Leichensuche

Den ganzen Sommer 2006 haben uns die Bilder begleitet, wie die Ermittler mit Tauchern, Schlauchbooten und Spürhunden suchten. Alles vergeblich. Unfassbar: Auf der Suche nach Karen und Clara fanden die Beamten in einem Teich bei Steinwedel und dann im Kanal aus Zufall zwei Leichen, die mit dem Fall nichts zu tun hatten.

Und natürlich standen die persönlichen Geschichten in der HAZ, über Gabriele und Hans Gaucke, die einen Weg gefunden hatten, mit Haltung und Würde durch all die schrecklichen Ereignisse zu gehen. Über den Anwalt Matthias Waldraff, der Karens Eltern durch den Prozess begleitete, nichts unversucht ließ, um Michael P. endlich zum Reden zu bringen – und doch scheiterte. Michael P. hielt die Mauer des Schweigens aufrecht, nahm sein Geheimnis mit ins Grab, als er später im Gefängnis starb. Die Leichen der Opfer bleiben verschwunden.

Von keinem Ereignis in meinem Berufsleben habe ich mich so mitreißen lassen wie vom Mordfall Gaucke. Ich habe den geliebten Redakteursberuf an den Nagel gehängt im Jahr 2007. Das hat immer eine Reihe von Gründen, natürlich. Aber der Fall Gaucke war im Rückblick einer davon. Ich hatte genug – danach. Noch heute fahre ich mehrmals wöchentlich an den Teichen von damals vorbei, einfach, weil ich in der Gegend wohne. Dass dieser Fall einen niemals loslässt, stimmt bei mir gottlob trotzdem nicht. Ich habe loslassen können. Das liegt auch daran, dass ich an eine These, die schon während des Prozesses hinter den Kulissen herumgeisterte, nie geglaubt habe. Wie die Staatsanwaltschaft, das Gericht, die Polizei war und bin ich davon überzeugt, dass auch die kleine Clara nicht mehr bei uns ist. Leider.

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