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Ex-Polizist nach Übergriff auf Prostituierte verurteilt

"Fesselsex" Ex-Polizist nach Übergriff auf Prostituierte verurteilt

Sein Opfer, eine fünffache Mutter, ist schwer traumatisiert. Dennoch kommt ein Ex-Polizist, der die Prostituierte massiv bedroht hatte, mit einer Bewährungsstrafe davon. Der Richter nennt die Tat ein "schwerwiegendes, aber einmaliges Versagen".

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Quelle: dpa (Symbolbild)

Hannover. Staatsanwalt Sebastian Römer sprach in seinem Plädoyer von einem außergewöhnlichen Fall: „Hier hat ein Polizist seine bürgerliche Existenz in einer Nacht krachend an die Wand gefahren.“ Im Juni 2014 hatte der 54-jährige Andreas T. einer Prostituierten in seinem Auto Handschellen angelegt, ihr seine Dienstwaffe an den Kopf gehalten und sie an den Haaren gerissen. Doch sein Plan, die 37-Jährige zu sadomasochistischen Sexspielen zu zwingen, wurde durch das Auftauchen von zwei Passanten verhindert. Dank einer geschickten Verteidigungsstrategie der Anwälte Matthias Waldraff und Pascal Ackermann, bei der Geld eine nicht unwesentliche Rolle spielte, kam T. gestern mit einer milden Strafe davon. Das Landgericht Hannover verurteilte den Ex-Polizisten zu zwei Jahren Haft auf Bewährung.

Wie die 12. Große Strafkammer unter Vorsitz von Richter Michael Schweigert befand, hat sich T. einer versuchten besonders schweren sexuellen Nötigung in Tateinheit mit Körperverletzung schuldig gemacht. Dass der Polizeioberkommissar einem Zeugen, der die im Auto um Hilfe rufende Frau befreien wollte, seine Pistole entgegenhielt, bewertete das Gericht als Nötigung. Und die in seiner Wohnung in der Region Hannover gefundene verschiedenartige Munition wurde unter „unerlaubtem Waffenbesitz“ verbucht.

33 Jahre war T. im Staatsdienst tätig, im Verkehrsunfalldienst und als Streifenpolizist in Stöcken, Kleefeld und Lehrte. In jener Juninacht 2014 hatte der Beamte frei, sprach die bulgarische Prostituierte in der Herschelstraße, Ecke Brüderstraße, an und fuhr mit ihr zum ehemaligen Hauptgüterbahnhof. Zunächst war der Sex, für den T. 30 Euro bezahlte, einvernehmlich. Doch dann wollte der Mann die Fesselspiele ausprobieren, die er schon so häufig im Internet betrachtet hatte. Mit seiner plötzlichen Brutalität versetzte er die Frau in Todesangst; erst nach der Intervention der Zeugen ließ er von seinem Opfer ab und floh.

Die Prostituierte, Mutter von fünf Kindern, hat die Tat keineswegs verwunden. Sie leidet unter posttraumatischen Belastungsstörungen, Depressionen sowie Schlaflosigkeit und kann ihrem früheren Gewerbe nicht mehr nachgehen. Bei ihrer Zeugenaussage vor Gericht stand die zitternde und weinende Frau kurz vor dem Zusammenbruch. Doch auch der Täter zahlt einen Preis, der ständig höher wird. T. quittierte zum Jahresende 2014 seinen Dienst bei der Polizei und bekommt eine deutlich niedrigere Rente, als er sie als Pensionär genossen hätte. Vor Gericht gab er sich reumütig und ließ über Verteidiger Waldraff erklären, er habe sich der Frau gegenüber „böse und wie ein Schwein“ verhalten. Mehrfach entschuldigte sich der Mann mit der Halbglatze bei Opfer und Zeugen.

Der Staatsanwalt warf dem Ex-Polizisten eine „menschenverachtende Haltung“ vor und plädierte für eine Haftstrafe von zwei Jahren und acht Monaten. Doch das Gericht folgte den Anträgen der Verteidigung und sprach von einem „einmaligen Versagen“ – auch wenn die Tat durchaus geplant gewesen sei. Bei der Strafzumessung habe eine große Rolle gespielt, dass T. dem Opfer wenige Tage vor Prozessbeginn 6000 Euro Schmerzensgeld überwies. Und die 37-Jährige soll auch von einer Bewährungsauflage profitieren, die Waldraff ins Spiel gebracht hatte: Vier Jahre lang wird ihr Andreas T. zusätzlich Monat für Monat 100 Euro zukommen lassen. Das Urteil ist aber noch nicht rechtskräftig.

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