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In der Prinzenrolle
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Exklusiv: Ernst August im HAZ-Interview In der Prinzenrolle

Selten gibt Europas 
älteste Adelsfamilie etwas von sich preis. 
Jetzt hat Ernst August 
von Hannover 
auf der Marienburg 
über sein Leben 
und die Familie 
gesprochen. Wie lebt es sich mit dem Erbe der Geschichte? 
Ein Adelshausbesuch.

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Umgang mit Geschichte: Ernst August im Treppenhaus in der Marienburg.

Quelle: Insa Cathérine Hagemann

Hannover. Trutzig steht der Bergfried da. Rosenranken häkeln am Gemäuer empor, und in Stein gemeißelt wacht Heinrich der Löwe über den Schlosshof. Rund 150 Jahre blicken von den neugotischen Mauern der Marienburg herab. Und in dem Schloss zieren Wappen und Gemälde die Wände. Alles atmet Geschichte, alles ist irgendwie alt. Jung ist hier allein der Hausherr.

„Ich bin wirklich gerne auf Schloss Marienburg“, sagt Ernst August Prinz von Hannover. „Als ich Kind war, sind wir immer in den Ferien hierher gekommen – Weihnachten, Ostern, Pfingsten. Hier war immer Heimat für mich, und daran hat sich bis heute nichts geändert.“ Der 30-Jährige sitzt in einem Salon im Obergeschoss seines Schlosses im niedersächsischen Pattensen. Gediegene Holzvertäfelung, Ahnen an den Wänden, Blick übers weite Land. Schlacksig sieht der groß gewachsene Mann in seinem schmal geschnittenen Anzug aus. Kontrolliert wirkt er, doch auch jungenhaft, wenn er im Gespräch – ganz selten – einmal befreit auflacht. Der dichte Haarschopf fällt ihm in die Stirn, wenn er Tee nachschenkt und über Fußball plaudert.

„Meine Mannschaften sind Hannover 96 und der FC Fulham“, sagt er. „Als Kind war ich oft bei Fulham im Stadion. Ich habe sie in jeder Liga spielen sehen.“ Dann zählt er an den Fingern die Spielernamen der Mannschaft aus dem Londoner Stadtteil auf, wo er selbst groß wurde. Fußball ist sein Element, er spielt auch selbst gelegentlich. „Am liebsten Mittelfeld oder rechts hinten.“ Kontrollierte Offensive sozusagen. Das passt zu seiner Rolle im Hier und Jetzt.

Gäbe es die Monarchie noch, wäre dieser Fußballfan der nächste König von Hannover. Genau genommen hat seine Familie als einziges deutsches Königshaus ihren Thronanspruch nie aufgegeben: Als die deutsche Adelsherrschaft 1918 im Orkus der Geschichte verschwand und alle anderen Monarchen abdankten, war das Königreich der Welfen längst von den Preußen annektiert. Offiziell auf den Thron verzichtet hat seine Familie aber nie. Das Land Niedersachsen hat dennoch nichts von ihm zu befürchten: „Im Alltag verbringe ich nicht allzu viel Zeit damit, dem nachzugehen“, sagt Ernst August, wenn man ihn danach fragt. Er lächelt etwas schelmisch: „Ich weiß auch nicht, ob ich einen guten Anwalt finden würde, der das durchsetzt.“ Ein feiner Sinn für Selbstironie blitzt da auf. Angelsächsischer Humor, wie man ihn jenen knorrigen englischen Landadeligen nachsagt, die auch im strengsten Winter auf ihren ungeheizten Schlössern ausharren.

„Das ist Heimat für mich“: Schloss Marienburg in Pattensen.

Quelle: Insa Cathérine Hagemann

My home is my castle – auch für Ernst August gilt das in besonderer Weise: Vor zehn Jahren hat sein nicht eben unumstrittener Vater, der ebenfalls Ernst August heißt und mit Caroline von Monaco verheiratet ist, ihm Schloss Marienburg übergeben, ebenso wie ausgedehnte land- und forstwirtschaftliche Ländereien. Adelsbesitz in Norddeutschland und Österreich. Sein Vater sei gesundheitlich angeschlagen, hieß es damals. Somit musste Ernst August ran und sich um den Betrieb kümmern, der offenbar nicht überall mit großer Liebe zum Detail gepflegt war. Heute firmiert dieser – eine Ironie der Geschichte – ausgerechnet als „Gesellschaft bürgerlichen Rechts“.

„Wir bewirtschaften den größten Teil unseres Landes selbst, ich habe auch selbst schon mal auf dem Feld gestanden“, sagt Ernst August und macht keinen Hehl daraus, wie groß der Sprung dorthin für einen jungen Mann aus Fulham eigentlich ist. Über Umsatz und Größe des Besitzes schweigt der gelernte Investmentbanker lieber. Es wird wohl reichen. „Ich pendele viel, inzwischen kümmere ich mich fast nur noch um das Erbe“, sagt er. Kürzlich erst war er in Österreich. Heute ist er hier. Und bald ist er wieder in London, wo auch seine Freundin lebt. „Routine gibt es in meinem Alltag eigentlich nicht“, sagt er.

Vieles klingt eher nach forderndem Management als nach beschwingtem Jetset. Man braucht nicht viel Fantasie, um sich vorzustellen, dass so ein Erbe auch wie eine Bleiweste auf den Schultern eines Menschen liegen kann. Dass ein vorgezeichneter Lebensweg, und sei er noch so komfortabel gepflastert, demjenigen wenige Freiheiten lässt, der ihn gehen muss. Ernst August wehrt ab: „Das ist eine ganz tolle Aufgabe, keine Last“, sagt er. Und nach einer Pause schiebt er nach: „Ich habe nie gesagt: ,Ich will nicht.‘“ Na gut, er wisse zwar längst noch nicht so viel über die Landwirtschaft, wie es ihm lieb wäre: „Ich habe aber auch noch nie so getan, als ob ich etwas wüsste, was ich nicht weiß.“ Außerdem gebe es ja Menschen, die er fragen könne, sagt er. Verwandte, Freunde, Berater. Er hat viele davon – und scheint sich ganz langsam von ihnen zu lösen.

Und sein Vater? Ernst August überlegt, blickt aus dem Fenster des Salons, wägt seine Worte: „Mein Vater ist im Hintergrund präsent“, sagt er dann. Schwingt da eine leise Distanz mit? Gehen die Vater-Sohn-Konflikte, die das Welfenhaus über Generationen prägten, in eine neue Runde? Oder ist das einfach Diskretion? Die Familie – das ist schließlich ein sensibles Thema, besonders, wenn Journalisten danach fragen. Zwischen seinem Vater und der deutschen Presse herrschte lange das, was Diplomaten einen „offenen Meinungsaustausch“ nennen. Man kann auch sagen: Es flogen die Fetzen.

Der Sohn selbst empfängt für dieses Gespräch an diesem Tag zum ersten Mal Journalisten auf der Marienburg. Er will erkennbar einen Neuanfang, weg vom „Prügelprinzen“-Image des Vaters. Wenn er aus seinem Leben erzählt, hat er noch nicht die auswendig gelernten Wortstanzen drauf, mit denen heute selbst Fußballspieler die Medienleute abspeisen. Über alles, was die Yellow Press interessieren würde, über Liebe, die Queen und möglichen Familienknatsch, sagt er dennoch lieber nichts. Und es ist ihm sichtlich unangenehm, fotografiert zu werden. „Mein Vater hat die meistfotografierte Frau der Welt geheiratet“, sagt er, als wollte er so sein Zögern vor der Kamera erklären. Caroline von Monaco ist für die Paparazzi Europas ja so etwas wie ein kapitaler Zwölfender für den aristokratischen Waidmann. Im Medienzeitalter werden Monarchen mit Blitzlicht gesalbt.

Teezeit: Ernst August mit HAZ-Chefredakteur Hendrik Brandt (rechts) und Autor Simon Benne.

Quelle: Insa Cathérine Hagemann

In Monaco sei er des Öfteren, „um meine Schwester zu besuchen“, sagt Ernst August – die 14-jährige Alexandra aus der zweiten Ehe seines Vaters mit Caroline. Wie Monaco so sei? Verglichen mit Pattensen? „Nicht so erdig“, sagt er trocken, ohne damit einer Seite Unrecht zu tun. „Aber ich bin dort nicht anders als hier.“

In den vergangenen Jahrzehnten hatte sich seine Familie rargemacht in Deutschland. Ernst August, geboren 1983 in Hildesheim, wuchs in London auf. Zweisprachig. „In einem ganz normalen Haus“, wie er sagt. Im Wohnzimmer des Fulham-Fans hingen zwar Bilder von Vorfahren, von Kurfürstin Sophie oder Georg I., und der Vater erklärte sie gelegentlich. „Aber früher hätte ich kaum sagen können, wer das war.“ Ob in der Deutschen Schule, ob im Internat in Worcestershire, ob beim Volkswirtschaftsstudium in New York – überall war er nur „Ernst Hannover“. Er arbeitete bei der Islamic Investment Bank, einem Fonds, betreute Energieprojekte – und niemand sah in ihm zuerst den Spross des ältesten deutschen Adelshauses.

Das änderte sich vor zwei Jahren, als er begann, sich wieder öfter zu zeigen in der Stadt, die seinen Namen trägt. Es war so etwas wie die Heimkehr seiner Familie. Wie ein verlorener Sohn wurde er von vielen in Hannover willkommen geheißen. Geheuer war ihm das nicht immer. „Hier richtet sich mehr Aufmerksamkeit auf mich als in London“, sagt er. In Hannover bat man ihn plötzlich darum, Grußworte zu sprechen, man trug ihm Ehrenmitgliedschaften an. Oberbürgermeister und Ministerpräsidenten ließen sich mit ihm fotografieren. „Ich hätte nicht gedacht, dass das so sein würde“, sagt er, und es klingt immer noch ein wenig, als würde er sich selbst darüber wundern.

Als man ihn vor einiger Zeit bat, an prominenter Stelle im hannoverschen Schützenausmarsch mitzugehen, wusste er nicht, was er dazu anziehen sollte. „Sie haben doch bestimmt eine Uniform“, riet ihm jemand. Seine nüchterne Antwort: „Nein, ich war nie beim Bund.“ Gelegentlich kollidieren die Vorstellungen, die viele sich von einer altgedienten Königsfamilie machen, mit der Lebenswirklichkeit eines 30-Jährigen, der im Alltag keine hermelinbesetzen Socken trägt und mit dem Smartphone lebt. Sein Ur-urururgroßvater reitet schließlich als Denkmal vorm hannoverschen Hauptbahnhof in einer schmucken Kavallerieuniform daher – da ist auch der Nachfahre eine ideale Projektionsfläche für all die edlen und üblen Vorstellungen, die in den Hinterköpfen über den Hochadel stecken.

Natürlich glaubt niemand mehr an Gottesgnadentum oder die genetische Überlegenheit blauen Blutes. Gleichwohl delektiert sich das gemeine Volk gern an TV-Sendungen wie „Gräfin gesucht“. Politikern verleiht ein klangvoller Name wie „Karl Theodor zu Guttenberg“ einen seriösen Nimbus – zumindest für eine gewisse Zeit. Die ganze Welt des Adels mit ihrem Formbewusstsein und ihrer langen Geschichte erscheint in unsicheren Zeiten manchem wieder als Hort der Beständigkeit. Postmoderne Sehnsüchte umwehen auch jene Royals, die heute keine mehr sind. Das fängt schon bei der Begeisterung für die kettenlangen Namen an, die im Adel Usus sind. Jeder Namensteil verweist ja auf irgendeinen illustren Patenonkel. Alles ist Tradition. Alles ist Verheißung.

„Offenbar haben einige Familien für bestimmte Regionen doch eine gewisse Bedeutung“: Ernst August von Hannover.

Quelle: Insa Cathérine Hagemann

„Die Frage nach der richtigen Anrede ist die wohl schwierigste Frage“, sagt Ernst August Prinz von Hannover und fährt sich stöhnend mit der Hand über das Gesicht, wie er es gelegentlich tut, wenn er mit sich ringt. Immer wieder wird ihm diese Frage gestellt. Viele sind sich unsicher, was da im Jahr 2014 noch angemessen ist. Manche reden ihn tatsächlich als „Königliche Hoheit“ an und hoffen, dass er ihnen bald das Sie anbietet. „Herr Prinz von Hannover“ erscheint selbst eingefleischten Republikanern als gewollt schmucklos, und „Ernst August“ klingt sehr vertraulich.

Mit vollem Namen heißt er „Ernst August Andreas Philipp Constantin Maximilian Rolf Stephan Ludwig Rudolph“. Jedenfalls mit vollem Vornamen. Er selbst kann das nicht auswendig, jedenfalls nicht, ohne kurz zu überlegen, ob Ludwig jetzt vor oder nach Rudolph kommt. Unter Nachname steht im Pass „Prinz von Hannover Herzog zu Braunschweig und Lüneburg Königlicher Prinz von Großbritannien und Irland“. Das ist extra klein gedruckt, der Text füllt mehrere Zeilen. Und wie soll man ihn nun anreden? Er zuckt mit den Schultern: „Das hängt doch ganz von der Situation ab und davon, wie gut man sich kennt“, sagt der Mann, der in London nur „Ernst Hannover“ war und in Hannover für viele dann doch eine „Königliche Hoheit“ ist.

Wahrscheinlich ist das eine Lektion, die er selbst erst hier gelernt hat: Dass es Familien gibt, deren Geschicke über so lange Zeit mit dem Geschick eines Landes verwoben waren, dass beide einander besonders verbunden sind. „Rechtlich hat der Adel heute natürlich keine Sonderrechte mehr“, versichert er schnell. „Aber offenbar haben einige Familien für bestimmte Regionen doch eine gewisse Bedeutung.“ Ernst August nippt an seinem Wasser. Er möchte es vermeiden, großspurig zu wirken. Das würde auch nicht zu ihm passen. Dann sagt er: „Ich weiß, dass ich damit auch eine Verpflichtung habe.“

Vor neun Jahren war das wohl noch anders. Damals, als seine Familie bei einer großen Auktion auf der Marienburg zahlreiche Kunstschätze zu Geld machte. Historiker warfen den Welfen empört einen Ausverkauf niedersächsischer Geschichte vor. „Da waren damals verschiedene Leute involviert“, sagt Ernst August vieldeutig, um die Aktion dann doch zu verteidigen. „Ein Großteil der verkauften Stücke ist in der Region geblieben“, sagt er. Und viele Kunstschätze seien vorher in schlechtem Zustand gewesen und durch die Auktion in gute Hände gekommen: „Jeder, der etwas gekauft hat, weiß um dessen Geschichte – so gesehen haben viele Stücke erst durch den Verkauf einen Wert erhalten.“

Mit der Geschichte kennt er sich inzwischen aus. „Als ich kürzlich mit meiner Schwester an einer Statue von Georg IV. vorbeikam, konnte ich ihr erklären, wer dieser Vorfahre ist“, sagt er. Das ist die zweite Seite seines Erbes, die immaterielle. Niemand kann sich ja seine Familie aussuchen. Ausschlagen kann man diesen Teil eines Erbes nicht, ob man nun in der Rolle eines Prinzen oder eines Pizzabäckersohnes steckt. Nur damit umgehen.

Ob er unter seinen Ahnen ein Vorbild habe? Er überlegt: „Georg III. mochte die Landwirtschaft. Kurfürst Ernst August war ein cleverer Kerl. Heinrich der Löwe war eine starke Persönlichkeit – aber ein politisches Vorbild für heute ist er nicht.“ Sein Großvater mütterlicherseits, der Vater der bürgerlichen Schweizerin Chantal Hochuli, sei Architekt gewesen, sagt er dann. „Ich möchte auch mehr darüber wissen, was dieser Teil der Familie gemacht hat.“ Sehr unprätentiös spricht Ernst August über seine Vorfahren, deren Bedeutung er wohl erst in den letzten Jahren so richtig entdeckt hat. „Manche hatten gute Eigenschaften, andere schlechte, und die meisten wohl auch beides“, sagt er achselzuckend. In welcher Familie ist das schon anders?

Das Schloss

Es war ein Geburtstagsgeschenk unter Leuten, die es sich leisten konnten: Hannovers letzter König, der blinde Georg V., kredenzte das Schloss im Jahr 1857 seiner Frau Marie zu deren 39. Geburtstag. Er ließ es im Stil einer mittelalterlichen Ritterburg von den Baumeistern Conrad Wilhelm Hase und Edwin Oppler errichten. Bis heute ist Schloss Marienburg in der Nähe von Pattensen (Region Hannover) im Besitz der Welfenfamilie.

Im Jahr 2004, als Erbprinz Ernst August das Schloss übernahm, zählte dieses 35 000 Besucher. In der kommenden Saison soll – auch dank der Ausstellung „Der Weg zur Krone“ – erstmals die Marke von jährlich 200 000 Besuchern geknackt werden. „Wir sind das meistbesuchte Schloss Norddeutschlands“, sagt Ralph Jarrett, der auf dem Schloss für den Tourismus zuständig ist. Rund 15 Prozent der Besucher seien ausländische Gäste – Tendenz steigend. Inzwischen werde das Schloss beispielsweise bei den zwölf wichtigsten britischen Reiseveranstaltern gezielt beworben, sagt Jarrett. Auch als Filmkulisse erfreut sich die Marienburg wachsender Beliebtheit: So wird dort die Jugendserie „In Your Dreams – Sommer deines Lebens“ gedreht, und 2012 entstand dort der Film „Münchhausen“ mit Ben Becker.

Die Ausstellung

Gleich mehrere Jubiläen stehen im Jahr 2014 an: Vor 200 Jahren, am 12. Oktober 1814, wurde Hannover zum Königreich. Und vor 300 Jahren begann mit der Thronbesteigung Georg V. die Zeit der hannoversch-britischen Personalunion. Diese wird mit einer großen Landesausstellung „Hannovers Herrscher auf Englands Thron“ gefeiert, die im Mai in fünf Häusern in Hannover und Celle eröffnet.

Parallel dazu zeigt das Welfenhaus auf Schloss Marienburg die Ausstellung „Der Weg zur Krone“. Eine Hauptattraktion in der Schau, die vom 1. Mai bis zum 9. November zu sehen ist, sind die Insignien des Königreiches Hannover – die Krone von 1842 mit Zepter und die Brautkrone, die König Ernst August anfertigen ließ und später an seinen Sohn Georg V. vererbte. Hannovers Krone war zuletzt 1997 in einer Ausstellung im Deutschen Historischen Museum in Berlin öffentlich zu sehen. Jetzt wird sie erstmals seit dem Ende des Königreiches Hannover wieder auf ehemals welfischem Gebiet gezeigt.

Außerdem sollen Objekte aus dem Privatbesitz der Welfen zu sehen sein. Zum Rahmenprogramm gehören unter anderem Theaterführungen, bei denen eine Schauspielerin als Geist der Herzogin Eleonore d’Olbreuse durchs Schloss spukt. Informationen unter Telefon (0 50 69) 34 80 00 oder www.schloss-marienburg.de.

Die Welfen

Die Familie gilt vielen Historikern als Europas ältestes Hochadelsgeschlecht. Bereits um das Jahr 800 gehörten sie zur Reichsaristokratie. Zu den illustren Gestalten aus ihren Reihen zählen beispielsweise Heinrich der Löwe (um 1130–1195), der Braunschweig zu einem fürstlichen Machtzentrum ausbaute. Georg von Calenberg, Herzog aus einer der verschiedenen Welfenlinien, erklärte 1636 Hannover zu seiner Residenzstadt. Unter seinem Sohn Ernst August steigt Hannover zum Kurfürstentum auf. Und dessen Sohn wiederum besteigt 1714 als König Georg I. den englischen Thron. Es ist der Beginn der Personalunion, die bis 1837 dauert: Fünf Welfenkönige herrschen über Hannover und Großbritannien zugleich, wobei die Länder selbst aber nicht vereinigt werden.

Hannover – seit 1814 selbst auch Königreich – wird 1866 von Preußen annektiert, Georg V. geht ins österreichische Exil. Sein Enkel Ernst August heiratet 1913 in Braunschweig die Kaisertochter Victoria Luise. Der Herzog von Braunschweig, der 1918 abdankten muss, ist der letzte regierende Monarch aus den Reihen der Welfen. Seine Tochter Friederike, Königin von Griechenland und Großtante des heutigen Marienburgbesitzers Ernst August, stirbt 1981. Sie war die bislang letzte Welfin auf einem Thron.

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