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Aus der Stadt Exklusiver Blick in die Cumberlandsche Galerie
Hannover Aus der Stadt Exklusiver Blick in die Cumberlandsche Galerie
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10:48 22.12.2009
Von Conrad von Meding
Mit Liebe zum Detail: Architekt Otto Goetze hat in seinem Spätwerk Aspekte verschiedener Bauepochen für die Gemäldegalerie vereint. Quelle: Surrey

Was hat dieses Gebäude nicht alles schon gesehen: Als Gemäldegalerie und Heimatmuseum hat es gedient, Nazi-Propaganda wurde hier ausgestellt, bevor Fliegerbomben Teile des Hauses zerstörten. Doch damit nicht genug. Noch Anfang der neunziger Jahre wurden prachtvolle Säle im Inneren demontiert und zu Büros für das neue Schauspielhaus umfunktioniert. Nur eines ist in all seiner Schönheit geblieben – das Treppenhaus der Cumberlandschen Galerie mit seiner verschnörkelten Pracht. Am Dienstagabend dürfen zehn HAZ-Leser bei einer Führung mit Dramaturg Aljoscha Begrich einen exklusiven Blick in die Cumberland-Immobilie werfen.

Unter dem neuen Intendanten Lars-Ole Walburg bekommt die wohl schönste Treppenanlage Hannovers wieder ihre Würde zurück. Jahrelang hatten Walburgs Vorgänger zugelassen, dass Kulissen in die Wände gedübelt, die Adler-Gipsköpfe an den Säulenkragen abgeschlagen und die historischen Bodenfliesen mit Teppichkleber verschandelt wurden. Damit ist Schluss. „Im Treppenhaus der Cumberlandschen Galerie gibt es nur noch Inszenierungen, die ohne große Kulissen und ohne Einbauten auskommen“, verspricht Schauspielsprecher Björn Achenbach. Und das reicht auch: „Das Gebäude ist Inszenierung genug.“ Für Aufführungen mit Kulisse hat das Schauspiel sich im Obergeschoss die einstige Probebühne zur Cumberland-Bühne umgebaut – dort wird etwa die geistreich-witzige „Hannover-Revue“ aufgeführt oder heute Abend wieder der „Träumer“.

Die Geschichte der Galerie ist eng verwoben mit der von Hannover und Preußen. Ernst August (1845–1923), Herzog von Cumberland und zu Braunschweig-Lüneburg, wollte ein Prestigeobjekt schaffen, das der Museumsinsel im preußischen Berlin ebenbürtig war. Als einziger Sohn des Königs Georg V. hatte Ernst August an den Thronansprüchen auf das Königreich Hannover festgehalten, obwohl es 1866 Preußen einverleibt worden war. 1881 fasste er daher den Entschluss, die familieneigene Gemäldesammlung, die bislang an etlichen Stellen verteilt und unzulänglich aufbewahrt war, in einer prunkvollen Galerie zu versammeln. Teure Bilder des Königs Georg, die „Hausmannsche Sammlung“ und die Galerie älterer und neuerer Meister des Welfenmuseums sollten dort repräsentativ gezeigt werden.

Das Gebäude, das der Herzog von Cumberland in dreijähriger Bauzeit bis 1886 errichten ließ, schrieb damals Architekturgeschichte. Das erhaltene Treppenhaus gilt Bauhistorikern noch heute als „ein Hauptwerk des Funktionalismus der ,Hannoverschen Architekturschule‘ und damit der Eisenkonstruktionsarchitektur der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Deutschland“, wie es in einem internen Vermerk der Denkmalbehörde in der einstigen Bezirksregierung heißt.

Architekt Otto Goetze (1832–1894), zu dessen Spätwerk die Galerie zählt, war damals einer der angesehensten Architekten Hannovers. Er schuf für den Herzog ein Bauwerk, das von außen schlicht wie ein Industriebau daherkam, von innen aber zahlreiche Epochen zitierte, um die Kunstwerke in einer ihrer Entstehungszeit angemessenen Form zu präsentieren. So verschmelzen Gotik (vieleckige Nischen), Romanik (Säulen, Malerei), Barock (dreiläufige Treppenanlage) und seriell gefertigte Industrieprodukte des Ingenieurbaus (sichtbare Eisenkonstruktion, Bodenfliesen) zu einem modernen Gesamtkunstwerk. Zeitgenössische Kritiker fanden, dass die Cumberlandsche Galerie sogar eine „größere Leichtigkeit“ entfalte als der noch im Klassizismus verhaftete Bau des Neuen Museums in Berlin.

Allerdings gehörte das Gebäude damals noch zu einem Museumsverbund, der sich rückwärtig an das heutige Künstlerhaus, den 1855 errichteten großen Backsteinbau von Conrad Wilhelm Hase in der Sophienstraße, anschloss. Zwei Zwischenbauten von 1863 und 1878 sind im Krieg zerstört worden, ebenso wie ein Gebäudeteil der Cumberland-Galerie zur Prinzenstraße. Vor allem aber sind die großzügigen Hauptetagen der Gemäldegalerie für den Neubau des Schauspielhauses ab 1990 entkernt worden. Wo einst auf drei Etagen dutzende gusseiserne Säulen standen und hohe Geschosse Platz für Ölschinken ließen, residieren heute auf lieblos eingezogenen Zwischenetagen die Intendanz des Schauspielhauses sowie Technik und Kantine – ein Frevel an der Architekturgeschichte Hannovers.

Als das passierte, waren die Gemälde des Herzogs freilich längst in das ab 1902 errichtete Provinanzialmuseum (heute: Landesmuseum) umgehängt worden, weil die Sammlung zu groß wurde. Geblieben ist von der alten Pracht einzig das Treppenhaus – als Zeugnis Hannoverschen Stolzes gegenüber Preußen und der Baukunst hannoverscher Architekten, die noch heute Liebhaber verzückt.

Das Geheimnis hinter der
 Gittertür

Jeden Tag im Advent öffnet die HAZ eine Tür in der Stadt, die sonst verschlossen ist. Am Dienstag ermöglicht das Schauspielhaus Einblicke in die Cumberlandsche Galerie – und dabei auch einen Durchgang durch die geheimnisvoll vergitterte Rundbogentür in der obersten Etage des nostalgischen Treppenhauses, die sonst für Besucher nicht geöffnet ist. Eine verborgene Steintreppe führt von dort in einen Technikraum oberhalb der neuen Cumberland-Bühne. Nur wer dort war, darf von sich behaupten, wirklich die gesamte Galerie gesehen zu haben. Auch der Rest der Führung verspricht unterhaltsam zu werden. Dramaturg Aljoscha Begrich hat sich bereit erklärt, das Treppenhaus zu zeigen. Manch ein Hannoveraner wird sich an ihn erinnern: Er hatte beim Hoffest des Schauspiels im Sommer die „historische Rede zur wechselvollen Geschichte“ der Cumberlandschen Galerie gehalten – humorvoll und hintergründig. Um 19 Uhr beginnt heute die exklusive Führung durch die Galerie, an der fünf HAZ-Leser mit je einer Begleitperson teilnehmen dürfen. Und zusätzlich spendiert das Schauspiel für die Gewinner anschließend freien Eintritt in die Aufführung des „Träumers“ auf der Cumberland-Bühne. Das Theaterstück spielt im Paris des Jahres 1968 und gibt sich recht freizügig.

Und so können Sie gewinnen:

Wer hinter das HAZ-Adventstürchen schauen will, muss einfach heute bis 12 Uhr unter Telefon (01 37) 8 18 00 30 anrufen (50 Cent aus dem Festnetz, andere Netze möglicherweise teurer). Bis 13 Uhr werden alle fünf Gewinner benachrichtigt, die Dienstagabend um 19 Uhr mit jeweils einer Begleitung an der Besichtigung teilnehmen können. Das „Türchen“ ist diesmal allerdings ausnahmsweise nicht barrierefrei und daher nicht für Rollstuhlfahrer und Menschen mit Gehproblemen geeignet.

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