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Aus der Stadt "Passt niemand auf und zeigt die Rote Karte?"
Hannover Aus der Stadt "Passt niemand auf und zeigt die Rote Karte?"
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00:16 26.11.2016
Von Jens Heitmann
Unternehmensführungs-Experten Prof. Dr. Manuel René Theisen (kleines Bild) findet den Wechsel von Marc Hansmann zu den Stadtwerken nicht in Ordnung. Quelle: Archiv

Hannover erlebt einen überraschenden Führungswechsel in Rathaus und Stadtwerken. Marc Hansmann (SPD) verlässt die Kämmerei und zieht in die Vorstandsetage der Stadtwerke, ein Unternehmen in kommunaler Trägerschaft. Bereits zum 1. April 2016 soll der Wechsel vollzogen sein.

Damit sind zwei Probleme verbunden. Zum einen muss sich die Stadtverwaltung nach einem Nachfolger für den Kämmerer umsehen. Hansmann genießt über alle Parteien hinweg hohes Ansehen, seine fachliche Kompetenz ist unbestritten. Zum anderen gibt ein Ämtertausch Hansmanns Anlass zu Kritik. Der Kämmerer hat zuvor bei den Stadtwerken als Aufsichtsratschef die Arbeit des Vorstands kontrolliert und die neue Chefin Susanna Zapreva mit installiert, jetzt wechselt er die Seiten. Das habe durchaus ein Geschmäckle, heißt es aus den Reihen der CDU.

Fragen zu dem Verfahren an den Unternehmensführungs-Experten Prof. Dr. Manuel René Theisen

Herr Theisen, bei den Stadtwerken wechselt der Kämmerer und bisherige Aufsichtsratsvorsitzende Marc Hansmann in den Vorstand. Die neue Vorstandsvorsitzende Susanna Zapreva hat er vor einem Jahr mit ausgesucht und dann kontrolliert. Wie beurteilen Sie diesen Schritt?

Das ist ein völlig ungewöhnliches Verfahren. Eine unabhängige Führung ist so ebenso wenig möglich wir eine entsprechende Kontrolle. Passt denn da niemand anderes auf und zeigt die rote Karte? Der Gesetzgeber erlaubt zwar den Wechsel aus einem Aufsichtsratsamt in der Vorstand, dabei sollte aber beachtet werden dass es nicht zu solchen Funktionsüberschneidungen kommt.

Der Oberbürgermeister hat die Personalie mit der „besonderen Bedeutung der Stadtwerke für die Infrastruktur“ und der „exzellenten Qualifikation“ seines Noch-Kämmerers begründet. Warum zieht dieses Argument aus Ihrer Sicht nicht?

Die Begründung verfehlt doch erkennbar das Thema: Es geht nicht um Eignung oder eine möglichst gute Personalentscheidung - es geht um Netzwerke, Verflechtungen und Verpflichtungen: Wie soll eine vom Noch-Aufsichtsrat Hansmann bestellte Vorstandsvorsitzende demselben als Vorstandskollegen kritisch gegenüber stehen? Und wie soll der Rest-Aufsichtsrat einen sollen „gemischten“ Vorstand effizient überwachen? Die Konstruktion mag für einen Kaninchenzüchterverein angehen, aber nicht für einen kommunalen Versorgerbetrieb.

Der Kämmerer hat nach eigener Aussage „keine Bauchschmerzen“ bei seinem Wechsel - der Posten als Aufsichtsratschef sei schließlich an sein Mandat bei der Stadt gebunden und habe nichts mit seinen Meriten zu tun.

Diese Einstellung belegt doch eindeutig, dass dem Kandidaten entweder die problematische Lage bewusst ist und er diese tarnen will, oder - was noch schlimmer wäre -, dass er die spezielle Thematik seiner Positionen in Reihe gar nicht erkennt.

Laut Stadt verbieten die Grundsätze guter Unternehmensführung (Corporate Governance) nur, dass frühere Vorstände vorschnell an die Spitze ihres Aufsichtsrates wechseln - umgekehrt gebe es kein Problem. Warum sehen Sie das anders?

Diese auch im Aktiengesetz vorgesehene „cooling off“-Periode soll verhindern, dass jemand als Aufsichtsrat kontrolliert, was er kurz vorher selbst zu verantworten hatte als Vorstand. Genau dieselbe Situation aber kann sich auch umgekehrt ergeben, wie der vorliegende Fall ja sehr anschaulich macht. Die Idee einer solchen Beschränkung wäre als „Gute Unternehmensführung“ analog auf den Wechsel in den Vorstand aus dem Aufsichtsrat heraus anzuwenden, die Störung der Unabhängigkeit und die Durchbrechung der vorgesehenen Gewaltenteilung im deutschen Vorstand-/Aufsichtsratsmodell ist doch mit den Händen zu greifen.

Interview: Jens Heitmann

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