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Flüchtlingskrise: Sind die Medien Schuld?

Debatte im Schloss Herrenhausen Flüchtlingskrise: Sind die Medien Schuld?

Politischer Journalismus in der Kritik: Experten aus Rundfunk und Zeitung, Migrationsforscher, Medienwissenschaftler und Politiker debattieren in der Reihe "Herrenhausen Extra" im Tagungszentrum Schloss Herrenhausen über die Wirkungsmacht von Medien in der Flüchtlingskrise.

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Im Tagungszentrum Schloss Herrenhausen wurde über das Thema Journalismus in der Flüchtlingskrise debattiert.

Quelle: Surrey

Hannover. "Die Medien sind an allem schuld". Dem schlichten Spruch auf der Postkarte an der Tür einer Kollegin wollte Christoph Klimmt vom Journalistik-Institut der hannoverschen Hochschule für Musik, Theater und Medien sich nicht anschließen. Zum Anlass, die zentrale Frage einer Veranstaltung in der Reihe "Herrenhausen Extra" der VolkswagenStiftung und der Musikhochschule zu stellen, nahm er sie doch. "Die Flüchtlingskrise - eine Krise des Journalismus?" war sie übertitelt. Wie viel Verantwortung tragen die Medien an der Entwicklung der Flüchtlingskrise? Wie beeinflussen, ja steuern sie die öffentliche Meinung? Darüber diskutierten Experten aus Zeitung und Rundfunk, Wissenschaftler und Politiker, jetzt im Tagungszentrum von Schloss Herrenhausen.

Experten aus Rundfunk und Zeitung, Migrationsforscher, Medienwissenschaftler und Politiker debattieren in der Reihe "Herrenhausen Extra" im Tagungszentrum Schloss Herrenhausen über die Wirkungsmacht von Medien in der Flüchtlingskrise.

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Gerhard Vowe, Medienwissenschaftler an der Universität Düsseldorf, hob vor allem die Rolle der sozialen Medien hervor. Facebook und Co. seien es, mit deren Hilfe auch Menschen aus dem eher rechts gerichteten Spektrum einander jetzt öffentlich versichern könnten, dass sie mit ihren Ansichten nicht alleine sind. Eine "Schweigespirale" werde durch sie durchbrochen. Es werde sichtbar gemacht, dass ein "erklecklicher Teil der Bevölkerung" ausländerskeptisch oder sogar ausländerfeindlich sei. Diesen Teil habe es aber immer schon gegeben. Damit, dass dieser Teil sich organisiere und protestiere, müsse man leben: "Die etablierten Medien können da wenig ausrichten."

Was sie doch tun können, brachte Hendrik Brandt, Chefredakteur der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung auf den Punkt. Man müsse reflektiert, souverän, mit der Stimmungsdynamik umgehen, die von dort ausgehe. Man befinde sich auf dem Weg von den Massenmedien hin zu einer Masse Medien, sagte Brandt. Journalisten hätten vor allem Facebook, eine Art öffentlichen Marktplatz, auf dem wie auf dem realen Markplatz über alles Mögliche gequatscht und geredet werde, lange unterschätzt. Man dürfe nicht für bare Münze nehmen, was dort stattfinde, aber es zu ignorieren, Hinweisen, Fragestellungen von dort nicht nachzugehen, sei auch falsch. 

Dass auch die Politik ihren Teil dazu beigetragen habe, dass eine Partei wie die AfD bei Landtagswahlen so viele Stimmen gewinnen konnte, hob Claudia Spiewak, Chefredakteurin NDR Hörfunk, hervor. Eine sehr große Koalition habe sich um den moralischen Imperativ geschart, dass man Flüchtlingen helfen müsse. Die Zweifel vieler Menschen daran hätten im politischen Diskurs kaum eine Rolle gespielt.

Und was für ein Zeugnis stellten Migrationsforscher, stellte die Politik den Medien aus? Ein erstaunlich gutes: Sie halte sehr viel vom deutschen Journalismus, sagte die Landesbeauftragte für Migration, Doris Schröder-Köpf. Sie wünsche sich lediglich ein wenig mehr Gleichmut, nicht im Sinn von Desinteresse, sondern im Sinn von Distanz, in der Berichterstattung. Das politische Geschäft sei ein langsames, Gesetze ließen sich nicht im Schnelltempo ändern. Ruhe helfe den Akteuren in der Flüchtlingspolitik.

Migrationsforscher Olaf Kleist von der Uni Osnabrück lobte ausdrücklich:  Es sei eine Herkulesaufgabe für Medien wie für die Wissenschaft, ein Thema wie die Flüchtlingskrise in all ihrer Komplexität abzubilden: "Ich bin recht beeindruckt, wie gut das Journalisten gelingt."

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