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Aus der Stadt Explosive Mischung in Hannovers Flüchtlingsheimen?
Hannover Aus der Stadt Explosive Mischung in Hannovers Flüchtlingsheimen?
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00:15 28.04.2017
Von Andreas Schinkel
"Jetzt hängen sie in einem kleinen Zimmer fest": Bewohner der Massenunterkunft im früheren Maritim-Hotel beobachten einen Feuerwehreinsatz. Quelle: HAZ
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Hannover

Gravierende Taten, etwa schwere Körperverletzungen, finden nach Einschätzung der Polizei überwiegend innerhalb der Flüchtlingsgruppen statt. Einen hohen Anstieg verzeichnen die hannoverschen Ermittler beim Schwarzfahren (plus 70 Prozent) sowie bei sexuellen Übergriffen. Für Flüchtlingshelfer und Sozialarbeiter sind die Daten nicht überraschend. „Wo junge Menschen auf engem Raum auskommen müssen, sind Aggressionen nicht auszuschließen“, sagt Gerhard Spitta, zweiter Vorsitzender des Unterstützerkreises Flüchtlingsunterkünfte.

In Hannover sind inzwischen alle Massenunterkünfte geschlossen, weil die Zahl der Zuwanderer deutlich abgenommen hat. Lediglich im ehemaligen Maritim-Hotel gegenüber dem Rathaus leben noch mehrere Hundert Menschen unter einem Dach. Da sich die gestiegenen Kriminalitätszahlen auf das vergangene Jahr beziehen, ist ein Zusammenhang zwischen beengter Unterbringung und Aggressionen nicht auszuschließen.

Sehnsucht nach den Familien

Eine Sozialarbeiterin, die seit vielen Jahren Flüchtlinge betreut, spricht von einer „explosiven Mischung“ in manchen Heimen. „Viele der jungen Männer haben ihr Leben aufs Spiel gesetzt, um nach Deutschland zu kommen, und jetzt hängen sie in einem kleinen Zimmer mit Fremden fest“, erzählt sie. Sie warten schier endlos auf ihre Asylanhörungen und sind enttäuscht, dass sie ihre Familien nicht nachholen dürfen. „Wenn dann der Zimmerkumpan alle Zigaretten wegraucht, kann es knallen“, sagt die Sozialarbeiterin. Hinzu komme ein gewisses „arabisches Machogehabe“ und möglicherweise eine Verrohung durch jahrelanges Überleben in einem vom Bürgerkrieg zerrissenen Land.

Das bestätigt Flüchtlingshelfer Spitta vom Unterstützerkreis. „Manche kommen mit der Freiheit nicht zurecht“, sagt er. Wer aus strengen, islamischen Haushalten stamme, habe auf Frauen einen anderen Blick. „Ich rate den Flüchtlingen immer: Das wird hier alles nur funktionieren, wenn ihr euch anpasst und Geduld beweist“, sagt Spitta. Das sei allerdings leichter gesagt als getan. Er wünscht sich von der Bürokratie mehr Flexibilität. Auch das Deutsche Rote Kreuz (DRK), Betreiber mehrerer Heime, meint, dass die Ungewissheit während des Asylverfahrens den Menschen zusetzt.

„Rückzugsraum fehlt“

Irene Wegener, Leiterin des Flüchtlingsheims am Döhrener Turm, ist sich sicher, dass die Art der Unterbringung erhebliche Auswirkungen auf die Psyche der Asylsuchenden hat. „Wenn der persönliche Rückzugsraum fehlt, liegen die Nerven blank“, sagt sie. Das habe sie jüngst bei einer Übernachtung in einer überfüllten Pilger-Herberge erfahren. „Für sexuelle Übergriffe von Flüchtlingen habe ich kein Verständnis“, sagt Wegener.

In der Kommunalpolitik ist Satire so eine Sache. Dass sie manchmal einem ernst gemeinten Vorschlag eher schadet, musste jetzt die Satirepartei Die Partei im Jugendhilfeausschuss lernen. Dort trug Neu-Mitglied Oliver Förste mehrere Anträge zur Legalisierung von Cannabis vor. Diese wurden alle abgelehnt.

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