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Fachgerichtszentrum ist nun offiziell eröffnet

31 Millionen Euro Fachgerichtszentrum ist nun offiziell eröffnet

Die Lobeshymnen für das neue Fachgerichtszentrum (FGZ) dauerten eineinhalb Stunden, kleine Kritikpunkte kamen erst im Anschluss an die Feierstunde zur Sprache. 120 Gäste waren zur offiziellen Eröffnung des Neubaus in die Leonhardtstraße 15 gekommen.

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Das Fachgerichtszentrum in der Leonhardtstraße ist eröffnet.

Quelle: Rainer Surrey

Hannover. Von einem „leistungsfähigen Justizgebäude, das funktional und architektonisch gelungen ist“, sprach Justizministerin Antje Niewisch-Lennartz. Markus Koch vom Baukonzern BAM nannte es ein „Top-Gebäude“, das das Land Niedersachsen zu „Top-Konditionen“ auf den Weg gebracht habe: „Da kann sogar ich als Schwabe noch was lernen.“

Im Gerichtsviertel sind nun fünf Fachgerichte zu finden, die zuvor über mehrere Stadtteile verstreut lagen: Arbeits- und Landesarbeitsgericht, Sozial- und Verwaltungsgericht Hannover sowie das Niedersächsische Finanzgericht. Mehrere Redner hoben hervor, dass man sowohl den geplanten Zeitrahmen von zwei Jahren als auch die Kostenkalkulation für das Bauprojekt eingehalten habe: Gut 31 Millionen Euro war der fünfgeschossige Komplex teuer. Unisono wurde die gute Zusammenarbeit aller Beteiligten gelobt, zu denen auch etliche Juristen der fünf Gerichte gehörten.

Ein privates Konsortium mit dem Architektenbüro Hentrich-Petschnigg & Partner, der Firma BAM und der für die Vermietung zuständigen LHI Leasing GmbH plante, baute und vermarktete das Gebäude; ein wichtiger Finanzier war die Gothaer Versicherung. Das Land Niedersachsen hat das FGZ seit dem 1. Juli 2015 für 30 Jahre angemietet. Die jährliche Miete liegt zunächst bei 1,8 Millionen Euro, unter Einschluss aller Synergieeffekte soll das Zentrum den Staat weniger kosten als die bisherige Summe für die dezentral gelegenen Immobilien. 2045 kann das Land zwischen drei Optionen wählen: den Mietvertrag um weitere 30 Jahre verlängern, den Komplex ankaufen – oder ausziehen.

Nur das barrierefreie Erdgeschoss mit seinen 23 Sitzungssälen sowie diversen Besprechungs- und Mediationsräumen steht dem Publikum offen. Dort weisen ertastbare Elemente Sehbehinderten den Weg, verkünden elektronische Anzeigetafeln die Sitzungstermine. Die Büros sind bescheiden dimensioniert, selbst die Präsidenten müssen sich mit bis zu 24 Quadratmeter großen Amtszimmern begnügen. Straßenseitig ist das Gebäude mit gelblichem Vollklinker versehen, der eine farbliche Nähe zum nahen Amtsgericht herstellt. Ein Stachel im Fleisch der ebenmäßigen Architektur ist an der Ecke von Augusten- und Ferdinandstraße zu finden: Der Eigentümer des weiß verblendeten Wohnhauses inklusive Spielhalle wollte dem Land seine Immobilie nicht abtreten.

Hier und da hakt es auch noch ein wenig. Die 385 im FGZ Beschäftigten nervt die zeitaufwendige Passage durch die – reparaturanfällige – Eingangsschleuse, hier wird über Alternativen diskutiert. Die elf Fahrradbügel vor der Tür stehen zu eng aneinander und reichen oft nicht aus; dass es in der Tiefgarage 96 weitere Rad-Stellplätze gibt, wissen viele Besucher nicht. In der öffentlichen Tiefgarage, von einer Bahn-Tochter betrieben, herrscht noch gähnende Leere – die im Gericht tätigen Autofahrer lösen lieber ein halb so teures Monatsticket für das Parkhaus am Hauptbahnhof. Spannender noch könnte mittelfristig die Frage werden, ob der Platz im Neubau ausreicht. Wenn das Verwaltungsgericht wegen der Flüchtlingswelle personell weiter aufgestockt wird oder der VW-Abgassskandal das Arbeitsgericht erreicht, dürfte es arg eng werden im FGZ. 

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