Die Zukunft in Hannovers Kleingartenanlagen könnte eine blühende sein. Denn obwohl einige Vereine derzeit mit freien Gärten, der Überalterung ihrer Mitglieder oder der Umstellung auf eine immer wichtiger werdende Integrationsarbeit zu kämpfen haben, verstehen viele den sich bereits seit längerer Zeit im Gange befindenden Wandel des Kleingartenwesens auch als Chance.
Auf einer Fachtagung in Ahlem diskutierten die Vorsitzenden der hannoverschen und weiterer niedersächsischen Verbände und Vereine am Sonnabend zusammen mit Fachleuten und Politikern darüber, wie man die Probleme lösen kann. Durch Kooperationen mit Kindergärten und Schulen zum Beispiel, oder mithilfe sozialer Projekte, waren dabei einige Vorschläge.
Es seien vor allem die Familien, die den Vereinen im Moment fehlten, beklagten die Kleingärtner – auch in Hannover. Jüngere Interessenten gebe es zwar, aber die wollten sich oft zusammenschließen, um ein Gartengrundstück zu bewirtschaften. Ein Wunsch, der in einigen Anlagen aber nicht gern gesehen wird. Manche Kleingärtner fürchten Vernachlässigung, wenn mehrere Personen sich um eine Parzelle kümmern. „Es ist aber an der Zeit, sich den veränderten Bedingungen anzupassen“, sagte deshalb Ulrich Mädge, Oberbürgermeister von Lüneburg und Vorsitzender des Niedersächsischen Städtetages, zu Beginn einer Podiumsdiskussion. Die Tagung der Kleingärtner fand in den Räumen der Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau in Ahlem statt. Mädge sagte, man könne zum Beispiel auf freien Parzellen auch Kinderkrippen integrieren und somit den Nachwuchs früh an die Gartenarbeit heranführen.
Von einem weiteren Ansatz berichtete Jürgen Roemer, Vizepräsident des gastgebenden Landesverbandes Niedersächsischer Gartenfreunde (LNG). In einigen niedersächsischen Kolonien gebe es Projekte, in denen Arbeitslose Parzellen in Kleingartenanlagen mit Obst- und Gemüseanbau bewirtschafteten. Die Erträge gingen dann an die ortsansässige Tafel, erklärte Roemer. Der Nutzen liege auf der Hand: „Den Arbeitslosen macht die Arbeit Spaß, und Bedürftigen kann geholfen werden“, sagte Römer.
Eine weitere Herausforderung in vielen Kleingartenkolonien ist zudem die zunehmende Zahl an Pächtern mit Migrationshintergrund. Die Folge seien zunehmende Sprachprobleme untereinander – das erleben auch Kleingärtner in Hannover immer wieder. „Vielen von uns fällt der Umgang mit ihnen schwer, das gebe ich zu“, sagte LNG-Präsident Hans-Jörg Kefeder. Stefan Schostok, SPD-Fraktionsvorsitzender im Niedersächsischen Landtag, wies aber auf die Wichtigkeit der Aufgabe hin, zumal das Kleingartenwesen auch eine soziale Verpflichtung habe. „Kleingartenvereine sind eine große Möglichkeit, Integration in einer Stadt voranzubringen“, sagte er.
Dass das schon vielfach gängige Praxis sei, berichteten einige Kleingärtner im Publikum. „In unserer Anlage sind es 20 Prozent, die schlecht deutsch sprechen. Aber sie geben sich alle Mühe und erfüllen ihre Aufgaben“, erzählte ein Kleingärtner aus Ahlem. Ein anderer wies daraufhin, dass man auf die Migranten zugehen und sie einbinden müsse. „Wenn wir zusammenarbeiten, dann können sie auch die Sprache besser lernen.“
Die Ergebnisse der Fachtagung, auf der es auch noch um weitere Probleme wie beispielsweise die steigenden Nebenkosten der Anlagen ging, sollen den Kleingärtnern als Grundlage für ein für Anfang Dezember geplantes Gespräch mit der niedersächsischen Landwirtschaftsministerin Astrid Grotelüschen dienen. Bei dem Treffen soll es um die Zukunft des Kleingartenwesens im Land gehen.
Vor zu vielen gesetzlichen Änderungen warnten Funktionäre am Sonnabend allerdings. „Weniger ist oftmals mehr“, mahnte der Präsident der hannoverschen Kleingärtner, Karl-Heinz Rädecker, der im Publikum saß. Man dürfe sich nicht zu sehr auf den Gesetzgeber verlassen, sondern müsse die Probleme selbst in Angriff nehmen.
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