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Asperger-Syndrom bringt Lehrer an Grenzen

Inklusion Asperger-Syndrom bringt Lehrer an Grenzen

Bei einer Fachtagung zur Inklusion in Schulen wirbt Kultusstaatssekretärin Erika Huxhold für Akzeptanz und Verständnis und eine enge Zusammenarbeit von Lehrern, Sonderpädagogen und Eltern. Doch das klappt nicht immer. Und gerade bei Kindern mit Asperger-Syndrom fühlen sich Lehrer überfordert. 

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Quelle: dpa (Symbolbild)

Hannover. Alexander* hat seine Lehrerin geschlagen, getreten, ja sogar gebissen. Und er hat seinen Schulbegleiter attackiert. Alexander hat das Asperger-Syndrom, eine Form des Autismus. Passiert ist all das auf einer Regelschule, wo Alexander in die 5. Klasse ging. Und wie es aussieht, hat das eine mit dem anderen zu tun.

„Die Verwirklichung der Inklusion im Alltag ist ein umfassender gesamtgesellschaftlicher Veränderungsprozess, der all unsere Kräfte fordert.“ Das hat Kultusstaatssekretärin Erika Huxhold am Donnerstag bei einer Fachtagung zum gemeinsamen Unterricht von Kindern mit und ohne Handicap vor rund 150 Teilnehmern gesagt. Damit Inklusion gelingen könne, brauche man Akzeptanz, Zeit und Kontinuität, zudem müssten alle Akteure, also die Lehrer an Regelschulen, Sonderpädagogen, Schulbegleiter, Therapeuten und Eltern, an einem Strang ziehen. Dagegen ist nichts zu sagen. Aber ist es so einfach?

Lehrer oft überfordert

Denn genau an dieser Zusammenarbeit hapert es oft – mal aus Unwissenheit, mal aus Unverständnis. Gerade bei Kindern mit Asperger-Syndrom fühlen sich Lehrer überfordert. Es handelt sich dabei um eine ausgeprägte Kontakt- und Kommunikationsstörung. Erkrankte können ihre Gefühle nicht ausdrücken und sich nicht in andere hineinversetzen. Körperliche Nähe ist ihnen unangenehm. Wenn ein Lehrer einem Kind mit Asperger-Syndrom zu nahe kommt, reagiert es aggressiv, weil es sich nicht anders zu helfen weiß. So wie jetzt Alexander.

Mit einer Lehrerin sei es wiederholt zu Spannungen gekommen, erzählt sein Vater. Einmal habe sie den Jungen an den Handgelenken gepackt und aus der Klasse gezogen, weil er im Unterricht nicht mitgemacht habe. Daraufhin sei Alexander ausgerastet, es kam zu den Schlägen, Tritten und Bissen. Es gab zwei Klassenkonferenzen. Die Lehrerin erstattete Anzeige gegen den Elfjährigen wegen Körperverletzung, obwohl er noch gar nicht strafmündig ist. „Wir fühlten uns davon völlig vor den Kopf gestoßen“, sagt sein Vater. Einen Brief der Eltern mit der Bitte um Erklärung hat die Lehrerin bis heute nicht beantwortet. Vonseiten der Schulleitung heißt es, der Junge habe ein Problem mit der Selbstkontrollfähigkeit gehabt, der Umgang mit Regeln sei für ihn schwierig gewesen. Man wisse, dass Asperger-Kinder feste Strukturen bräuchten und jede Stundenplan- oder Raumänderung und jeder Vertretungslehrer sie unter Stress setze. Andererseits sei das Asperger-Syndrom auch „kein Freibrief für Fehlverhalten“, sagt die Schulleiterin.

8400 Inklusionskinder an Regelschulen in Hannover

Im vergangenen Schuljahr wurden rund 8400 Inklusionskinder in den Jahrgängen 1, 2, 5 und 6 an Regelschulen unterrichtet. Wie viele Schüler davon am Asperger-Syndrom leiden, ist unklar. Nach Expertenschätzungen kommt es unter rund 10 000 Schülern bei zwei bis drei Kindern vor, Jungen erkranken daran achtmal so häufig wie Mädchen.

Alexanders Eltern vermissen Konzepte zum Umgang mit Asperger-Kindern. Sie haben ihren Sohn von der Regelschule genommen. Der Elfjährige besucht jetzt seit vier Wochen eine Förderschule. Hier fühle er sich richtig wohl, sagt sein Vater. „Es gibt Grenzen der Inklusion“, meint die Leiterin seiner alten Regelschule.

* Name von der Redaktion geändert.     

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