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Nicht lang fackeln – ab in den Maschsee

Fackelschwimmen auf dem Maschseefest Nicht lang fackeln – ab in den Maschsee

Tausende Menschen beobachten traditionell beim Maschseefest, wie die Fackelschwimmer hannoverscher Vereine den Maschsee in ein besonderes Licht tauchen. Doch wie ist es wohl, selbst durch die flachen Fluten zu schwimmen? Ein Selbstversuch – mit einer unliebsamen Begegnung.

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Im Reich der Karpfen: HAZ-Volontär Nils Oehlschläger hat sich unter die Fackelschwimmer auf dem Maschseefest begeben.

Quelle: Steffen

Hannover. Die Liste macht mich nervös. Ein Problem damit, meinen Namen für die Teilnahme am Fackelschwimmen anzugeben, habe ich nicht. Aber dann ist diese Spalte mit dem Titel „zurück“ daneben. Was soll das heißen - „zurück“? „Jeder Fackelschwimmer muss sich melden, wenn er wieder da ist“, erklärt Ortwin Posselt, Erster Vorsitzender beim TSV Anderten. Immerhin ist die Strecke nicht ganz ohne: Von der Mitte des Westufers geht es einmal über den See, dann am Ostufer runter bis zum Fackelträger und noch ein kleines Stück am Nordufer bis zum Courtyard Hotel. Etwa zwei Kilometer, schätzt Posselt. Dafür bräuchten wir rund 90 Minuten. Halb so wild, denke ich. Der Maschsee ist doch nur zwei Meter tief. Dennoch – auch in diesem Jahr erzählen sich manche Fackelschwimmer noch die Geschichte von dem Mann, der vor zwei Jahren leblos im Wasser trieb, als die Vereinstaucher ihre traditionelle Runde durch den Maschsee zogen. Dass wir von den Johannitern begleitet werden, ist mir nur recht.

#Fackelschwimmen #Maschsee #Maschseefest - Spherical Image - RICOH THETA

Auch vor etwas anderem graut es mir. Wovor - das weiß jeder, dem schon mal ein Keks in den Maschsee gefallen ist. Schnell tummeln sich an dieser Stelle haufenweise Karpfen, die jeder für sich auch noch einen halben Meter messen. Ich male mir aus, wie einer dieser Riesenfische meinen Finger mit einem Stück Brot verwechselt und einmal kräftig daran nuckelt. Bah! Muss nicht sein. Wenn das passiert, würde jeder erst einmal vor Schreck zusammenzucken, bin ich mir sicher.

Das Fackelschwimmen ist seit Jahren fester Bestandteil des Maschseefestes – und sorgt immer wieder für eine beeindruckende Aussicht. Auch in diesem Jahr verwandelten die Schwimmer den See wieder in ein Lichtermeer.

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Ein wenig Schutz bietet immerhin der Neoprenanzug, den mir Jugendwartin Anja Kelm übergibt. Nicht jeder freue sich uneingeschränkt, durch den Maschsee zu schwimmen, erzählt sie. Schnell findet sie bei einer Vereinskollegin Zuspruch. „Eine Freundin hat mich gezwungen“, scherzt sie. Sie werde Acht geben, nicht zu viel „modderiges“ Wasser aus dem See ins Gesicht zu bekommen. Der Großteil freue sich jedoch über die stimmungsvolle Maschseerunde, sagt Kelm. „Es kommt aber auch auf das Publikum an.“ Es sei schon mal vorgekommen, dass Becher nach den Fackelschwimmern geworfen wurden. Oft feuerten die Besucher sie jedoch kräftig an. „Dann macht das halt echt Spaß.“ Ich zwänge mich in meinen Anzug und ziehe meine Taucherschuhe an. Alles muss dicht sein - „damit das Wasser nicht zirkulieren kann“, sagt Posselt. Ist das kalte Wasser erst einmal im Anzug, kann es sich aufheizen und mich wärmen. Heimlich hoffe ich, dass der Maschsee nicht allzu kalt ist.

Glücklicherweise ist er es nicht. Mit Schwimmflossen bekleidet mache ich meine ersten Schritte ins Wasser auf dem Geröll am Uferrand. „Geh besser rückwärts“, ruft mir ein Taucher zu. Mensch, das ist ja nett, denke ich mir. „Beim Tauchen achtet jeder auf den anderen“, erklärt Posselt. Rivalität gebe es unter den Vereinen sowieso nicht – immerhin werde Tauchen kaum als Wettkampfsport ausgeübt. So lassen sich auch die 130 weiteren Fackelschwimmer gemächlich ins Wasser gleiten, helfen sich beim Entzünden der Fackeln und steuern das gegenüberliegende Ostufer an. Bei mir klappt das nicht ganz so elegant. Die Fortbewegung mit Flossen erfordert besondere Geschicklichkeit. Dabei ist das flache Gewässer nicht gerade förderlich: Ständig stoße ich auf den Grund. Von den Mitschwimmer in meiner näheren Umgebung schaue ich mir schnell ab, rückwärts zu schwimmen.

Auch am Sonnabend des zweiten Wochenendes auf dem Maschseefest zog es wieder Tausende Besucher ans Ufer.

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„Linke Flosse, rechte Flosse – Schwapp schwapp schwapp!“, rufen die Fackelschwimmer an der Spitze, als wir an der Ostseite angekommen sind. Die Besucher am bunt beleuchteten Ufer lächeln zurück. Also legen die Taucher noch einen drauf. „Kommt rein, ist warm!“ Will aber offenbar keiner – grinsen müssen einige trotzdem. Auch meine Mitschwimmer lassen sich nicht lumpen.

„Der TSV Anderten begrüßt die Gäste des Maschseefests mit einem dreifachen 'Gut Luft, gut Luft, gut Luft'!“, schreit vor allem der Nachwuchs aus voller Kehle. Auch die Taucher von Waspo Hannover machen ordentlich Stimmung. Viele Festbesucher stehen am Ufer, filmen und fotografieren mit ihren Smartphones. Ein Mann von Beckenrand ist scheinbar interessiert, wie es wohl ist im Maschsee zu schwimmen. „Könnt ihr da stehen?“, fragt er. „Klar, antworten zwei junge Taucher. Auch ich merke, wie ich mich wieder auf meine Flossen konzentrieren muss.Wir schwimmen an so mancher Getränkedose vorbei. Auch verfangen sich meine Finger hin und wieder in Algen oder Gras. Vor den Karpfen wähne ich mich sicher – zu groß ist der Radau, den die Fackelschwimmer machen. Hin und wieder gibt es kurz Verwirrung, ob nicht doch ein Fisch an meinem Bein entlang geschwommen ist. Och glücklicherweise entschuldigt sich kurz darauf mein Nebenmann, mich berührt zu haben.

Fortbewegen tue ich mich nach etwa einer Stunde im Wasser fast wie von selbst. Das Neopren hält mich an der Wasseroberfläche, selbst wenn ich mich nicht bewege. Und mit den Flossen muss ich kaum arbeiten. Bald sind wir am Nordufer angekommen und es ist geschafft – kaputt bin ich aber nicht. Viele Besucher jubeln den Tauchern zu, wenn diese mal wieder ihren „Schlachtruf“ abgegeben haben. Von einem Boot, das uns begleitet, schallt Musik zu uns herüber – fast wie im Urlaub. Auch das Wasser in meinem Anzug ist angenehm warm. Sehr entspannte Atmosphäre, finde ich, während ich mich treiben lasse.

Seicht streicht etwas im Wasser an meine Hand. Wieder Algen oder ein Blatt, denke ich, und schüttele es weg. Dabei haue ich ungewollt den Fisch. Mit Wucht donnert der kräftige Karpfen gegen mein Knie und sucht dann schnell das Weite. Von einem Moment auf den anderen schlägt mir das Herz bis zum Hals. Fast hätte ich es geschafft, unfallfrei durch den Maschsee zu kommen. Schnell ziehe ich mich auf die Treppe am Courtyhard Hotel und lege die Flossen ab. Ich bin gerade das erste mal in meinem Leben durch den Maschsee geschwommen – und das gleich im Flammenschein der Fackeln. Im selben Zug erledige ich noch einen weiteren Punkt auf meiner To-Do-Liste mit Dingen, von denen ich nie wusste, dass ich sie einmal abhaken könnte: In einem klitschnassen Neoprenanzug durch das dichte Gedränge am Nordufer zu spazieren. Zurück am Olympiastützpunkt ist nur noch eines zu tun: „Zurück“.

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