Es ist halb eins gestern Mittag am hannoverschen Hauptbahnhof, da lehnt ein Fahrgast im weißen Hemd auf den Stufen seines ICE von Berlin nach Köln, hat Schweißperlen auf der Stirn und zieht an seiner Zigarette. Ja, sagt er, es sei wie es wirkt, die Klimaanlage in seinem Waggon sei defekt. „Der Zugbegleiter war sehr nett, aber was hilft es, es ist eben verdammt heiß da drin.“ Und was jetzt? „Viel Apfelschorle trinken und weiter schwitzen.“
Es bleibt einer der wenigen Zwischenfälle mit überhitzten Zügen am Hauptbahnhof an diesem Tag. Die meisten Fahrgäste sind guter Dinge, als sie ihren Zügen entsteigen, ob ICE oder Regionalexpress. Wunderbar kühl sei es gewesen im Zug, sagen ein paar Schülerinnen, „alles o.k.“, sagt ein Mittzwanziger und hebt den Daumen.
Immerhin, die Episode aus dem Zug von Berlin nach Köln stützt die These des Fahrgastverbandes Pro Bahn. Der hat den Verdacht, dass die Bahn aufgrund der Probleme an ICE-Achsen zurzeit alles auf die Schiene schickt, was nicht zur Achsreparatur in der Werkstatt ist – ob nun Toilette oder Klimaanlage funktionieren oder nicht. „Die tun derzeit alles, um die Fahrpläne der ICEs einhalten zu können“, sagt Sascha Zastrow, der Sprecher des Verbandes. Betroffen seien hauptsächlich ICEs der zweiten Generation, und die seien hauptsächlich auf der Strecke Berlin–Köln unterwegs.
Immer mal wieder blinkt an der Anzeigentafel auf, einzelne Wagen von Zügen seien gesperrt. So in dem, der um 14.26 Uhr auf Gleis 4 ankommt und weiter nach München fahren soll. Die Fahrgäste, die in Hannover aussteigen, wirken entspannt, sie wurden in anderen Waggons untergebracht.
Aus der Bahn-Zentrale in Berlin heißt es, solange den Fahrgästen andere Plätze innerhalb des Zuges angeboten werden könnten, halte man nicht den kompletten Zug an. Allerdings hält die Unternehmenssprecherin sich etwas vage: Im Zweifelsfall komme es immer auf die Temperatur im Zug an. Auch, dass kein Fahrgast trotz Reservierung stehen müsse, könne man nicht hundertprozentig versprechen. Man ist etwas zugeknöpft bei der Bahn in diesen Tagen. Aber so viel sei gesagt: In Norddeutschland sei an diesem Mittwoch kein Zug wegen defekter Klimaanlagen ausgefallen.
Inzwischen will Elke Geffert aus Schneverdingen auf Gleis 4 den zehnjährigen Jamil und die siebenjährige Halimar in den Zug zu Mama nach Mannheim setzen. Und macht sich Sorgen: „Sie haben zwar Getränke dabei, aber ich traue mich kaum, die beiden in den Zug zu setzen, wenn es da drin so heiß werden kann.“ Die Verunsicherung, so viel ist sicher, bleibt.
Felix Harbart und Tobias Morchner
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Kommentare
@antiraucher Stöckener – 15.07.10
Möchte ich noch vertiefen:"Mann im weißen Hemd" - ich vermute, dass sich damit als Synonym verbinden soll: Ein "Schlipsträger", der sich zur "gehobenen Schicht" zählt.
Einem solchen sollte man so viel Intelligenz zurechnen, dass er erkennt, dass Hbf Hannover sich rühmt, raucherfrei zu sein, und außerdem mit seinem "Glimmstengel" nichts zum Klimaschutz und Veringerung der momentanen Hitzewelle beiträgt.
Sorry, wie man sich irren kann.
@Carlo Stöckener – 15.07.10
Bin von Ihrem Kommentar begeistert (ohne Sarkasmus)und stimme voll zu.Die Chance, Provisionen von Kontrolleuren zu schmälern, besteht eigentlich nur darin, dass man eine gültige Fahrkarte hat!!! Andererseits müssen die auch für ihren Lebensunterhalt sorgen.
Witzige Episode: 3x Kontrolle innerhalb von knapp 2 Stunden auf Linie 1. Beim dritten Mal wunderten sich die Mitfahrer, dass der Kontrolleur nur schmunzelte nud sagte, dass er meinen Fahrschein schon kenne - Hintergrund: Es war wie bei den vorherigen Kontrollen immer die selbe Person aus dem Kontrolleurteam.
Wieso? Antiraucher – 15.07.10
Wieso raucht der Typ ausserhalb der Raucherzone und belästigt damit ohnehin gequälte andere Fahrgäste?Wieder ein Versäumnis der Bahn, die die Interessen ihrer Kunden einfach nicht berücksichtigt.
Ich fahre am liebsten Metronom...
Weg mit der Bahn!
Klimakontrolle Thomas – 15.07.10
Ich frage mich nur, wie die Menschheit bis heute ohne Klimaanlagen überleben konnte...Und zu den Kontrolleuren: Als Fahrgast mit Fahrkarte erwarte ich von einem Kontrolleur auch nicht mehr Worte als "Guten Tag! Fahrkarte bitte!" Ist doch alles gesagt!?
@Freund Carlo – 15.07.10
Ganz toller Beitrag über ein megatolles Verhalten.Dem „Kind“ wird also suggeriert, du kannst ruhig schwarz fahren; da kommt schon irgendein netter Onkel der dich mit einer faustdicken Lüge raushaut. Und hunderttausend ehrlichen Kunden der ÜSTRA wird mal wieder bewiesen: ihr seid doch bekloppt einen Fahrschein zu kaufen. Nicht nur bei der überbordenden Hitze blenden nicht wenige Leute aus, dass die von Schwarzfahrern verursachten Kosten von der Gemeinschaft der Fahrkartenzahler und/oder der Gemeinschaft der Einkommensteuerzahler getragen werden müssen.
Es ist nur noch die Frage zu beantworten, ob das lustvoll beschriebene asoziale Verhalten von „Freund“ schlimmer ist als der Fehler des Kontrolleurs, „Freund“ nicht einfach hochkant aus der Bahn zu werfen, um den Kontrollvorgang ganz sorgfältig und für „Freund“ maximal zeitaufwendig auf dem Bahnsteig fortzusetzen.
Kontrolle Klaus – 15.07.10
@ Freund: Super Kommentar ;)Auch ich versuche, der Unfreundlichkeit der Üstra-Kopfgeldjäger immer sehr gelassen gegenüberzutreten und nehme mir immer sehr viel Zeit beim Herausholen meiner Monatskarte. Man will ja nicht hetzen, besonders bei diesem Wetter... Nur wenn ich dann drei oder sogar viermal am Tag kontrolliert werde, sage ich den Damen und Herren auch schon mal, dass sie mir gerade gehörig auf die Nerven gehen. Okay, sie machen ihren Job, aber ich habe erst EINEN EINZIGEN freundlichen Kontrolleur erlebt, der mehr Worte sprechen konnte als "Guten Tag, die Fahrscheine bitte!" und seine Gesichtsmuskeln beherrschten sogar die Kunst des Lächelns. Und ich bin mittlerweile 50!
Aber noch ein Tipp: bei diesem Wetter sollte man eh besser auf das Rad umsteigen ;)
Nahverkehr BS, H, WOB der Pendler – 15.07.10
Moinder Regional Express hat wie immer so um die 20 Grad. Aber in einigen Wagen machen die Klimaanlagen einen unerträglichen Lärm.
Aber man sollte nicht nur auf die Bahn schimpfen sondern auch auf den örtlichen Nahverkehr.
Dort herrschen ähnliche Verhältnisse, Fenster verschlossen, keine Klimaanlage und die Fahrer kennen keinen Umgang mit der Lüftung
Die Hitze kann jeder selbst abkühlen :) Freund – 15.07.10
@ HallaliGegen diese Verhältnisse kann jeder von uns ein Zeichen setzen.
Ich bleibe ein anständiger und hilfsbereiter Bürger. Oder wie die Üstra mit ihren Werbungen sagen will, ein rücksichtsvoller und zivilcouragierter Fahrgast.
Wenn ein Kontrolleur kommt, versuche ich mich von ihm zu entfernen. Wenn er mich verfolgt bleibe ich stehen und frage ganz höflich nach seinen Ausweis und was er genau will. Dann plaudere ich etwas mit ihm. Wie es für einen höflichen Menschen üblich ist. Ich frage z.B., ob es denn üblich ist, dass Frauen als Kontrolleure unterwegs sind und dass es doch ganz schön gefährlich ist. ...
Ich suche also gemütlich und in aller Ruhe nach dem Fahrschein. Wir sind ja schließlich nicht bei der Armee oder in der DDR, und der Kunde ist doch König.
Manchmal muss man sich den Respekt verdienen und seine Recht halt immer wieder verteidigen.
Ich sehe wie der Kontrolleur ein Kind erwischt, das keinen gültigen Fahrschein für die Zone hat.
Ich nenne das Kind Matze und sage dem Kontrolleur, er gehört zu mir - ist ja nach 19Uhr. Er glwubt mir nicht, wird rabiat und will seine Provision nicht verlieren und ich bleibe hart und höflich. Ich sage dem Kind, dass er seinen Ausweis rühig stecken lassen soll. wir haben ja einen gültigen Fahrschein und der Ausweis und seine Daten gehen somit Fremden nichts an.
Ich lächele, der starke Kontrolleur ist verunsichert und bekommt angst.
Steige bei der nächsten Station aus und zahlreiche Menschen danken mir dafür, dass der Kontrolleur keine Zeit mehr hatte ihren harten Tag noch härter enden zu lassen.
Fazit: Wenn es die Freundlichkeit und Kundenorientiertheit nicht von seiten des Unternehmens gibt, so kann jeder Kunde selbst einen Beitrag zu Liebe, Vernünft und Achtung leisten. Und das Klimaproblem ist schnell gelöst. Schwitzen ut da kaum einer mehr und sie alle haben ein glückliches Lächeln für den Tag.
Standort Deutschland und die Infrastruktur Hallali – 15.07.10
Also da sehe ich keine Bedenken bei dem Unternehmen Zukunft.In der Zukunft wird es Klimatisierte Sitzbezüge geben und bei Defekt einfach ausgetauscht.
Wenigstens wird man in ICE gut behandelt.
Bei der Üstra kriegt man eher einen Kollaps; wenn nicht durch die direkt den Rücken anstrahlende Sonne, dann doch durch den Hitzestau und die überfüllten Bahnen mit 37Grad starken Heizkörpern der Marke ungeliebter Fahrgast.
Und wenn dann noch wie bei der WM, die als Pärchen getarnten Kontrolleure auf Provision aus sind und junge Frauen mit ihren kleinen Kindern hinaus zerren und diese von Sammelanzeigen der Üstra bedroht werden, dann bekomme ich eher angst Fahrgast der Öffentlichen zu sein.
Mein Gott, wo treiben sie nur diese Kontrolleure aus. Der sah neulich aus wie ein Türsteher und seine ausgemagerte Freundin erinnerte mich eher an die Szene der kontrollierten Abgabe.
Liegt wohl an den Politikern in den Aufsichtsräten, wenn sich Manager solche Geschäftspraktiken zu eigen machen? Und dabei wollte die Regierung doch etwas gegen den aktuellen Missverhältnisse gegenüber den verdienten Mitarbeitern, Hungerlöhnen bei Höchstgewinnen und der Kundenbehandlung tun.
So wird es nur noch veraltete Technik und veraltete Züge geben. Denn welcher Mitarbeiter wird hier noch innovative mehr leisten als erwartet und welcher Kunde bleibt diesen Unternehmen treu?
Hitze... Stefan – 14.07.10
Bin heute zum Bahnhof gefahren, mit dem Auto ohne Klimaanlage - 45 Grad! Im Zug von Celle nach Hannover (Metronom) dann angenehme 20 Grad.Kein Zug ausgefallen??? Kaktus – 14.07.10
Also ein Zug soll von Berlin Ostbahnhof nach Schiphol (Airport) fahren.Er fährt aber nur von Berlin Ostbahnhof nach Hannover (an in Hannover: 16:37h +2 Minuten).
Aufgrund defekter Klimaanlage. Ich war im Zug. Die Temperatur war übrigens in meinem Wagen: 31,7 °C. (Reisewecker mit Thermometer)
Durchsage der Zugbegleiter: "Ist ein Arzt im Zug, bitte begeben Sie sich in den Wagen 6" und eine Durchsage später: "Eine Durchsage für den Fahrgast in Wagen 6, in Hannover wird der Notarzt am Bahnsteig anwesent sein."
Ist also der Zug (IC 142 vom: 14.07.10), Hannover nach Schiphol (Airport) ausgefallen?
"Aber so viel sei gesagt: In Norddeutschland sei an diesem Mittwoch kein Zug wegen defekter Klimaanlagen ausgefallen."
Vielleicht sollte sich die Unternehmenssprecherin der Bahn etwas besser Informieren.
Die Zugbegleiter haben übrigens informative Durchsagen gemacht und es wurde sogar ein andere ICE in Hannover verzögert, damit die Reisenden möglichst schnell zum Ziel kommen.
Weshalb gibt die Unternehmenssprecherin falsche Informationen an die Presse?
Liebe Haz, fragt doch bitte noch mal nach und bringt dann in der morgigen Ausgabe die Antwort ;-)
Prioritäten Leser – 14.07.10
im ICE wird geschwitzt - auf der A2 wird gestorben.