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Aus der Stadt Fall Helmut Kentler soll umfassend aufgearbeitet werden
Hannover Aus der Stadt Fall Helmut Kentler soll umfassend aufgearbeitet werden
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00:19 08.02.2018
Helmut Kentler. Quelle: ullstein bild
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Hannover

 Der Fall Helmut Kentler wird umfassend aufgearbeitet. Das gab das Wissenschaftsministerium (MWK) am Montag in einer Sitzung des Wissenschaftsausschusses des Landtags bekannt. Die Forscherin Teresa Nentwig vom Institut für Demokratieforschung in Göttingen erforsche die Rolle des umstrittenen Sexualwissenschaftlers im Pädosexualitätsdiskurs bereits in einem vom MWK geförderten Projekt, erläuterte der Referatsleiter des Fachbereichs Hochschulen, Stefan Jungeblodt, in dem Ausschuss. Dieses laufe noch bis Ende März 2018. Etwa sechs Monate später werde ein Abschlussbericht vorgelegt, hieß es.

Fest steht jetzt auch, dass die Göttinger Forscherin, die bereits die Verstrickungen Hinrich Wilhelm Kopfs in NS-Verbrechen aufdeckte, auch ein Gutachten über Helmut Kentler für die Universität Hannover erstellen wird. Der 2008 verstorbene Sexualwissenschaftler führte in Berlin Ende der Sechzigerjahre pädophile Experimente mit obdachlosen Jungen durch. Danach war er von 1976 bis 1996 an der heutigen Leibniz-Uni tätig. In dieser Zeit unterhielt er, wie erst jetzt durch Recherchen des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ bekannt wurde, bis in die Neunzigerjahre weiter Kontakt zu den betroffenen Jungen in ihren Pflegestellen. Kentler hatte selbst zudem drei Adoptivsöhne und mehrere Pflegesöhne.  Seine Rolle an der Leibniz-Universität in Hannover im Zusammenhang mit seinen pädosexuellen Theorien ist noch vollkommen ungeklärt. Im Wissenschaftsausschuss hatte die Landes-SPD den Antrag gestellt, die Parlamentarier über die Vorgänge rund um die Forschungen des umstrittenen hannoverschen Sexualwissenschaftlers zu unterrichten. 

Das auslaufende Forschungsprojekt des MWK liefere keine Antworten auf die Frage nach dem Umgang Kentlers mit der bundesweiten wissenschaftlichen Community sowie speziell nach dem Umgang mit der Leibniz-Universität und den Wissenschaftlern der dortigen philosophischen Fakultät, hieß es vonseiten des Wissenschaftsministeriums am Montag weiter. Gleiches gelte für die Frage, ob Kentler seine Anschauungen durch seine Lehre auch an Studierende weitergegeben habe. Die Klärung dieser Fragen sei allerdings von besonderer Wichtigkeit, betonte Jungeblodt.

Jörg Hillmer, Vize-Vorsitzender der CDU-Landtagsfraktion, betonte, dass es wichtig sei, die Schicksale der Opfer Kentlers mit in das Gutachten Nentwigs einzubeziehen. Es handele sich bei den Taten Kentlers um Vorgänge, die heute nicht mehr erklärbar seien. „Eine Frage ist doch, sind die Männer später in der Lage gewesen, ein einigermaßen normales Leben zu führen“, sagte Hillmer. Es sei zwar wichtig, den Fall Kentler wissenschaftshistorisch aufzuarbeiten, aber damit allein werde man den Leiden der Opfer nicht gerecht, sagte auch Silke Lesemann von der SPD-Fraktion. Man müsse auch überlegen, ob und wie man den Opfern ein öffentliches Forum bieten könne, um ihre Leidensgeschichte aufzuarbeiten. 

Die Leibniz Universität werde Nentwigs Gutachten auch noch um strafrechtliche Aspekte ergänzen, auch wenn diese möglicherweise verjährt seien, und eine Prüfung eines Persönlichkeitsrechtlers beifügen, sagte eine Sprecherin der Leibniz-Universität am Montag. 

Von Jutta Rinas

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