Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -8 ° wolkig

Navigation:
Fall Vanessa: Täter will höhere Strafe

Revision eingelegt Fall Vanessa: Täter will höhere Strafe

Nach dem Säureattentat auf seine Exfreundin Vanessa Münstermann ist Daniel F. Ende August zu zwölf Jahren Haft verurteilt worden. Erst akzeptierte er das Urteil, doch nun hat er Revision eingelegt. Er fordert dabei eine höhere Strafe für sich.

Voriger Artikel
HAZ live: Das war der Morgen in der Hannover
Nächster Artikel
Ist AfD-Politiker Mario Seebode ein Neonazi?

Revision eingelegt: Daniel F., der seine Exfreundin mit Säure überschüttete, will ein neues Gerichtsverfahren – und eine höhere Strafe für sich.

Quelle: dpa/Schaarschmidt

Hannover. Auf einen ungewöhnlichen Schritt ist ein noch ungewöhnlicherer gefolgt. Als Daniel F., der die 27-jährige Vanessa Münstermann mit einer Säureattacke extrem entstellt hat, am 25. August wegen schwerer Körperverletzung zu zwölf Jahren Haft verurteilt wurde, hatte er in aller Öffentlichkeit erklärt, die Strafe annehmen zu wollen. Nach Ansicht vieler Prozessbeobachter war dies der einzige Moment in dem Schwurgerichtsverfahren, in dem F. eine Art von Größe zeigte. Doch nun soll dieser Rechtsmittelverzicht nicht mehr gelten. Über seinen Verteidiger Max Malpricht legte der 33-Jährige Revision ein. Völlig verrückt erscheint ein Brief, den F. an den Schwurgerichtsvorsitzenden geschrieben hat: Darin wünscht sich der Säure­attentäter, nicht nur zwölf, sondern 15 Jahre im Gefängnis zu verbringen.

Vanessa Münstermann (rechts) tritt als Nebenklägerin auf. Neben ihr ihr Anwalt Matthias Waldraff.

Zur Bildergalerie

Das Urteil war - da auch der Staatsanwalt auf eine Revision verzichtete - an jenem 25. August rechtskräftig geworden. Doch der Verteidiger argumentiert nun, der Angeklagte habe nicht überblickt, was ein Akzeptieren der Strafe für ihn bedeutet, auch habe er keine Gelegenheit gehabt, diesen Entschluss mit seinen Anwälten abzusprechen. Allerdings hatte F. extra darauf hingewiesen, dass seinen Verteidigern der Rechtsmittelverzicht wahrscheinlich nicht behage, er ihn aber trotzdem erklären wolle. Malpricht weiß, dass die Chancen für eine Aufhebung des Schuldspruchs nicht rosig sind, verweist jedoch auf ein Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) von 1999. Demnach kann ein Rechtsmittelverzicht in Ausnahmefällen für ungültig erklärt werden: bei schwerwiegenden Willensmängeln, unzulässigen Absprachen zwischen den Verfahrensbeteiligten oder „sonstigen Umständen“ beim Zustandekommen dieses Verzichts.

Ein Säure-Angriff durch ihren Ex-Freund hat die linke Gesichtshälfte von Vanessa M. aus Leinhausen verätzt. Nach drei Wochen zeigt sich die 27-Jährige der Öffentlichkeit. 

Zur Bildergalerie

Der ehemals zweite Verteidiger von F., Benjamin Schmidt, mag diese Kapriolen nicht mehr mitmachen. Er hat sich aus dem Verfahren zurückgezogen. Vanessa Münstermanns Anwalt Matthias Waldraff hält das Unterfangen des Mannes, der das Leben seiner Ex-Freundin zerstört hat, für „unbegreiflich“ und „aussichtslos“. Auch seiner Mandantin gegenüber sei diese „Rolle rückwärts“ extrem unfair: „Auf diesem Wege quält er Vanessa noch einmal aufs Neue.“

Nun gilt es abzuwarten, bis das Gericht die Begründung des Urteils zu Papier gebracht hat, dann kann der Verteidiger Argumente für den Revisionsantrag suchen. Bis der BGH darüber befindet, dürften etliche Monate ins Land gehen.

Und warum wünscht sich F. eine höhere Strafe? Gleich zu Prozessbeginn hatten seine Anwälte gefordert, das Verfahren gegen den 33-Jährigen wegen Schuldunfähigkeit einzustellen und ihn in die Psychiatrie einzuweisen. Diesen Antrag hatte das Gericht abgelehnt.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Prozess um Anschlag auf Vanessa Münstermann
Das Opfer des Säure-Anschlags, Vanessa Münstermann, mit ihrem Anwalt Matthias Waldraff.

Im Trennungsstreit schüttete der 33-jährige Daniel F. seiner Ex-Freundin Vanessa Münstermann Säure ins Gesicht. Die 27-Jährige ist für ihr Leben entstellt. Jetzt hat das Schwurgericht ein Urteil gefällt: F. wurde wegen absichtlicher, schwerer Körperverletzung zu einer Haftstrafe von 12 Jahren verurteilt.

mehr
Mehr Aus der Stadt
Es war einmal in Hannover. Aber wo?

Auf in eine neue Runde: Sie kennen sich in Hannover aus? Zeigen Sie es! Schauen Sie sich die historischen Stadtansichten an, und erraten Sie, wo die Aufnahmen gemacht wurden. Direkt hinter dem historischen Foto sehen Sie die Auflösung – in Form eines aktuellen Vergleichsbildes.

Briefwechsel zwischen Hannovers Grundschulen und der Queen

Queen Elizabeth ist eine treue Seele. Seit Jahren schon schreibt die britische Monarchin brav Antwortkarten an hannoversche Schulklassen, die ihr zum Geburtstag gratulieren. Oder: Lässt schreiben. Aber immerhin.