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Aus der Stadt Eltern lehnen Insulin ab – Kind stirbt
Hannover Aus der Stadt Eltern lehnen Insulin ab – Kind stirbt
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00:15 11.02.2015
Von Tobias Morchner
Weil die Eltern ihrer vierjährigen Tochter das lebensnotwendige Insulin verweigerten, starb das Mädchen. Nun müssen sich die Eltern vor Gericht verantworten. Quelle: dpa/Symbolbild
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Hannover

Jetzt müssen sich Antje und Baldur B. vor der 13. Großen Strafkammer für die mögliche Verletzung ihrer Fürsorgepflicht verantworten. In der Anklage wird ihnen Körperverletzung mit Todesfolge zur Last gelegt.

Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft sind die Angeklagten entschiedene Gegner der Schulmedizin. Stattdessen wenden sie konsequent alternative Heilmethoden an. Im Fall ihrer schwer erkrankten Tochter sollen sie die Dosis des lebensnotwendigen Insulins immer weiter verringert haben, um das Kind von dem Medikament zu entwöhnen. Stattdessen sollen sie ihrer Tochter Rohkost verabreicht haben, um so die Diabetes in den Griff zu bekommen. Als sich im Dezember 2009 der gesundheitliche Zustand ihrer Tochter massiv verschlechterte, sollen sie den Notarzt gerufen haben. Doch der alarmierte Mediziner konnte nichts mehr für die Vierjährige tun.

Nach Informationen der HAZ sind Baldur und Antje B. bei der Behandlung ihrer Tochter nach den Methoden des ehemaligen Arztes Ryke Geerd Hamer vorgegangen. Der umstrittene Mediziner, dem bereits im April 1986 die Approbation entzogen worden war und der mehrfach wegen illegalen Praktizierens in Haft gesessen hat, ist Begründer einer speziellen Behandlungsmethode namens „Germanische Neue Medizin“. Hamer zufolge darf auch bei schweren Erkrankungen der Heilungsprozess nur in Ausnahmefällen durch Verabreichung von Medikamenten oder durch Operationen unterstützt werden. Hamers Lehre hat deutliche antisemitische Züge. So spricht er in der Regel von der „jüdischen Schulmedizin“, deren Vertreter eine Kampagne gegen seine Heilmethoden mit dem Ziel betrieben, alle Nichtjuden umzubringen. Hamer musste sich mehrfach vor Gerichten verantworten, weil seine umstrittenen Methoden Patienten in akute Lebensgefahr gebracht hatten.

Beim Blick auf die Vita des jetzt angeklagten Ehepaars erscheint es nicht besonders verwunderlich, dass Baldur und Antje B. ihre Tochter nach den Lehren der „Germanischen Neuen Medizin“ versorgt haben sollen. Vater und Mutter der Vierjährigen sollen am Aufbau der sogenannten Artgemeinschaft in Niedersachsen beteiligt gewesen sein. In diesem Zusammenschluss, der über einen Zeitraum von zehn Jahren von Neonazi Jürgen Rieger geleitet wurde, ist die Mitgliedschaft nach rassistischen Gesichtspunkten geregelt. Nur sogenannte „nordenentstammte Menschen“ dürfen in den Kreis aufgenommen werden. Der Verfassungsschutz stuft die Gruppierung, die auch als „Germanische Glaubensgemeinschaft wesensgemäßer Lebenshaltung“ firmiert, als rechtsextrem ein.

Für den Prozess gegen Baldur und Antje B. sind vier Verhandlungstage angesetzt. Die Rechtsanwälte der Angeklagten wollten sich gegenüber der HAZ im Vorfeld nicht zu dem Fall äußern.

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